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Epitaph: Danger Man

Für die Besitzer der Originalausgabe kein Muss, für alle anderen aber durchaus kaufwürdig
Wertung: 7/10
Genre: Krautrock
Spielzeit: 42:15
Release: 30.03.2012
Label: M.i.G.-Music

Epitaph scheinen sich einen Spaß draus zu machen, die alten Krautrockklassiker wieder auf die Menschheit loszulassen. Zuletzt musste die 1974er Platte „Outside The Law“ dran glauben und wurde vor zwei Jahren ungefragt wiederbelebt, was in der The-Pit.de-Redaktion immerhin neun Punkte einbrachte. Letztes Jahr kam dann eine Rockpalast-Doppel-DVD heraus, die spannenderweise Gigs aus den Siebzigern und einen Auftritt von 2004 beinhaltete und aufzeigte, dass die mittlerweile doch sehr gereiften Herren durchaus noch rocken können.

Ende März kam nun das Re-Release von „Danger Man“, das immerhin auch schon von 1982 stammt. Da Epitaph sich erst 2001 wieder zusammengerauft haben, macht es irgendwie Sinn, die alten Platten neu herauszugeben – irgendwie fühlt man sich aber als Fan bei Re-Releases aus Prinzip ein bisschen über den Tisch gezogen. Nun handelt es sich bei „Danger Man“ aber nicht um irgendein x-beliebiges Album, sondern um das letzte Album der Truppe in Gründungsbesetzung. Sollten Fans die Originalversion aus den Achtzigern also nicht mehr erstanden haben, bietet sich jetzt eine gute Gelegenheit, zumindest die Neuveröffentlichung ins heimische CD-Schränkchen zu stellen. Und wie Epitaph nun mal so sind, ist im Booklet auch gleich die Story zum Album abgedruckt – und natürlich auch die Lyrics. Solche Kleinigkeiten rechtfertigen den Kauf der Platte allemal – zusätzlich sind noch zwei Bonustracks enthalten: das rockige, wirklich hörenswerte „Good Times“ aus dem Jahr 1983, sowie eine 2011 im Dortmunder Musiktheater Piano aufgenommene Liveversion von „Ain’t No Liar“, die sich zu einer ausgewachsenen Gitarrensolosession auswächst.

Nun muss man sich aber nicht erst durch eine 40 Jahre andauernde Bandgeschichte quälen, um sich mit „Danger Man“ in seiner Neufassung anfreunden zu können, sondern man sollte die Musik einfach auf sich wirken lassen. Der Sound wurde natürlich remastered, verfügt aber immer noch über einen leichten Old-School-Touch, der aber top zur Musik der Multikulti-Truppe (Dortmunder, Pfälzer und Briten, alles auf einem Haufen) passt.

Los geht’s mit „Long Live The Children“, das vermutlich eines der bekannteren Epitaph-Lieder sein dürfte, und sich direkt als Ohrwurm etabliert. Hier steht Gitarrist Cliff Jackson am Mikro (wie auch bei „Small Town Girl“ – bei den anderen Songs übernimmt die Rolle Bassist Bernd Kolbe), der natürlich mit seinem Muttersprachler-Englisch fette Pluspunkte einheimsen kann und überhaupt genau den richtigen abgefuckten Reibeisenton trifft. Als Opener ist der Song einfach top.

Richtiggehend melancholisch wird es dann mit „High Wire“, das mit weit flirrenden Gitarren startet und natürlich von Herrn Kolbe gesungen wird. Der Mann ist einfach nicht hundertprozentig für rockigere Nummern gemacht, da haben Epitaph das mit den zwei Sängern schon richtig gut gelöst. Gegen Ende wird natürlich wieder ein Gitarrensolo eingebaut, das den Song wunderbar enthusiastisch abschließt. „Snake Charmer“ liegt mir persönlich dann ein paar Oktaven zu hoch, deswegen muss leider die Skiptaste herhalten – kann man nichts machen, auch Epitaph dürfen sich mal im Ton vergreifen beziehungsweise können mit ihrer erstaunlich zeitlosen Musik nun mal nicht jeden ansprechen.

Mit einem sehr einprägsamen und erstaunlich modernen Gitarrenriff kann dann „Let Me Know“ überzeugen, definitiv einer der Highlighttracks der Platte, der so auch heutzutage hätte entstehen können und alles andere als altbacken klingt. Wie hier mit fast sehnsüchtigen Gitarren Flair erzeugt wird, ist wirklich die hohe Kunst des Musizierens, da kann man nichts sagen. Da weiß man dann auch, wieso Epitaph zu den besten Krautrockbands überhaupt zählen.

Für Fans, die bereits die Komplettdiskographie besitzen, ist die neue „Danger Man“ nicht unbedingt ein Muss. Wer aber die Original-CD nicht in seiner Sammlung hat, findet mit der Neuausgabe eine hübsch aufgemachte Wiederaufbereitung der alten Tracks in einem besseren Soundgewand.

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