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Epica: Design Your Universe

So bombastisch und komplex wie noch nie - aber auch so gut wie noch nie
Wertung: 9/10
Genre: Symphonic / Progressive / Gothic Metal
Spielzeit: 74:53 / 79:04
Release: 16.10.2009
Label: Nuclear Blast

Epica werden von Album zu Album immer bombastischer, komplexer und progressiver – schon „The Divine Conspiracy“ war eine (sehr gute) Scheibe, die mehrmaliges Hören erforderte, um durch das vielschichtige und teilweise sehr verschachtelte Material durchzusteigen. Mit dem neuen Werk „Design Your Universe“, bei dem unter anderem die „A New Age Dawns“-Serie, die auf „Consign To Oblivion“ begonnen wurde, fortgesetzt wird, setzen die HolländerInnen dem Ganzen aber noch mal einen drauf – komplexer und bombastischer geht es wohl wirklich nicht mehr. Natürlich bedeutet dies ein wenig Geduld, um mit der CD warm zu werden, zumal sie mit fast 80 Minuten genau wie der Vorgänger ziemlich lang ausgefallen ist, aber was man schon recht schnell als Attribut festhalten muss, ist: Beeindruckend.

Beeindruckend, da die Songs auf „Design Your Universe“ trotz der Gott weiß wie vielen Spuren, die den Aufnahmen zugrunde liegen, und der Komplexität dennoch nicht sperrig ausgefallen sind, wie man vielleicht vermuten könnte. Es gibt immer noch genügend Riffs, die zum sofortigen Headbangen auffordern, und Melodien mit Wiedererkennungswert.

Beeindruckend, weil hier trotz orchestraler Einschübe und Chöre keineswegs auf Härte verzichtet wird – ganz im Gegenteil, Stücke wie „Martyr Of The Free World“ oder „Semblance Of Liberty“ beweisen ganz klar, dass man im Hause Epica im Gegensatz zu Nightwish oder den Landsleuten von Within Temptation immer noch ganz genau weiß, wie man ordentlich hart rockt, ohne eben auf Pomp zu verzichten. Daran hat natürlich neben den vielen Death- und Thrash-metallischen Riffs, gelegentlichen Blastbeat-Einschüben und einer fetten Produktion, bei der immer noch deutlich Gitarren und Schlagzeug im Vordergrund stehen, auch Grunzer Mark Jansen seinen Anteil, dessen Screams und Growls wieder sehr gut passend in das Gesamtkonzept integriert wurden.

Beeindruckend, weil die Band spieltechnisch inzwischen auf einem ganz hohen Niveau angelangt ist: Im über 13-minütigen „Kingdom Of Heaven“ beispielsweise präsentieren sich Epica streckenweise so frickelig-progressiv wie noch nie. Auch Simone Simons hat sich wiederum gesteigert und singt besser und vielfältiger als je zuvor und Neuzugang Isaac Delahaye (ehemals God Dethroned) liefert mit einigen starken Gitarrensoli sogleich den Grund ab, warum man ihn ins Boot geholt hat. Als Gastmusiker hat man außerdem Sonata Arctica-Frontmann Tony Kakko engagiert, der bei „White Waters“ seinen Beitrag leistet.

Kompositorisch ist das Sextett ebenfalls stärker denn je: Von ultraharten Speed-Granaten wie den schon genannten Tracks „Martyr Of The Free World“ und „Semblance Of Liberty“ über mit gigantischen Refrains ausgestattete Midtempo-Bombast-Rocker wie dem Opener „Resign To Surrender“ oder „Unleashed“ bis hin zu einer Megaballade à la „Tides Of Time“, bei dem Simones Gesang teilweise ein wenig an Tarja Turunen erinnert (was ja wohl einiges über ihre Qualitäten als Sängerin aussagt; wer zum Teufel ist dagegen schon Anette Olzon?), ist alles vertreten. Hinzu kommt eine orientalisch angehauchte, passagenweise ordentlich groovende, aber ebenso mit einem hymnenhaften Chorus aufwartende Nummer des Kalibers „Burn To A Cinder“ sowie die zwei überlangen, facettenreichen Epen „Kingdom Of Heaven“ (hier ziehen Epica wirklich alle Register ihres Könnens und zelebrieren neben den erwähnten Frickelparts alles von harten bis zu ruhigen Passagen) und „Design Your Universe“; es regiert Abwechslungsreichtum durch und durch. 

Gerade „Tides Of Time“ mag sicherlich ziemlich pathetisch und einigermaßen kitschig sein, aber mal ehrlich: Kitschige Momente gehören bei dieser Combo irgendwie dazu und im Falle von Epica sind die so charmant zwischen die todesmetallischen Parts eingebettet, dass es halt irgendwie passt. Und so oder so sind Epica in der Sparte des „Beauty and Beast“-Konzepts immer noch die klar beste und härteste Band. Punkt. Trotzdem ist klar, dass man die Musik von Jansen, Simons und Co. nur lieben oder hassen kann, keine Frage.

„Design Your Universe“, dessen Titel dafür steht, dass man seine Chancen sehen und ergreifen und versuchen sollte, seine Träume wahr werden zu lassen, stellt jedenfalls das bisherige Highlight in der Karriere Epicas dar. Ganz stark, wie hier Orchester-Elemente, Chöre und Metalriffs unter einen Hut gebracht wurden. Das mögen schon viele gemacht haben, aber wenigen ist es wirklich gelungen. Epica gehören zu den wenigen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann