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Erick Avila: Oblivion

Abwechslungsreiches Debüt
Wertung: 8/10
Genre: Progressive/Melodic Metal
Spielzeit: 33:22
Release: 25.02.2013
Label: Eigenproduktion

Six Magics kennt in diesen Gefilden eigentlich irgendwie kaum jemand, obwohl die Chilenen bereits fünf Studioalben (das letzte im vorigen Jahr hieß „Falling Angels“, fand auch bei The-Pit.de Beachtung und konnte immerhin acht Zähler einheimsen) und eine DVD veröffentlichten. Aber Bands, die nicht aus den Vereinigten Staaten oder aus Europa kommen, haben es halt meistens etwas schwerer, da es mit der Promotion oft nicht ganz leicht ist. Wie auch immer: Wer bei Six Magics schon mal in den ein oder anderen Track reingeschnuppert hat, dem wird aufgefallen sein, dass dort sehr begabte Gitarristen am Werke sind; einer der beiden, Erick Avila, hat in Form von „Oblivion“ nun sein erstes (komplett instrumentales) Soloalbum vorgelegt. Unterstützt wird der Mann aus Santiago dabei an Bass und Drums von seinen Six-Magics-Kollegen Mauricio Nader bzw. Pablo Stagnaro.

Das heißt jedoch nicht, dass er unbedingt auf den Spuren seiner Stammband wandelt (wäre irgendwo ja auch etwas sinnlos), sondern eher auf denen von Großmeistern wie Joe Satriani oder Steve Vai. Natürlich zeigt der Kerl, was er draufhat und präsentiert jede Menge halsbrecherischer Soli, aber es wird dankenswerterweise nicht übertrieben. Anstatt in bester Yngwie Malmsteen-Manier einfach nur Sechzehntel-Läufe aneinanderzureihen, legt Avila schon Wert auf stimmige Songs, gönnt einem auch mal Momente zum Durchatmen, lässt Abwechslung walten und gibt Riffs, Soli und Atmosphäre gleichermaßen Raum.

Der von einem schweren Riff eingeleitete Opener „Aachen“ (wäre sicherlich interessant zu wissen, wieso Erick den Song nach der einstigen Kaiserstadt benannt hat) beispielsweise beinhaltet Tonnen von Griffbrettflitzereien, doch im Vordergrund stehen letztlich doch die Hooklines. „Ranco“ kommt entspannter daher und besitzt eine wunderschöne Hauptmelodie und eine angenehm positive Grundstimmung, während der Meister bei „Binsfeld“ dann schließlich doch mal die Schredderkeule auspackt – zwischenzeitlich werden da ein bisschen Erinnerungen an Jeff Loomis oder auch Animals As Leaders wach.

Dass er auch ganz anders kann, beweist „Latin Groove“, das logischerweise auf typischen Latin-Tonfolgen und -Rhythmen basiert, allerdings einem interessanten Aufbau folgt, indem es in puncto Härte konstant zunimmt und somit für einen eher überraschenden Farbtupfer in der Mitte der Scheibe sorgt. Spacig wird es anschließend bei „Algren“, erneut speediger bei „Maipo“ und wiederum besinnlich „Tatio“. Auch das finale „Vica“ geht in die ruhige Ecke, besonders zum Ende hin überzeugt der Saitenhexer mit herrlich perlenden Gitarrenharmonien.

Kein Zweifel, Erick Avila liefert ein starkes und erfrischendes (wenn auch mit 33 Minuten für eine Full-Length vielleicht etwas kurz geratenes) Solodebüt ab. Durchgehend hochklassig arrangiert, spielt der Chilene seine großartigen Fähigkeiten an der Klampfe auf vielfältige Weise aus: Mal wird lässig gegroovt, mal geschreddert, mal mit zarteren Klängen relaxt. Würden die eingangs erwähnten Joe Satriani oder Steven Vai diese Platte hören, wären sie mit Sicherheit ebenfalls sehr angetan. Und ich behaupte mal, selbst Leute, die sonst wenig mit Alleingängen eines technisch beschlagenen Gitarreros anfangen können, dürften wenigstens teilweise ihre Freude an „Oblivion“ haben, da eben nicht die ganze Zeit die Klischees bedient werden. In jedem Fall wäre es Avila (und ebenso seiner Hauptband Six Magics) zu wünschen, dass ihn in Zukunft auch in Europa ein paar mehr Menschen kennen als bislang.

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