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Euzen: Sequel

Pop - progressiv und unerwartet dänisch
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Pop
Spielzeit: 50:12
Release: 07.10.2011
Label: Westpark Music

Euzen wird ausgesprochen wie das englische „you seen“ belehrt die Bandbio. Euzen stammen außerdem aus Dänemark. Das macht aber nichts, oder eher: Davon hört man als Nicht-Kenner der Kopenhagener Indie-Electro-Szene nichts. Klar, irgendwie skandinavisch klingt das, was Sängerin Maria Franz und die vierköpfige Instrumentalfraktion auf „Sequel“ präsentieren, schon. Instinktiv würde ich die Truppe jedoch eher in Island verorten: Schließlich hat die Vulkaninsel mindestens seit Björk quasi ein Monopol auf leicht bis mittelschwer abgedrehte, verträumte und gelegentlich melancholische Klänge. Aber nein, Euzen sind und bleiben Dänen, „Sequel“ ist ihr zweites Album – und jenes zieht mich mit seiner ganzen Isländischkeit ziemlich problemlos in seinen Bann, denn dieses Quintett hat zwei Dinge, die es von zahllosen Bands wohltuend unterscheidet.

Erstens: Euzen haben Sinn für Balance. Mit spielerischer Eleganz wandelt die Band zwischen Elektroklängen und organischem Akustiksound, zwischen intimer Atmosphäre und Pomp, zwischen versponnener Progressivität und Pop-Appeal. Wenn sich zu den klaustrophobisch und gehetzt wirkenden Klavierarpeggios von „The Great Escape“ sanfte Synthesizer und basslastige Beats gesellen, wirkt das weder künstlich noch billig, sondern genau richtig. Selbst als die Soundflächen aus dem Keyboard gegen Ende völlig das Ruder übernehmen, fühlt sich der Track immer noch mehr nach einer bittersüßen Ballade an, als nach orchestralem Electro.

Zweitens: Euzen haben Maria Franz. Die Bedeutung der Sängerin und ihrer charakteristischen Stimme für den besonderen Sound der Band kann wohl kaum hoch genug eingeschätzt werden. Ob extravagant-kieksig à la Björk, mit theatralischem Gothic-Einschlag, von intimer Zärtlichkeit oder mit einem Quäntchen Dreck auf den Stimmbändern – die Frau trifft in jeder Situation den richtigen Ton. Ihre Stimme zieht die Aufmerksamkeit des Hörers mühelos auf sich, verschmilzt dabei aber so sehr mit der Musik, dass sie stets im Verbund mit den Instrumentals wahrgenommen wird.

Letztere sind bemerkenswert abwechslungsreich gestaltet und vor allem reich an allerlei exotischen Klängen: Neben Klavier, Akustikgitarren, Schlagzeug und Bass kommen auch so ungewöhnliche Gerätschaften wie ein Dulcimer, eine chinesische Zither namens Guzheng, ein Theremin, Mandoline, Banjo und Bouzouki zum Einsatz. Dazu gesellen sich wie selbstverständlich umfangreich gebrauchte elektrische Loops und Beats sowie jede Menge Effekte: So großartig Marias Stimme schon einzeln ist – wenn sie gedoppelt oder noch weiter vervielfacht mit sich selbst hinter Hallvorhängen im Chor singt, entfaltet sie noch einmal eine ganz andere Wirkung. Auch vor irrwitzigen Soundexperimenten mit dem Organ ihres Goldkehlchens schrecken Euzen nicht zurück: „Vilje“ klingt teilweise, als würde Frau Franz durch ein Wah-Wah-Pedal eine indianische Beschwörung singen, um direkt im Anschluss in eine Art Best-Of aus Massive Attack, chinesischer und dänischer Folklore überzugehen: durchaus gewagt – funktioniert aber.

Genau so lässt sich auch „Sequel“ allgemein zusammenfassen: Mehr als einmal ist man erstaunt, wie stimmig sich hier alles ohne Brüche zusammenfügt und auch noch gefällig klingt. Indem Euzen stets die Balance zwischen allen scheinbaren Widersprüchen halten, erschaffen sie ihren ganz eigenen Sound, der hoffentlich bald einmal im größeren Maß über die dänische Grenze hinauskommt. Jeden Fan anspruchsvoller Popmusik dürfte diese Platte vom Fleck weg ansprechen. Irgendwie wüsste ich aber gerne, was die Isländer davon halten.

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