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Evergrey: The Atlantic

Tatsächlich so hart und düster wie vielleicht nie
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal / Dark Power Metal
Spielzeit: 54:07
Release: 25.01.2019
Label: AFM Records

Mit „The Atlantic“ schließen Evergrey eine 2014 mit „Hymns Of The Broken“ begonnene und anschließend 2016 in Form von „The Storm Within“ fortgeführte Trilogie ab, die lyrisch das „Abenteuer Leben“ behandelt, wie es so schön im Promoschreiben heißt, mit all seinen schönen und hässlichen Facetten. Gleichzeitig ist es nun die dritte Platte mit derselben Besetzung in Folge; nachdem die Band eine Zeitlang mit Line-Up-Wechseln zu kämpfen hatte, ist inzwischen wieder Kontinuität eingekehrt.

Nicht zum ersten Mal zeigen sich die Schweden von ihrem eigenen Schaffen begeistert und führen Superlative der Marke „unser härtestes, düsterstes und vielleicht sogar abwechslungsreichstes Album“ an. Solche Worte hört man in der Metalszene immer wieder von Bands, weswegen diese Ansage wenig originell erscheinen mag, doch wer die Truppe kennt, weiß, dass Nostalgie und stetiges Messen neuen Materials mit alten Großtaten überhaupt nicht das Ding von Tom Englund und Co. ist – man bevorzugt es, den Fokus nach vorne zu richten.

Und so zeigt bereits der Opener „A Silent Arc“, der auch vorab als erste Single der Scheibe vorgestellt wurde, dass in Sachen Härte tatsächlich nicht zu viel versprochen wurde. Ziemlich cool, wie passend zum Titel „The Atlantic“ und der Ozean-Thematik (die laut Englund metaphorisch für die Unberechenbarkeit des Lebens steht, für Reisen zu fernen Ufern) am Anfang lediglich ein Echolot ertönt, das dann rhythmisch mit dem alsbald einsetzenden brachialen Riffing verwoben wird. Insgesamt vereint der knapp achtminütige Song viele Facetten der Band, der aufwühlenden Strophe steht ein getragener Breitbandrefrain gegenüber, in der Mitte wird es mittels einsamer Pianoklänge sogar komplett ruhig, bevor mit einem gefühlvollen Gitarrensolo der Bogen (yes, pun intended) zurück zum Refrain gespannt wird.

Ein bockstarker, um nicht zu sagen beeindruckender Beginn der Platte, doch darf man getrost festhalten, dass das gesamte Eröffnungstriplett von „The Atlantic“ es wahrlich in sich hat: Die anschließende Midtempo-Hymne „Weightless“ vereint Drive und Groove mit einem Refrain, der erneut meisterlich eingängig geraten ist, dessen Gesangslinien und Lyrics jedoch gleichzeitig Bitterkeit ausdrücken, und einer angeproggten Passage, die das Stück zusätzlich spannend und zu einer kleinen Achterbahnfahrt macht. „All I Have“ hingegen geht als Ballade durch, langsam und schmerzerfüllt trifft die Nummer mitten ins Herz des Hörers und die Art, wie Tom Englund den zwar prinzipiell simplen, aber doch unheimlich anrührenden Chorus singt, ist und bleibt einzigartig. Der Schmelz seiner Stimme ist eben schlichtweg naturgegeben und würde wohl selbst Eisberge zum Tauen bringen.

Trotzdem trifft es wie erwähnt zu, dass über die gesamte Albumdistanz ein erheblicher Härtegrad vorherrscht (was sich auch darin zeigt, dass diesmal auf das zuletzt obligatorische Duett mit weiblichem Gesang verzichtet wird). So wartet „A Secret Atlantis“ gar mit thrashiger Schlagseite auf und bietet an sich eine interessante Mixtur aus Härte und Melodik, und auch das finale „This Ocean“ peitscht mit ordentlich Schmackes daher – dass sie ihre Fans hier mit einem völlig abrupten Ende überrumpeln, passt zu den kompromisslosen Schweden.

Dafür haben sie in Gestalt von „End Of Silence“ auch einen eher typischen Track im Programm – eingeleitet vom kurzen Instrumental „The Tidal“, markiert dieses Stück eine jener schwelgerischen Kompositionen voller Pathos, Bombast und dunkler Erhabenheit und Eleganz wie zu besten „In Search Of Truth“- und „Recreation Day“-Zeiten. Gekrönt von einem herrlichen Refrain und trotz düsteren Keyboardteppichs wiederum nicht im Geringsten auf Härte verzichtend. Letztgenannter Fakt ist auch der glänzenden Produktion von Englund und Drummer Jonas Ekdahl sowie dem Jacob Hansen-Mix zu verdanken – Drums und Gitarren knallen wie Sau, ohne dass sie den wieder einmal wie entfesselt singenden Frontmann in den Hintergrund drängen würden.

Dieser bringt seine vielleicht beste und emotionalste Leistung im grandiosen „Departure“, bei dem ein rau schnarrender Bass auf ein geschmeidiges Piano und luftige Akustikgitarren trifft, was eine ziemlich eigene Atmosphäre kreiert, von der die Formation zu Protokoll gibt, etwas in der Art habe es bis dato bei ihnen auch noch nicht gegeben. Sicherlich keine falsche Einschätzung und doch irgendwie auch keine absolut untypische Nummer; in jedem Fall zweifellos eines der größten Highlights der Platte.

Wieder einmal verblüffen Evergrey mit ihrem fabelhaften songschreiberischen Können; wie geschickt sie sich Hooklines aus dem Ärmel schütteln, dabei aber dank ihrer technischen und musikalischen Fähigkeiten die Arrangements spannend und anspruchsvoll gestalten und gleichzeitig so hart wie vielleicht nie tönen, imponiert. Zudem wächst die Scheibe mit mehreren Durchgängen – so entfaltet beispielweise ein zunächst unscheinbar wirkendes Stück wie „The Beacon“ mit seinem doch sehr einfach gestrickten Chorus alsbald seine Ohrwurmqualitäten – umgekehrt wird trotz gelegentlicher proggiger Verspieltheit (viele tolle Soli von Englund und Henrik Danhage) und Komplexität nie der Song aus dem Auge verloren. Definitiv stärker als das letzte Album „The Storm Within“ und sicher auf einem Level mit „Hymns For The Broken“.

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