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Europe: Live! At Shepherd’s Bush, London

Sie haben den Test der Zeit locker bestanden
Wertung: 9.5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: CD: 72:14
Release: 19.08.2011
Label: earMusic

Im ganzen Reunion-Wahn der letzten Jahre war auch eine Band dabei, die 1986 mit ihrem Überalbum „The Final Countdown“ und der gleichnamigen Single anscheinend überall die Charts dominierte – schnell natürlich auch angefeindet und ausgelacht, weil soviel kommerzielles Potenzial damals wie heute immer genügend Skeptiker auf den Plan ruft. Nach und nach verloren Europe an Boden und lösten sich frustriert 1992 auf. Um die Jahrtausendwende ein erstes Lebenszeichen, und seit 2004 als offizielle Rückkehrer fingen sie sogar auch wieder an, Songs zu schreiben – der Erfolg nahm und nimmt von Jahr zu Jahr nun auch wieder zu.

Lange Zeit mussten Europe zumindest in der härteren Rockgemeinschaft schon als Schimpfwort für schmachtenden Seichtrock herhalten – kein Wunder, hat das Quintett doch so manche Herz-Schmerz-Ballade (verbrochen) komponiert, und auch Joey Tempest mit dauergewelltem Haar und einer leicht quäkenden Stimme gab genügend Trefferfläche für Hohn und Spott ab.

Doch so viel sei schon jetzt verraten: Europe sind nicht mehr die Haarspray-Jünger vergangener Tage, sondern deutlich gereift rocken sie dermaßen fett die Shepherd’s Bush-Hütte, dass einem immer wieder Schauer des „Das gibt es doch gar nicht“ über den Rücken rinnen. So abgegriffen es auch sein mag: Sie waren noch nie so wertvoll wie heute. Das Gitarrero John Norum ein ausgesprochener Spezialist für feinste Saitenarbeit ist, sollte niemand bezweifeln, auch wenn die Musik natürlich für einen Metaller in der Regel zu seicht sein dürfte. Den positivsten Wandel hat allerdings Joey selbst durchgemacht, denn seine Stimme wirkt einfach deutlich reifer, leicht kehlig rauer und arschgenau passend. 

Auf der vorliegenden Live-CD brennen die Schweden ein wahres Best-Of-Programm ab. Was vor allem neben der Stimme des Fontmanns hervorsticht ist, dass sich neue und alte Songs wie aus einem Guss zusammenfügen – da schafft es „The Beast“ locker, sich an den Klassiker „Rock The Night“ anzuhängen, die schmalzige Ballade „Carrie“, damals in Deutschland immerhin auf Platz 22 der Charts, wird locker von dem neuen, sehr emotionalen „New Love In Town“ (was der eigene Nachwuchs so an Gefühlen auslöst, gelle) um Längen geschlagen.

„Love Is Not The Enemy“ mit einem phänomenalen Gitarrensolo, das völlig unverzichtbare „The Final Coutdown“ als Rausschmeißer – Europe wissen einfach auf ganzer Linie zu überzeugen. Da sollte man nicht zu pingelig sein, dass im Studio so einiges nachbearbeitet wurde – die Live-Atmosphäre kommt trotz allem völlig natürlich rüber.

Davon kann man sich dann auch auf der DVD (wahlweise Blu-ray) überzeugen, denn auch hier sind nicht selten Eindrücke eingefangen, die die Emotionen des Publikums aufzeigen – keine kreischenden Teenies, sondern eher Fans, die in der Überzahl mit der Band mitgealtert sind und sich zum Sound austoben. Und wer Shepherd’s Bush in London nicht kennt: Wie geil ist denn diese Location bitte? Für Europe eine relativ kleine Bühne, dafür Nähe zum Publikum und ein Ausblick bis in die dritte Etage (!), dazu eine stimmungsvolle Lightshow.

Zwar brauchen die Schweden-Rocker erst noch zwei Songs, um ihre Lockerheit zu finden, aber ab „Rock The Night“ setzen sie den Titel auch direkt in die Tat um und ab und zu greift Joey selbst zur Gitarre, vor allem bei seinem emotionalen Höhepunkt „New Love In Town“. Besonders die Kamerafahrten auf Armhöhe der Fans quer durch die Pommesgabeln vermitteln sehr schön die Energie des Abends. Manchmal hat Joey selbst eine kleine Kamera in der Hand und filmt wahlweise (etwas zu hektisch) das Publikum, aber auch die Nahansicht zum Gitarrensolo bei „Love Is Not The Enemy“ ist ein richtiges Schmankerl. Unschön allerdings, dass sich auch ein paar Unschärfen eingeschlichen haben, und manchmal kann man auch nicht nachvollziehen, was der Kameramann uns da sagen will – allerdings gehen diese beiden Kritikpunkte schnell unter und sind auch recht selten, trotzdem gibt es hier Abzüge in der B-Note.

Ein besonderes Highlight muss aber noch erwähnt werden: das Schlagzeugsolo! Gleicht dieser Teil bei den Bands sich immer wieder, so gehen Ian Haugland und Europe einen komplett anderen Weg und zaubern so ein „Wie genial ist das denn“ auf die Lippen – einfach, aber besonders geil – am besten selbst ansehen.

Zusätzlich befinden sich auf der DVD (bzw. Blu-ray) zwei weitere Konzertmitschitte, wobei man bei den Gröna Lund-Aufnahmen vorher die Fernbedienung in die Hand nehmen sollte, dröhnt die Rock-Ladung doch ungleich lauter aus den Boxen. Wahlweise können sich Fans das Konzert entweder als Dolby 2.0 oder 5.1 DTS geben.

Welt-Hits, Nummer-Eins-Singles – normalerweise Gründe genug, um schreiend davon zu rennen und den Herrn Belzebub um Hilfe zu bitten. Doch bei Europe muss keine(r) die Seele verticken, denn diese Live-CD strotzt nur so vor Spiellaune, hervorragenden Melodien und vor allem Songs (gut, „Carrie“ mal ausgenommen), die den Test der Zeit mal locker bestanden haben. Für HardrockerInnen oder Melodic Rock Fans ein Muss, aber auch für alle AltrockerInnen ein gefundenes Fressen, um sich in der Vergangenheit zu suhlen, die sich heute viel besser anhört als damals. Tolles Live-Dokument. Die CD voll auf die zehn, die DVD bleibt bei neun Punkten hängen.

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