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Europe: War Of Kings

Zeitlos gute Rockmusik
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 49:04
Release: 06.03.2015
Label: UDR Music

Warum auch immer, die schwedischen Hard-Rock-Recken Europe werden noch immer an ihren Frühwerken gemessen, dabei haben sie das ehemalige und von der Plattenfirma aufgesetzte Teenie-Image Anfang der 90er, woraus dann ja auch konsequenterweise die Auflösung entstand, schon längst um Welten abgeschüttelt. Klar, die ersten Alben nach der Reunion im Jahre 2004 waren chartstechnisch gesehen vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber wer im heutigen veränderten Musikmarkt noch immer solch eine Platzierung als Maßstab heranzieht, der hat wohl das Business nicht verstanden.

Und spätestens mit dem 2012er Vorgänger „Bag Of Bones“ hat das Quintett eh die alten Fesseln abgestreift und zeigte sich mehr denn je „erwachsen“, ohne aber den Spaß am Rock’n’Roll zu verlieren, zumal sie auf einem Bluestrip wandelten, der ihnen nicht nur sehr gut zu Gesicht stand, sondern auch heute noch an allen Ecken und Enden mehr als durchblinzelt. Europe sind im Hier und Jetzt angekommen und machen genau jene Mucke, die ihnen im Blut liegt und die hoffentlich nicht vom Kalkül eines Goldringes abstammen.

Und auch wenn Retro einfach wieder modern ist, so kann man Europe nicht den Vorwurf machen, dass sie da auf einen Zug aufspringen, denn Zug um Zug haben sie ihre Ideen seit der Reunion verfeinert, ohne aber die ganz großen Heroen vor allem der Siebziger zu vergessen, denn die immer wieder aufkeimende knietiefe Verbeugung vor Deep Purple & Co. ist nicht nur in Nummern wie „Praise Me“ oder „California 405“ zu erkennen – ersterer mit einem Hammond-Orgel-Sound ausgestattet, der bei allen Hard Rockern dieser Erde eine meterdicke Gänsepelle hervorrufen muss und wo durch den Wechsel von gefühlvoll  treibenden Akkorden, die immer wieder durch ruhige sphärische Abschnitte untermalt werden, eine fette 70er Atmosphäre kreiert wird, zweiterer allerdings leider ein wenig blass gegenüber den anderen Nummern bleibt.

Aber das bildet dann auch schon die Ausnahme, denn bei dem einfach strukturierten, aber äußerst effektiven „Days Of Rock’N’Roll“ kann man durchaus von einem Sommerhit sprechen, der mit reichlich guter Laune ausgestattet auch Hard Rocker zum Cruisen einlädt. Knackige Up-Tempo-Rocker wie „Hole In My Pocket” oder das mit orientalischem Flair angereicherte “ Rainbow Bridge“ laden zum wiederholten Genuss ein, wobei man wegen des durchaus recht sperrigen Strophenparts bei der Regenbogenbrücke ein paar Durchläufe mehr braucht, spätestens der Refrain aber wieder genial einfach zündet.

Das etwas schwermütige „Nothin' To Ya” könnte glatt als Synonym für den aktuellen Europe-Stand durchgehen: „Of all the words of all our fights, it became the best years the best years of my life“ – Europe sind wie oben schon angedeutet einfach nur erwachsen und genießen den augenblicklichen Status mehr als offensichtlich. Das bluesig balladeske „Angels (With Broken Hearts)”, der als Schulterschluss zum Vorgänger passende Opener und Titeltrack „War Of Kings“ oder der bedächtige, mit ordentlicher Grace-Jones-Matrix gen Hollywood für den nächsten James-Bond-Film schielende Rocker „Second Day“ sorgen für weiterhin farbenfrohe Schwedentupfer und runden „War Of Kings“ einfach nur ab.

John Norum entlockt seinen Fingerchen ein aufs andere Mal großartige, passgenaue und auch stimmungsgeladene Soli, der immer wieder aufkommende Keyboard/Orgelteppich sorgt für atmosphärischen 70er Spirit und gleich zwei handvoll richtig guter und zeitloser Rocksongs, die von Joey Tempest sehr souverän emotional unterfüttert werden, sorgen für ein Album, welches locker den Test der Zeit überstehen wird. Ob nun die instrumentale Japan-Bonus-Nummer „Vasastan“ einen Mehrpreis wert ist, können wir hier nicht eruieren, aber die europäische Version ist jeden Cent wert.

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