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Eternal Reign: The Dawn Of Reckoning

Eine positive Überraschung durch und durch
Wertung: 9/10
Genre: US Power Metal
Spielzeit: 57:38
Release: 06.08.2010
Label: Pure Steel Records

Die Bremer Eternal Reign haben soeben ihr neues Album “The Dawn Of Reckoning“ veröffentlicht. Das ist Grund genug, sich eingehender mit dem Release zu beschäftigen. Die Norddeutschen zocken feinsten US Metal mit einer Prise Power Metal in den hauseigenen Genen. Da es nun gute fünf Jahre gedauert hat, bis das dritte Album in den Regalen steht, ist zum einen die Erwartungshaltung gestiegen, aber ebenso auch die Gefahr, ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Welche Richtung richtig war, soll dieses Review aufzeigen.

Mit zarten Pianoklängen und leichter Streicheruntermalung beginnt „Drowned“. Dann ertönt Dirk Stühmers tolle hier gefühlvolle Stimme und verzaubert den Hörer - was für ein zweiminütiger Auftakt, bevor anschließend mit „Beyond The Black“ kraftvoll losgelegt wird. Melodisch und dennoch hart wird hier auf hohem Niveau dem Metal Tribut gezollt. Der Gesang ist das perfekte Bindeglied zwischen dem gelungenen Riffing der Gitarren, den nie störenden und songdienlichen Keyboards von Björn Meyer und der Rhythmussektion. Es ist ein blendender Auftakt.

„Lords Of Chaos“  wirkt etwas progressiver, ohne aber vertrackt zu erscheinen. Dirk erklimmt auch höchste Töne, doch das stört zu keinem Zeitpunkt, denn die Band ist zu jeder Zeit immer auf songdienliches Musizieren aus. Das ist auch zu hören. Der Chorus wirkt zwar ein wenig schwächer als beim vorherigen Track, kann aber dennoch punkten. Schön ist, wie hier eine deutsche Band dem eigentlich immer seltener werdenden US Metal frönt. Das brillante Gitarrensolo von Michael Sebastian und Torsten Fünfhaus wird grandios vom emuliertem Klavier ausgebremst, um dann mit dem starken Gesang wieder in die ursprünglichen Musikbahnen zurückgeholt zu werden.

„Shadows Of The Past“ demonstriert zu Beginn weitaus mehr Härte - schade eigentlich, denn ein härterer Brecher hätte das Konzept hier bereichert. Stattdessen driftet man in etwas rockigere amerikanische Metalsphären ab. Es klingt nicht schlecht, aber speziell die eingestreuten Backgroundshouts wirken ein wenig erzwungen. Der Track ist definitiv zu gut, um als Lückenfüller bezeichnet zu werden, aber er kann bei der bisher abgelieferten Klasse nicht mithalten, auch wenn sich der Refrain immer tiefer in der Ohrmuschel festsetzt.

„Emptiness Devours“ zeigt, wie sich Songs langsam entwickeln können. Den Spannungsbogen behutsam, aber dennoch unweigerlich aufbauend, wird hier zunächst recht verhalten begonnen. Nach gut eineinhalb Minuten zerschneiden die Gitarren jegliche ruhige Momente und man rockt sich mit viel Groove weiter voran. Mit viel Gespür für gelungene Melodiewechsel geht die Band hier vor.

Schade, dass das anschließende „Lost Clouds“ mit einem emuliertem Klavier gespielt wird, darüber sind die „Ansagen“ über Lautsprecher zu hören. Das klänge mit einem richtigen Instrument deutlich besser, aber es handelt sich nur um ein Intro für den darauf folgenden Song „Forgotten Sunrise“.

Dieser beinhaltet wieder alle Trademarks, welche die Band ausmacht: Feinstenr Gesang, US Metal, geschickte Melodiewendungen und das Ganze auf hohem handwerklichem Niveau und niemals in Egotrips ausartenden Ausschweifungen. Unglaublich ist dann das kurze Zuspiel für das große Ende, bei dem die Band ein wenig experimentell abdriftet und unterschwellig sogar ein leicht orientalischer Touch zu hören ist. Dieser wird zwar recht gut vom metallischen Gesamtsound und der schnellen Geschwindigkeit zugedeckt wir, aber dadurch passt es zusammen und gefällt.

„The Beast Within“ wird vom Schlagzeug eröffnet und man erwartet einen Brecher wie von Judas Priest auf ihrem „Painkiller“-Album. Das wäre etwas gewesen, aber Eternal Reign zocken zwar zügiger und härter, jedoch nicht so brachial, wie es an dieser Stelle als zusätzliche Bereicherung für das Album gepasst hätte. Trotzdem geht ein großes Lob an Drummer Lennart Medebach für seine hier geleistete Arbeit.

Die größte Überraschung bildet „Devil And Daughter“, ein Cover von Black Sabbaths Album „Headless Cross“. Es ist stark gemacht, wenngleich ich die etwas luftigere Version mit mehr Tieftonbereich von der Legende bevorzugen würde. Trotzdem weiß dieser Mischmasch aus Black Sabbath und Eternal Reign wirklich zu gefallen. Auf jeden Fall ist ein weiteres Highlight des Albums.

„Gone Too Far“ wird nach dem Sabbath-Song mit kräftigerem Bassspiel von Jörg Hassel eingeleitet, das gut klingt. Der Refrain wirkt zwar ein wenig platt und nicht so hochwertig wie der Rest der Songs, kann sich aber im Vergleich mit den meisten anderen Combos in diesem Genre anno 2010 dennoch messen. Sehr gelungen erscheint der kurze Mittelteil vor dem Gitarrensolo, der das Tempo rausnimmt, aber ein wenig erhabenes Feeling freisetzt.

„Still Remains“ beginnt bedächtig und verschleppt das Tempo so, wie es halt für eine zünftige Halbballade üblich ist. Das gefällt, ist nicht der Abschluss für solch ein starkes Album. Gepasst hätte eher ein erneuter Kracher, so dass dieser sanfte Ohrenschmeichler in der Tracklist weiter nach vorne geschoben worden wäre. Aber es ist wie es ist, im Downtempo wird hier ein Abschluss für ein starkes Album regelrecht zelebriert. Daumen hoch.

Fazit: Um auf die Eingangsfrage zurückzukehren, hier wurde zu Recht die Erwartungshaltung hochgeschraubt und sogar noch übertroffen. Der Sound ist gut und die Songs teilweise auf höchstem Niveau in diesem Genre. Es darf aber auf keinen Fall wieder fünf Jahre dauern, bis dieses Bandjuwel mit dem nächsten Output daherkommt. Hoffentlich begibt sich die Band bald auf eine Tour und präsentiert sich live. Dann könnte hier bald etwas Größeres entstehen.

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