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Evergrey: Hymns For The Broken

Mindestens so gut wie der Vorgänger
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal/ Dark Power Metal
Spielzeit: 60:51
Release: 26.09.2014
Label: AFM Records

Vor drei Jahren noch standen Evergrey beinahe vor dem Aus, als gleich drei Mitglieder das Weite suchten. Doch Bandleader Tom Englund und Keyboarder Rikard Zander ließen sich davon nicht unterkriegen, formierten neue Leute um sich herum und veröffentlichten nahezu trotzig das überraschend starke, achte Studioalbum „Glorious Collision“. Nun, im Jahre 2014, geht die Band mit einem erneuten Line-up-Wechsel an den Start: Die damaligen Neueinsteiger Hannes van Dahl (Schlagzeug) und Markus Jidell (Gitarre) sind ihrerseits schon wieder weg vom Fenster und wurden wiederum von ihren Vorgängern Jonas Ekdahl bzw. Henrik Danhage ersetzt – lediglich Bassist Johan Niemann zupft auch weiterhin die tiefen Saiten. In dieser Besetzung hat die Truppe also auch noch nicht zusammengespielt, sodass man gespannt sein durfte, was die neue Scheibe „Hymns For The Broken“ wohl bringen würde.

Interessant sind allein schon der zu Evergrey doch ziemlich passende Titel und das martialische Coverartwork (mehr dazu in einem bald erscheinenden Interview mit Tom Englund), doch auch musikalisch können die Schweden erneut voll und ganz überzeugen. Bereits bei „Glorious Collision“ war man wieder mehr zu den alten, bombastischeren Evergrey zurückgekehrt, was auf „Hymns For The Broken“ noch deutlicher vollzogen wird. Allein die Produktion tönt glatter und fetter, zum Glück ohne steril zu wirken, was in der Vergangenheit leider manchmal der Fall war.

Nach dem beklemmenden Intro, das mit kriegerischen Geräuschen und Sprachsamples aufwartet, gibt es bei „King Of Errors“ wie auch schon beim Vorgänger erneut einen für diese Formation recht typischen Track auf die Ohren – epischer, edel anmutender Refrain und ausladende Keyboardteppiche inklusive, während es beim wuchtigen „A New Dawn“ um einiges härter und düsterer zur Sache geht. Auch hier bleibt der Chorus allerdings äußerst hymnisch und Mitsing-kompatibel, aber wie gut Tom und seine Mitstreiter darin sind, eingängige, aber trotzdem anspruchsvolle Düster-Ohrwürmer zu fabrizieren, wurde ja schon oft genug erläutert.

So hat das Quintett wieder mal eine ganze Latte an großartigen Stücken in der Pipeline, bleibt seinem Sound treu, ohne dabei etwa nur Altbekanntes aufzuwärmen. Das absolut grandiose „Wake A Change“ beispielsweise besitzt einen tollen Drive, vorangetrieben von beinahe Techno-mäßig klingenden Synthie-Effekten und simplen, aber extrem wirkungsvollen Pianosounds. Das Stück steigert sich nach und nach, um letztlich in einem ekstatischen Gitarrensolo seine Krönung zu erfahren – ganz großes Kino!

Letzteres kann man aber auch von der vielleicht besten Komposition des Albums, dem an vorletzter Stelle stehenden „The Grand Collapse“, behaupten – was für eine geile Headbanger-Nummer! Hier wird vorzüglich zwischen Mid- und Uptempo-Passagen gewechselt und bei diesen formidablen Riffs will die Rübe gar nicht mehr aufhören, auf und ab zu zucken. Wenn das kein zukünftiger Livestandard wird, dann werde ich die Welt wohl endgültig nicht mehr verstehen.

Dass Evergrey generell nicht gerade fröhliche Musik vom Stapel lassen, ist wahrlich keine Neuigkeit, dennoch tönen „Barricades“ und insbesondere der Titelsong etwas positiver als der Rest, aber eine „Hymne für die Gebrochenen“ kann man ja auch dahingehend interpretieren, dass man eben jene Leute, die sich am Boden befinden, aufbauen möchte. Doch dass die Skandinavier schon immer um abwechslungsreiches Songwriting bemüht waren, ist ebenfalls nichts Neues, weswegen sich mit „Missing You“ wieder eine dieser wahnsinnig unter die Haut gehenden Balladen findet, die vor allem von Englunds unglaublich emotionaler Gesangsperformance leben. Wo andere Kapellen schon mit dem zugegeben nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzenden Titel scheitern, werten die Schweden mit solch einer Nummer ihr Album ganz klar zusätzlich auf.

Ein schöner Einfall ist auch die Slide-Gitarre im ebenfalls wundervoll fließenden Finale „The Aftermath“. Der Einsatz dieses Features dürfte eine Premiere für die Band sein, aber die Idee respektive deren Umsetzung macht sich prächtig. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem „Archaic Rage“, das mit seinen vielen Wechseln die progressive Ader Evergreys freilegt. Andererseits versteht es sich ohnehin von selbst, dass dieser handwerklich ziemlich beschlagene Fünfer teilweise äußerst komplexe Arrangements auffährt. Mehrere Durchläufe, um die berühmten kleinen Details und Sounds in sich aufzunehmen, seien demnach wärmstens empfohlen.

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