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Evangelist: Deus Vult

Heureka, Gott will es
Wertung: 8/10
Genre: Epic Doom Metal
Spielzeit: 44:41
Release: 20.12.2018
Label: Nine Records

So ist das eben, wenn die Gesundheit nicht mitspielt, dann muss man zurückstecken, wenn es ans Komponieren und vor allem ans Aufnehmen geht, da fließen eben die doomigen Ideen nicht so wie gewohnt, was dann auch den für 2015 geplanten Aufnahmeprozess immer weiter nach hinten verschieben ließ. Fünf Jahre haben die aus Krakau kommenden Polen Evangelist gebraucht, um den Nachfolger vom 2013er Album „Doominicanes“ einzutüten, welches seinerzeit von unserem Björn mit einem „langatmig inszeniert, Candlemass inspiriert“ abgewatscht wurde. Klar, auch heute sind die schwedischen Vorbilder an allen Ecken und Enden im christlichen Albumkontext anzutreffen, dafür sind die Stilgrenzen für den epischen Doom, den Evangelist spielen, dann doch schon zu früh zu sehr abgesteckt gewesen.

Vielleicht war es ja auch ein geträumtes „Gott will es“ - eigentlich zum Kotzen, dass unter diesem Vorwand unzählige Menschen in zahlreichen Kreuzzügen abgeschlachtet wurden -, was dann zum nächsten Albumschritt geführt hat, am Ende aber zählt dann der christliche Inhalt aus dem erzkonservativen Oststaat, denn der kann sich prima in Doom-Ohren hören lassen, zumal der anonyme Frontmann einen tollen Job hinlegt und natürlich immer wieder an Marcolin & Co. erinnert – da gibt es sicherlich schlechtere Referenzen.

Und bevor das Duo als Rip-Off  durchgeht, haben sie geschickter Weise einfach mal ein paar schwarzmetallische Anleihen eingeflochten, nicht viel, aber genau das macht dann auch in „Memento Homo Mori“ das besondere Momentum aus, als ob Attic da durchaus ein Wörtchen haben mitreden wollen. Ein schwelgerisches Solo, insgesamt weniger pessimistisch als man erwartet hatte und mit dem glockengeläuteten Übergang in das anschließende „Heavenwards“, so sorgen Evangelist für ein geschlossenes Albumbild, zumal hier die epische Breite voll ausgekostet wird und sich majestätische Doom-Schleifen dem durchgehend intensiven Gesang locker die Hand reichen.

Allein schon der Opener „God Wills It!“ führt mit seinem kurzen Intro zum martialischen Irrglauben früh auf schwer walzende Doom-Pfade, eine Einladung voller Epik mit sachten Tempiwechseln, wo die Klampfen in Kombination mit dem Gesang schon erste Sakralkopfbilder erzeugen und die kurz gehaltene Snare-Marschdrums den Kreuzzug nochmals tonal in den Vordergrund schieben.

Überhaupt, die immer wieder mal kurz aufflammende schwärzliche Färbung wie in „Prophecy“ oder wie bei dem nach einer wahren Begebenheit gierenden „The Leper King“ kommen einfach gut, die akustischen Klampfen in „The Passing“ dagegen sorgen ebenfalls für ein wenig balladeskes „Obacht“, wobei sich der rockige Song wie auch das eher reinrassig doomig schallende und auch frei erfundene „Eremitus (Keeper Of The Grail)“ gerne mal (gesanglich) in Richtung Grand Magus orientieren, nur dass hier die doomigen Auswüchse eher wie satt gefressene Maden auf den heiligen Pestbeulen voran kriechen.

Candlemass gehören bei euch zu wöchentlichen Abendbeilage? The Gates Of Slumber sind euch thematisch schon immer wenig suspekt gewesen? Atlantean Kodex lassen sich zu viel Zeit mit einem neuen Album? Bitte, Evangelist springen ein. Wer aber nun denkt, hier kommt das große Katholiken-Bashing auf, der irrt sich gewaltig, denn die Polen richten sich nicht nach der kirchlichen Reinheitslehre, sondern fühlen sich eher durch solche Gestalten wie R.E. Howard und H.P. Lovecraft inspiriert. So ganz können die beiden – Tatsache, sie sind nur zu zweit und wollen dazu ihre Identität auch noch geheim halten – zwar nicht die Fesseln ihrer Originale abstreifen, aber was soll es, ohne einem „Heureka, Gott will es“ hagelt es hier auch so acht Punkte.

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