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Epica: Omega

Abschluss einer 2014 begonnenen Albumtrilogie
Wertung: 8/10
Genre: Symphonic/Progressive Metal
Spielzeit: 70:40
Release: 26.02.2021
Label: Nuclear Blast

Eigentlich kann man jedes Epica-Review mit derselben Frage einleiten: In welche Dimensionen wollen die Niederländer noch mit ihrem Sound vorstoßen? Jedes ihrer letzten drei, vier Alben legte die Messlatte in puncto symphonischer Bombast und Komplexität ein wenig höher, jedes Mal waren die Erwartungen dementsprechend immens, doch stets vermochte das Sextett abzuliefern. „The Holographic Principle“ war nach Meinung des Verfassers allerdings der absolute Höhepunkt (und an dieser Einschätzung hat sich auch heute nichts geändert) und damit das Magnum Opus der Band.

„Wir haben unseren Sound längst gefunden“, gibt Kreativkopf, Sänger und Gitarrist Mark Jansen zu Protokoll, „doch innerhalb dieser Klangwelt gibt es eine Menge Platz für Evolution.“ Insofern schrauben Epica auf ihrem achten Studioalbum „Omega“ wiederum an den Details, so hat man beispielsweise das erste Mal in der Bandkarriere einen Kinderchor zum Einsatz gebracht, besonders gut zu hören in „The Skeleton Key“. Was ihr gewohnt aufwendiges Personal (Chöre, Orchester etc.) betrifft, hatten die Symphonic Metaller sehr viel Glück im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie – alles konnte gerade noch am letzten Tag aufgenommen werden, bevor der Lockdown verhängt wurde.

Dass der grundsätzliche Sound geblieben ist, ist natürlich klar, zumal „Omega“ den Abschluss einer mit der 2014er Platte „The Quantum Enigma“ begonnenen Albumtrilogie bildet und so auch musikalische Brücken zur Vergangenheit geschlagen werden. Deutlich erkennbar vor allem in Form des dritten „Kingdom Of Heaven“-Teils „The Antediluvian Universe“, wenngleich sich dessen Vorgänger auf „Design Your Universe“ und „The Quantum Enigma“ wiederfinden, also nicht ausschließlich innerhalb der Albumtrilogie.

Dessen ungeachtet bildet jenes Stück nicht nur wegen seiner mittig in der Tracklist platzierten Position das Herzstück des Albums. Wie seine beiden Vorgänger zeichnet es sich durch Überlänge aus und markiert eine jener Nummern, bei denen die Band ganz tief in die Zauberkiste greift und zerbrechliche Momente aggressiv peitschenden Blastbeats, schwebenden Engelsgesang mächtigen Growls und schneidende Riffs epischer Opulenz gegenüberstellt, kurz ausgedrückt also alles hineinwirft. Kompositorisch der reifste der drei verschwägerten Longtracks, muss man den 13-Minüter als Höhepunkt des Rundlings festmachen.

Auch ansonsten haben Epica ihre bekannte und höchst effektive Mischung aus gut reinlaufenden Melodien/Riffs und vertrackteren, progressiveren Sektoren, aus harten Krachern und pompösen Balladen in petto: Das Intro „Alpha – Anteludium“ ist lediglich der Vorbote für den Sturm, der durch „Abyss Of Time – Countdown To Singularity“ erstmals von der Leine gelassen wird und man ist erneut beeindruckt davon, wie die Dame und die fünf Herren es immer wieder schaffen, Eingängig- und Vielschichtigkeit so mühelos zu paaren. Vor allem mit dem an vorletzter Stelle befindlichen „Twilight Reverie – The Hypnagogic State“ ist der Truppe ein Hit gelungen.

Insbesondere mit dem mystisch-sinistren, oben bereits erwähnten „The Skeleton Key“ haben die Holländer jedoch einen richtigen Volltreffer gelandet – obergeil mit diesem düsteren Touch, der eine eindringliche Atmosphäre schafft. Am besten, so scheint es, ist die Band aber wenn sie, was sie ja sehr gerne tut, orientalische Klänge in ihren Sound einflechtet, hier geschehen in „Seal Of Solomon“ und „Code Of Life“, zwei weitere sehr starke Kompositionen, erstere eher schnell und heftig, letztere in erster Linie dank des üppigen Refrains äußerst hymnisch.

Mit „Rivers“ ist außerdem die obligatorische, ausladende Ballade enthalten, die etwas zur Ruhe kommen lässt – wunderschön vorgetragen von Simone Simons, jedoch nicht derart überragend wie „Once Upon A Nightmare“ vom Vorgänger. Doch gilt über die gesamte Distanz betrachtet, dass Epica die Klasse des fantastischen letzten Albums nicht erreichen können. „Freedom – The Wolves Within“ ist zum Beispiel, obwohl ebenfalls recht hymnisch, doch eher ziemlich penetrant und das finale „Omega – Sovereign Of The Sun Spheres“ gerade für einen Schlusstrack zu sperrig und somit ein Ende, das etwas ratlos zurücklässt. Wobei klar sein dürfte, dass man sich – bei allem Lob für das Beherrschen der Kunst, eingängiges und komplexes Material so gekonnt zu verbinden – mittels mehrerer Sessions vieles erarbeiten muss, was schon allein die erneut stattliche Spieldauer von knapp 71 Minuten impliziert.

Ohnehin ist das selbstverständlich alles Meckern auf hohem Niveau, Epica sind und bleiben ein tolles Hörerlebnis und jedes Album ist eine Entdeckungsreise – „Omega“ bildet da keine Ausnahme, wurde hervorragend produziert, arrangiert und performt (Killer-Gitarrensoli von Isaac Delahaye by the way!). In dem was sie tut, kann dieser Formation niemand das Wasser reichen – auch textlich nicht, diesmal war die antike Tabula Smaragdina Hauptinspirationsquelle.

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