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Evestus: This Is Dramacore

Rock-Eklektizismus auf hohem Niveau
Wertung: 9/10
Genre: Industrial
Spielzeit: 66:52
Release: 29.04.2010
Label: Eigenproduktion

So suicide is out of fashion/And Manson lost his fucking balls/Trent has found a happy place now“ - mal ehrlich, wie soll man in so einem Umfeld noch interessanten Industrial-Rock produzieren? Das muss die Frage gewesen sein, die sich der aus Estland stammende Ott Evestus gestellt hat, bevor er mit der Arbeit an seinem mittlerweile dritten Album namens „This Is Dramacore“ begann.

Ob die Welt tatsächlich auf einen weiteren „-core“-Neologismus gewartet hat, wage ich zwar zu bezweifeln. Man muss Evestus allerdings zugestehen, dass der Begriff seinen Stil recht passend umschreibt: Verzerrte, dreckige Industrial-Elemente der härteren Gangart verbinden sich mit Zirkus- und Marschmusik, 40er-Jahre-Radiomusik, Streichern, Chören und anderem klassischen Instrumentarium zu einem stimmungsreichen und dynamischen Gesamtbild. Man stelle sich vor, jemand würde während einer Zaubervorstellung mit Dr. Frankenstein in einem heruntergekommenen Varieté-Theater eine Atombombe zünden – so ähnlich klingt Dramacore in seinen härtesten Momenten. Zwischen Gothic-Romantik und industrieller Zerstörungswut schafft sich Evestus damit seine eigene Klangnische, in der alles erlaubt ist.

So prallen schon im Opener flüsternde Chöre, verzerrte Raps, Gitarrenlicks, applaudierende Menschenmassen, fette Beats und stimmungsvolle Geigen aufeinander – und alles passt zusammen. Nicht einmal das Orchesterzwischenspiel inklusive Spieluhr klingt konstruiert oder gezwungen; die kuriosesten Kombinationen wirken schlicht natürlich.

„Dramacore“ verlegt anschließend den Fokus weg vom Bombast hin zu klassischen Haudrauf-Industrial-Sounds. Zwischendrin wird dennoch immer mal wieder ein harmonischer Streicherteppich eingeschoben, den dann ein Nackenbrecher von Riff in Grund und Boden stampft.

Man kann dieses ständige Pendeln zwischen Sturm und der Ruhe davor, gemischt mit einem gewissen Hang zum Pathos, vielleicht als einen der wenigen gleichbleibenden Grundsätze in Evestus' Musik festhalten, denn die meisten anderen Kategorisierungen greifen zu kurz oder gleich gar nicht. Zu viel macht der Este anders, zu viel wirft er durcheinander – und macht dabei so gut wie nichts falsch. Die meisten Kritikpunkte dürften eher eine Frage des persönlichen Geschmacks sein – nicht jedem wird Evestus' röhrend-kratzige Stimme gefallen und eine Spielzeit von über einer Stunde wirkt auch leicht ermüdend. Für jeden Industrial-Fan mit weitem musikalischem Horizont ist „This Is Dramacore“ aber trotzdem ein absolutes Muss.

Und auch wenn es (noch) unangenehm nach Druckerei müffelt: Für das großartig gestaltete, komplett farbige, 26-seitige Booklet gibt es noch einen halben Punkt oben drauf. Selten habe ich eine CD mit so liebevollem und stimmigem Design gesehen.

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