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Evergrey: Escape Of The Phoenix

Härter als der Vorgänger, wenn auch nicht ganz so hochkarätig
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Metal / Dark Power Metal
Spielzeit: 58:48
Release: 26.02.2021
Label: AFM Records

Wenn man der immer noch grassierenden Corona-Pandemie in Musikerkreisen überhaupt irgendetwas Positives abgewinnen möchte, dann dass wenigstens Zeit vorhanden ist, ausgiebig an neuen Songs zu arbeiten, wenn man schon nicht auf Tour gehen kann. Wenngleich man sie momentan anschließend allerdings nicht live aufführen kann (Ironie pur). Evergrey jedenfalls gehören zu jenen Bands, die sich nicht unterkriegen lassen und wuchten glatte zwei Jahre nach „The Atlantic“ schon das nächste Album in die CD-Regale. Zwar erklären die Schweden, dass man schon kurz nach Release jener Platte an neuen Stücken arbeitete, als also noch niemand wissen konnte, was 2020 passieren würde, allerdings hat man die plötzlich entstandene viele freie Zeit genutzt, um penibel an den Details in puncto Songwriting und Aufnahmen zu arbeiten.

Nachdem die letzten drei Platten allesamt Konzeptalben darstellten, ist mit „Escape Of The Phoenix“ wieder ein Longplayer entstanden, auf dem die Songs für sich stehen. Fronter Tom Englund spricht von einer „dem Metal zugewandteren Version von ,The Atlantic‘, mit gradlinigeren Songs“, was man definitiv unterschreiben kann, obwohl das 2019er Werk ja nun ebenfalls nicht gerade soft ausgefallen war. Das zwölfte Studioalbum der Schweden ist aber tatsächlich noch eine Ecke härter und rauer als der Vorgänger geworden, was sich auch in der rabiateren Produktion manifestiert. Der flotte Opener „Forever Outsider“, ein solider, wenn auch nicht überragender Auftakt, zeigt ein wenig, wo die Reise hingeht, vor allem in der zweiten Hälfte der Scheibe aber gibt es teilweise ganz schön auf die Glocke.

So besitzen der aufwühlende Titeltrack mit seinen brutalen Gitarren und das preschende „Leaden Saints“ (Bomben-Refrain!) thrashige Anleihen, auch „Eternal Nocturnal“, ausgestattet mit einem richtig fetten Mainriff, ist recht rasant ausgefallen, geht allerdings mehr in die melodische Ecke und kann zudem mit der wohl besten Solopassage der Platte glänzen. Dass der Band instrumental erneut keiner was vormacht, versteht sich jedoch von selbst – Henrik Danhage und Tom Englund überzeugen einmal mehr mit erstklassiger Gitarrenarbeit, Johan Niemann und Jonas Ekdahl bilden eine Traum-Rhythmusgruppe und Rikard Zander (neben Englund ja das langjährigste Bandmitglied) versteht es wie immer, sehr geschmack- und wirkungsvoll und an den richtige Stellen seine Keyboardteppiche und -sounds einzuweben.

In „Where August Mourn“ wird dann im Midtempo agiert, wobei auch hier die Gitarren zum Teil ordentlich braten, mit „Stories“ und „You From You“ liegen zudem zwei gelungene Halbballaden vor, die, effektiv in der Tracklist platziert, für die nötige Abwechslung sorgen. Bei Songs dieser Art ist es natürlich besonders von Vorteil, eine einzigartige Stimme wie die von Tom Englund in der Band zu haben – es gilt einmal mehr, dass der Mann Emotionen wie im Prog-Metal-Umfeld kein anderer Sänger zu transportieren versteht, was speziell jede Ballade aufwertet.

Seine beste und emotionalste Gesangsleistung bringt er zweifelsfrei im alles überragenden „The Absence Of Sun“, dem fesselndsten und kompositorisch stärksten Stück auf „Escape Of The Phoenix“, das voller spannender Wechsel und mit viel Dramatik daherkommt. „The Beholder“ hingegen, das Duett mit Dream Theater-Frontmann James LaBrie, den Englund als großer DT-Fan als Gaststar gewinnen konnte, lebt zwar durch den reizvollen Kontrast der beiden sehr unterschiedlichen Stimmen und ist sicher kein Ausfall, ein großes Highlight des Albums aber auch nicht.

Richtig stark stattdessen wieder das Finale in Form von „Run“; gelingt auch nicht alle Tage, einen Ein-Wort-Refrain zu verfassen, der nicht nur nicht klischeehaft, sondern gar richtig eindringlich klingt. Die elegische Nummer mit ihrem schwermütigen, verlorenen Charakter ist so ein typisches Evergrey-Stück, das zudem als Albumcloser bestens funktioniert. An ergreifender Stimmung und düsterer Atmosphäre fehlt es trotz gehobener Härte und mehr Edginess also auch auf der neuen Scheibe nicht.

Mit „Escape Of The Phoenix“ ist dem Fünfer erneut eine starke Platte geglückt, die gewohnt facettenreich, anspruchsvoll, tiefschürfend (auch in Bezug auf die Lyrics) und emotional packend ausgefallen ist. Die Hitdichte ist dennoch nicht ganz so hochkarätig wie auf „The Atlantic“, deswegen gibt es diesmal „nur“ 8,5 Punkte.

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