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Ex Deo: The Immortal Wars

Toller symphonischer Bombast trifft auf eher mageres Songwriting
Wertung: 6,5/10
Genre: Symphonic Death Metal
Spielzeit: 38:25
Release: 24.02.2017
Label: Napalm Records

Ex Deo sind schon ein ungewöhnliches Projekt: Personell betrachtet handelt es sich hier um Kataklysm plus zweite Gitarre, ansonsten ist der einzige Unterschied, dass Stéphane Barbe, der bei Kataklysm den Tieftöner bedient, hier Gitarre spielt. Einerseits eine nicht unclevere Variante, wenn alle in der Band Lust haben, mal etwas anderes auszuprobieren, jedoch den Zorn der Fans fürchten, wenn man dies unter dem gewohnten Namen herausbringt (denn man kennt ja das Gemecker, sobald eine Formation es wagt, eine Kursänderung vorzunehmen) – auf der anderen Seite gehen Ex Deo musikalisch ohnehin in eine ähnliche Richtung wie die Hauptcombo von Maurizio Iacono und Co. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele Musiker erklären, mit neuen Leuten zu spielen generiere automatisch meistens auch neue Inspiration.

Dennoch: Man hat dieses Projekt sicher in erster Linie gegründet, um dem eigenen Faible für die Geschichte des Römischen Reiches ausgiebig zu frönen. Nach „Romulus“ (2009) und „I, Caligvla“ (2012) steht mit „The Immortal Wars“ nun nach fünf Jahren der dritte Langdreher an, der sich mit der Zeit der punischen Kriege zwischen Rom und Karthago befasst. Um dem Gedächtnis mal ein kleines bisschen auf die Sprünge zu helfen, das sich wahrscheinlich nicht alles aus dem Geschichtsunterricht gemerkt hat: Insgesamt drei Kriege gab es zwischen den beiden verfeindeten Parteien, wobei der zweite der bekannteste sein dürfte, da hier auch der legendäre karthagische Feldherr Hannibal beteiligt war, der u.a. mit Elefanten die Alpen überquerte und den Römern schwere Niederlagen zufügte. Dennoch gingen letztere am Ende siegreich aus den Konflikten hervor und Karthago wurde schließlich zerschlagen.

Lange hat es gedauert, bis das Quintett mit der dritten Platte aufwartete, allerdings gilt das Hauptaugenmerk natürlich Kataklysm, sodass diese Zeitspanne verständlich ist. Zudem fällt sofort die spektakuläre und detailverliebte Orchestrierung auf, die auszufeilen mit Sicherheit viel Mühe und Arbeit gekostet hat. Dafür auf jeden Fall Respekt, denn viel besser kann man das nicht machen, das ist schon sehr durchdacht und immer richtig dosiert, sodass von Redundanz oder gar Kitsch keine Rede sein kann. Auch die Produktion ist äußerst fett geraten und knallt mit Wucht und Druck aus den Boxen.

Unglücklicherweise fallen die anderen Aspekte von „The Immortal Wars“ nicht so positiv aus: So müssen beim Songwriting deutliche Abstriche gemacht werden, denn zumindest beim Rezensenten bleibt auch nach mindestens einem halben Dutzend Durchläufen nicht allzu viel hängen. Sicher, das meistens im Midtempo gehaltene Riffing erscheint zunächst ziemlich mächtig und headbangen lässt sich dazu schon, im Endeffekt jedoch kristallisiert sich das Ganze als zu einfallslos und standardmäßig heraus. Gerade in puncto Gitarrenarbeit wäre wesentlich mehr drin gewesen; wenn man bedenkt, dass hier (im Gegensatz zu Kataklysm) zwei Axtschwinger am Werke sind, die außerdem wahrlich nicht mehr als Anfänger bezeichnet werden können, ist das ein bisschen wenig und schlicht zu simpel.

So hat man zwar tollen Orchesterbombast vorliegen, der es wert ist, genauer hinzuhören, durch das insgesamt biedere Songwriting aber verliert man als Hörer doch schnell das Interesse und das Ganze plätschert im Endeffekt nebenbei vor sich hin. Die angesprochene fette Produktion sorgt zwar dafür, dass man hier und da mal die Rübe kreisen lässt, kaschiert aber eben im Prinzip doch lediglich kompositorische Schwächen. Böse gesagt: Ein wenig Resteverwertung von Riffs aus den Archiven der eigenen Hauptband sowie Amon Amarth, die ebenfalls gerne mal durchschimmern.

Anspieltipps lassen sich daher schwer ausmachen; „The Roman“ hat wenigstens halbwegs Ohrwurm-Qualitäten und wurde konsequenterweise auch als Single ausgekoppelt. Ansonsten stechen am ehesten wohl noch „Hispania (Siege Of Saguntum)“, das einen guten Drive besitzt und durch das rein orchestrale Ende (plus Schlachtgeräusche) tatsächlich recht episch daherkommt und das flotte „Ad Victoriam (The Battle Of Zama)“, bei dem die Gitarrenarbeit durch das schneidende Riffing endlich mal etwas dynamischer und mit ein bisschen mehr Schmackes daherkommt, hervor. Mehr in dieser Machart wäre wünschenswert gewesen. Dennoch liegt hier eine selbstverständlich kompetent und superprofessionell gemachte (wenn auch mit knapp 39 Minuten etwas kurze) Platte vor, die zumindest jeder Fan von Ex Deo oder Kataklysm problemlos antesten kann. 6,5 Punkte dürften ein guter Kompromiss sein aus der unglücklichen Kombination von großartiger Orchestrierung und größtenteils phlegmatischen Songs.

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