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Escalator: Out Of My Ego

Reiner, handgemachter EBM mit sehr guten Ausreißern
Wertung: 8/10
Genre: EBM
Spielzeit: 55:50
Release: 09.01.2011
Label: EK Product

Escalator stehen für Electro-Industrial und kommen aus Budapest. Ganze siebzehn Jahre ist es nun her, dass die Bulgaren ihr Werk „Arbeit“ vorlegten. Nun haben sie es geschafft, mit „Out Of My Ego“ ihr zweites Werk zu präsentieren. Mit dem Blick auf die Tracklist und deren Anzahl kommt erst einmal Enttäuschung auf: nur acht Tracks. Aber der zweite Blick fällt unweigerlich auf die Spielzeit und die ist mit rund 55 Minuten ausgewachsen - also nichts wie rein in den Player.

„Bad Constellation“ ist ein autobiographisches Stück. Der Beginn ist ruhig und wird durch eine Computerstimme eingeleitet. Es folgt eine monotone, stampfende Melodie, die den gesamten Track durchzieht, immer wieder unterbrochen durch Computer animierte Zwischenstücke. Diese ersten vier Minuten weisen darauf hin, dass Escalator nicht einfach ein Album füllen, mit möglichst vielen Tracks, sondern ihre Fertigkeiten in wenigen Stücken bis zur Perfektion darstellen. Sie probieren sich aus. „Rew Stop Play“ ist dann anfangs ruhiger, die Melodie weniger aggressiv und die Facetten 80er Jahre Electros spürbar. Der Song macht aber eine Transformation durch. Der ruhige Takt verwandelt sich schnell in rhythmisches Stampfen, die Synthesizer laufen zur Höchstform auf. Leider ist nach der Transformation Schluss mit Spannung und Abwechslung. Der Song verliert sich im Nichts.

Besser ist dagegen der Titelsong „Out Of My Ego“. Hier vereinen Escalator beinahe sämtliche Raffinessen des EBM. Von martialisch stampfenden Beats, verzerrten Stimmen und industriellen Einflüssen ist innerhalb der vier Minuten alles zu finden. Escalator schaffen es, dies alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass der Song chaotisch wirkt.

Der vierte Song des Albums „Deeply Buried Psychosis“ ist auch der Höhepunkt des Neulings. Hierfür müsste ein neues Genre „erfunden“ werden: Horror EBM. Der Song behandelt den 80er Jahre Horrorfilm „Evil Dead“ und spielt mit klassischen Horrorelementen: dunkle, brachiale Stimme, tiefe, schwere Bässe, die den Hörer runterziehen. Dann folgen plötzlich aggressive Shouts, die die Düsternis aufbohren. Der Schluss kommt unerwartet, der Song verlässt den Hörer mit einem tiefen, inbrünstigen, Mark erschütternden Schrei. Es folgt Stille und Schweigen. Der Song zeigt deutlich, dass es sich bei Escalator um wahre Soundkünstler handelt, die geradlinig arbeiten, doch Neues ausprobieren und damit wahre Diamanten schmieden. „Deeply Buried Psychosis“ zeigt genau das.

Leider folgt mit „Shut Me Off“ ein guter, aber langweiliger EBM-Song. Nicht falsch verstehen, der Song ist astrein produziert, hat eine klare saubere Bassline, einwandfrei eingesetzte Synthesizer. Die Tonfolge bleibt nicht hängen, die Motivation sich zu bewegen ist da, aber mehr ist da nicht. Auch die folgenden Stücke „Strike“ und „Biological Countdown“ sind gut gemachte, tanzbare EBM Stücke. Beide zeigen den Ehrgeiz Escalators auf, Perfektion erreichen zu wollen. Es stimmt alles, aber es spricht die Emotionen nicht an.

Das längste Stück ist auch schon das letzte Stück des Albums und „Gepek Lesztek“ ist zudem in der Muttersprache 2RTs und TBs, ungarisch, geschrieben. Der Song schleicht sich langsam in den Gehörgang, um dann sehr lange zu verharren. Deutlich wird hier auch noch einmal, dass Escalator vor allem für reinen EBM stehen, nicht auf Konservenmusik.

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