Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Exodus: Exhibition B: The Human Condition

Ein weiterer Anwärter für die Thrash-Scheibe des Jahres
Wertung: 10/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 74:19
Release: 07.05.2010
Label: Nuclear Blast

„Hell awaits you!“ müsste man Slayer zitieren, was dieses Album angeht. Ich muss gestehen, dass ich die Bay Area Thrasher Exodus schon immer mochte, sie es aber nie geschafft haben, mich zu ihrem Fan zu machen. Nun meldet sich die Band 29 Jahre nach ihrer Gründung, damals noch mit einem gewissen Kirk Hammett (Metallica) an der Gitarre, mit „Exhibition B: The Human Condition“ zurück. Ein Jahr vor dem 30-jährigen Jubiläum meldet man sich dann mit solch einer Scheibe zurück. Und vorweg gibt es zwei Warnungen: „Play it loud motherfucker!“ Und „Fasten seatbelts!“

„The Ballad Of Leonard And Charles“ beginnt, wie eine Ballade beginnen sollte, mit akustischen Gitarrengeplänkel. Aber halt, das ist doch Exodus hier. Richtig, und nach gut 52 Sekunden ist dieser akustische Anflug, übrigens so ziemlich der Einzige auf dem Album, wenn man vom Abschiedssong für diesen Planeten absieht, dann wie verflogen. Nach zwei Minuten befindet man sich dann mitten in der Bay Area. WOW, die Band gibt richtig Gas und drückt den Hörer kräftig an die Wand. Der Schädel fliegt völlig willenlos vor und zurück. Was Gary Holt und Lee Altus hier auf ihren Sechssaitern abliefern, ist schon beste alte Thrash Metal-Schule, klingt aber zu keinster Zeit altbacken.

„Beyond The Pale“ kommt da schon schneller zum Zuge. Mit unbarmherziger Power thrasht sich die Band hier durch die Strophen. Zahnprothesenträger sollten besser aufpassen. Rob Dukes schreit sich seinen Frust aus dem Hals und überzeugt auf ganzer Linie. Ohne nun pietätlos zu sein, kann ich nur sagen, dass hier der leider am 02.02.2002 an den Folgen eines Hirnschlages verstorbene Paul Balloff wirklich bestens vertreten wird. Nach dem fast 15-minütigen Auftakt, bestehend aus lediglich zwei Songs, macht sich auch schon der heiß laufende Nacken bemerkbar. Das ist für eine CD-Veröffentlichung schon sehr ungewöhnlich.

„Hammer And Life“ hat irgendwie ein wenig Metallica-Flair, zumindest zu Beginn. Dem Himmel sei Dank aber aus den guten Zeiten der Band, die nun schon deutlich länger als zwanzig Jahre zurückliegen. Ich denke bei diesem Song speziell an das „Master Of Puppets“-Album. Exodus sind meiner Meinung nach besser denn je, was natürlich auch an dem absolut exzellenten Sound liegt, der hier von Andy Sneap (Nevermore, Testament, Machine Head, Kreator,…) kreiert wurde. Jedes Instrument ist zu jeder Zeit genau hörbar, ohne dass sich ein Musiker in den Vordergrund produziert fühlen könnte.

„Class Dismissed (A Hate Primer)“ zeichnet sich durch ein fulminantes Gitarrensolo aus, welches in diesem hochklassigen Song nur ein weiteres kleines Highlight darstellt. Rob Dukes schreit sich die Stimmbänder nach außen und tritt seinen Bandkollegen kräftig in den Allerwertesten. Wahnsinn, was die Band hier für eine Power zu erzeugen vermag.

„Downfall“ zeigt dann, dass es auch mal zumindest für Exodus-Verhältnisse etwas melodischer voran gehen kann. Ohne Powerverlust wird das Tempo zwar etwas herunter geschraubt, aber der Headbangingfaktor bleibt trotzdem auf höchstem Niveau. Der Moshpart dürfte live für einige blaue Flecken sorgen.

„March Of The Sycophants“ gibt wieder etwas mehr Gas. Hervorragend, wie hier Bassist Jack Gibson sein Instrument malträtiert, dazu das allerheftigst in den Popo tretende Schlagzeugspiel von Tom Hunting, das wirkt fast wie aus einer anderen Welt. Nein, solch eine Leistung habe ich dem Fünfer wirklich nicht zugetraut.

„Nanking“ erinnert mich, was die Vocallines angeht, ein wenig an Slayers „South Side Of Heaven“-Album. Klar, dass auch das ein Referenzwerk war, denn wir reden hier wirklich über eines der besten Thrash-Alben ever. Der Schädel fliegt im gemäßigterem Takt vor und zurück… dass ich das in meinem Alter noch erleben darf. Erst Overkill und nun Exodus auf einem derart hohem Niveau. Da können dann auch bärenstarke Alben wie von Megadeth, Scornage, Sepultura oder auch The Burning aus dem letzten Jahr mithalten.

„Burn, Hollywood, Burn“ ist dann für dieses Album mit seinen gerade mal vier Minuten ein eher kurzer Song. Unaufhaltsam hämmert er sich durch das schon arg geschundene Trommelfell. Starker Tobak mit gutem Text.

„Democide“ tritt dann aber erstmal gehörig auf die Bremse. Rob Dukes singt höher als gewohnt und man hat hier deutlich mehr Groove, was aber natürlich auch durch die Geschwindigkeitsreduzierung kommt. Ohne Power einzubüßen ein kleines Stück Erholungspause für die Nackenmuskulatur.

„The Sun Is My Destroyer“ wechselt dann geschickt immer wieder das Tempo, was bei fast neuneinhalb Minuten Spiellänge auch dankbar angenommen wird, hier gibt es pfeilschnelle Fragmente ebenso wie Downtempoparts mit fast schon Doom Metal-Geschwindigkeiten. Nicht unbedingt repräsentativ für dieses Album, aber ein Highlight unter vielen Highlights. Wie sollte man das noch verbessern können?

„A Perpetual State Of Indifference” ist dann eigentlich so etwas wie der Auftakt zum bevorstehenden Ende. Zu Beginn wird deutlich in den Achtzigern gewildert. Das Tempo ist unten und die Spannung baut sich von Sekunde zu Sekunde weiter auf. Ein gelungenes Instrumental als Vorbereitung für den Ender „Dood Riddance“, der natürlich wieder im wilden Galopp durch die Lautsprecher stürmt. Man verabschiedet sich hier textlich aber nicht vom Hörer, sondern vom ganzen Planeten. 2010 sind Exodus nun endlich da angekommen, wo ich sie nicht erwartet hätte: in meinen Faves. Danke für diese Energieleistung.

Fazit: Unglaublich, hier werden einfach zwanzig Jahre Musikgeschichte ausgeblendet und  man zockt auf einem Niveau, das dem Hörer den Atem verschlägt. 2010 wird anscheinend das Jahr für Thrash Metal. Overkill haben einen Höhepunkt raus gehauen, dem Exodus nur sehr knapp folgen. Heathen haben sich sehr stark zurückgemeldet. Und nun das hier. Ich würde mal prophezeien, dass in den Unfallstatistiken der Krankenkassen Schleudertraumata ohne Fremdverschulden etwaiger Unfallgegner ein deutliches Plus im Jahre 2010 verzeichnen können. Hoffentlich gibt das keine Beitragserhöhungen bei Metalfans. Hier gibt es über 74 Minuten Trommelfell und Nacken zerstörende Mucke auf höchstem Niveau. Eigentlich ist dieses Jahr schon mehr als genügend gesegnet mit besten Veröffentlichungen. Was soll da noch kommen?

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna