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Everlast: Songs Of The Ungrateful Living

Eine sehr gute Mischung, bei der man sich schon aufs nächste Album freut
Wertung: 9/10
Genre: Rock, Hip Hop, Country, Blues, Singer/Songwriter
Spielzeit: 61:14
Release: 18.10.2011
Label: Martyr Inc./EMI

Damals, als Everlast und der heutige Limp Bizkit-DJ Lethal gemeinsam mit Danny Boy House Of Pain gründeten, wusste man noch, wie guter Hip-Hop zu klingen hatte: kein vorpubertäres Gestammel, kein lächerliches Machogehabe. Klar, House Of Pain hatten dicke Eier, aber sie zeigten sie mit Stil. Mittlerweile ist Erik Shrody alias Whitey Ford a.k.a Everlast auf Rock-lastigere Songs mit Blues- und Fünfziger-Jahre-Anleihen umgestiegen und wird als einer der besten US-Singer/-Songwriter gehandelt – allerdings, trotz mittlerweile dem sechsten Studioalbum in Form von „Songs Of The Ungrateful Living“, immernoch als Geheimtipp. Ein kleiner Kreis von eingeweihten Scheuklappenfreien erwartet seine neuen Ergüsse immer sehnsüchtig – unter anderem auch die Schreiberin dieser Zeilen, die erst einmal einen Freudentanz aufführte, als die neue Scheibe in den Redaktionspool hereinschneite.

Was der ehemalige Katholik, der schon vor Jahren zum Islam übergetreten ist (was seine Texte aber glücklicherweise nicht großartig beeinflusst hat), auf seiner aktuellen Platte wieder so zusammenmischt, erinnert schon stark an die alten Zeiten. Blues, Fifties, Rock, Country, Rap, alles mit der berühmt-berüchtigten Acoustic-Gitarre versehen, die der Meister gerne selbst spielt – der Mann zelebriert seine Musik förmlich. Und auch hier wird wie so oft wieder ein bisschen der erhobene Zeigefinger geschüttelt, ohne zu missionieren: Der Albumtitel bezieht sich nämlich auf all diejenigen, die alles für selbstverständlich hinnehmen. Dass der Mann sich damit selbst einbezieht, dürfte klar sein.

Die Zeiten, als der Ami mit Carlos Santana und „Put Your Lights On“ einen Grammy einheimsen konnte, sind schon lange vorbei – die Songs gehen bei Weitem nicht mehr so schnell ins Ohr, dafür trifft Everlast auf Umwegen von hinten durch den Rücken ins Herz des gewillten Hörers. Auch quantitativ hält der Musiker seine Standards aufrecht: Über eine Stunde Spielzeit bietet die aktuelle Scheibe, verteilt auf 15 reguläre und fünf Bonustracks, von denen uns hier nur drei vorliegen. Fans dürfte zumindest der letzte Track schon wohlbekannt sein: Das großartige „Black Coffee“ vom „Eat At Whitey’s“-Album wird als Akustikversion dargeboten. Wenn man sich so den Verlauf der Alben anhört, kann man ganz deutlich die Steigerung sehen von verwirrtem Teenangerschmerz zu den Zeilen eines gebrochenen Mannes, der viel erlebt hat und wenig bereut. So pathetisch das auch klingen mag, aber solcherlei Sätze kommen einem bei Everlasts Musik öfter in den Sinn. Auch hier wird zuerst mit ein wenig Pathos gearbeitet: Der Opener „Long At All“ kommt in einem ruhigen Countrygewand daher, man spürt schon das leichte Gänsehautkribbeln, das sich bei der heiseren Stimme schnell einstellt. Die Vorabsingle „I Get By“ kann, wie die meisten Singles, nicht so recht landen, dafür überzeugt aber das folgende „Little Miss America“ auf ganzer Linie. In bester „White Trash Beautiful“-Manier schleicht sich der Song mit einem genialen Refrain direkt ins Hirn.

„The Crown“ kommt dann mit einem schönen beschwingten, aber dennoch leicht bedrückenden Gitarrenrhythmus daher, den Everlast in den letzten Jahren quasi perfektioniert hat – man stelle sich ein Lied vor, das einen gleichzeitig zum Weinen bringt und einem ein Lächeln entlockt - grandios. Spätestens bei "Moneymaker" kommt dann der Hip-Hopper wieder zum Vorschein, allerdings kann selbst Everlast zu einem recht simpel anmutenden Beat und dem kaum fehl zu interpretierenden Satz "Shake your moneymaker" gute Raps abliefern, die nicht billig wirken. Geschmackssache bleibt der Track aber dennoch. 

"I'll Be There For You" entwickelt sich zu einem sehr smoothen Rapsong, der mit einer Gitarre unterlegt ist, die leicht an die Arbeit mit Santana erinnert. Einen solchen Track hätte man jetzt eigentlich so nicht erwartet, knüpft das Stück doch an die älteren Alben an. Es ist ein schöner Abstecher in die Vergangenheit, den Everlast hier unternimmt und der viele Fans sicherlich freuen wird. Eine fette Überraschung bietet dann der erste Bonustrack "Everybody Respects The Gun", der stellenweise mit richtig heftig bratenden Gitarren verstärkt wird, die natürlich perfekt zu der rauhen Stimme des Amis passen. Das folgende "Final Trumpet" geht in eine ähnliche Richtung, kann aber nicht ganz so überzeugen.

Fazit: Everlast hat seinem Namen wie immer alle Ehre gemacht. Im Vorfeld durfte man etwas skeptisch sein, schließlich enthielt das letzte Album "Love, War And The Ghost Of Whitey Ford" einige Lückenfüller, aber diese Skepsis kann man bei "Songs Of The Ungrateful Living" getrost vergessen. Hier hat man alles, was man von dem Musiker kennt und liebt: Rap auf hohem Niveau, gechillte Countrysongs, klassische Everlast-Balladen, Crossover-Rocksongs - eine gute Mischung, die wenig zu wünschen übrig lässt. Schon jetzt kann man sich auf die nächste Veröffentlichung freuen.

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