Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Envy Of None: Envy Of None

Kein Rush 2.0
Wertung: 8/10
Genre: Alternative/Synth Rock
Spielzeit: 41:46
Release: 08.04.2022
Label: KScope

Am 7. Januar 2020, also bereits kurz bevor die Corona-Pandemie die Welt in ihren Klauen hielt, verstarb Rush-Schlagzeuger und -Texter Neil Peart, nachdem sich die kanadischen Prog-Rock-Titanen zwei Jahre zuvor offiziell aufgelöst hatten. Schon während dieser Zeit hatte Gitarrist Alex Lifeson zu Protokoll gegeben, dass er eifrig dabei sei, neue Musik zu komponieren, angeblich sogar „für vier oder fünf kleine Projekte“. Bei einem jener Projekte handelt es sich augenscheinlich um die neue Band Envy Of None, bei der neben Lifeson noch Bassist Andy Curran (u.a. Coney Hatch, denen für eine kurze Zeit auch mal Dream Theater-Frontmann James LaBrie angehörte), Gitarrist Alfio Annibalini und die noch junge musikalische Hoffnungsträgerin Maiah Wynne zum Line-Up gehören.

Natürlich zieht der Name Alex Lifeson, für meine Begriffe einer der unterschätztesten Gitarristen überhaupt, doch Rush-Fans sollten kein Album im Stile des über 40 Jahre existierenden Powertrios erwarten. Andererseits haben Rush im Laufe ihrer Karriere viel herumexperimentiert (gerade in den Achtzigern hat man ja viel mit Keyboards und Synthesizern gearbeitet), sodass einige Passagen dann schon ein bisschen derartige Vibes versprühen. Eventuelle Scheuklappen sollte man vor dem Konsum des Envy Of None-Debüts aber definitiv ablegen. Das Album enthält Synthwave- und Synthrock-Elemente; nicht von ungefähr werden im Promoschreiben auch explizit Gruppen wie Depeche Mode oder Nine Inch Nails als Vergleich herangezogen.

Das eröffnende, sehr starke, mit straightem Beat marschierende  „Never Said I Love You“ wartet mit einem recht rockigen Groove auf, bereits hier sind jedoch ziemlich viele elektronische Spielereien zu hören, während die charmante Miss Wynne mit ihrer unheimlich ätherischen, weichen Stimme einen großen Teil zu Individualität und Atmosphäre des Songs beiträgt. Der Refrain ist überdies recht eingängig – fast wundert es einen, dass EON nicht dieses Stück als erste Single ausgekoppelt haben, sondern diesbezüglich „Liar“ und „Look Inside“ den Vorzug gaben.

Gerade letztgenanntes ist einer der experimentelleren Tracks, der ein wenig wie eine Mischung aus Gary Numan und Type O Negative mit weiblichem Gesang tönt. Maiah säuselt geradezu in entrückten Sphären, während dazu ein prominent eingesetzter Synthiebass wabert und Keyboards und Gitarren eine dichte, Ambient-artige Atmosphäre kreieren. Für manchen sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie cool und schon exzentrisch, so was als Single zu veröffentlichen. Was dann wiederum zu Alex Lifeson und dieser Band passt. Auch „Liar“ kommt sehr elektronisch daher, wieder wirkt das Ganze entrückt und Ambient-artig, dennoch hat die Nummer mehr Drive und somit mehr „Mainstream“-Potenzial. Exklusiv an ein Prog-Rock-Publikum ist aber auch dieser Song zweifellos nicht gerichtet.

Während „Old Strings“ dann mit singenden Gitarren und balladeskem Charakter betört, klingt „Enemy“ deutlich düsterer, der Song beschwört eine dystopische Science-Fiction-Stimmung herauf, die harschen Gitarren und die eigentümlichen Synthies stehen in einem effektiven Kontrast zu Maiahs schmeichelnden Vocals. Auch „Shadow“ ist düster geraten, wirkt aber eher melancholisch als unheilvoll.

Recht exotisch mutet ebenso „Kabul Blues“ an, ein kurioser Mix aus Elektronik, orientalischem Einschlag und dem Titel gemäß bluesiger Struktur, der aber trotzdem funktioniert. Abgeschlossen wird die Scheibe mit dem hübschen Instrumental „Western Sunset“ mit Akustikgitarren, Besenschlagzeug und Keyboard-Soundscapes, das Lifeson in Gedenken an den langjährigen Freund und Bandkollegen Neil Peart schrieb – eine schöne Geste.

Man muss sich – vor allem wenn man die Platte als Rush-Fan einlegt und vielleicht andere Erwartungen hatte – wie angedeutet in „Envy Of None“ sicherlich reinhören, aber interessant und in sich stimmig ist das Album allemal. „Spy House“ ist der einzige Song, bei dem man tatsächlich mal ein Gitarrensolo hört, das ganz unverkennbar nach Alex Lifeson klingt, aber man sollte ohnehin nicht den Fehler begehen und die Band ausschließlich auf sein bekanntestes Mitglied reduzieren, nach dem Motto: „Das ist die neue Band des Rush-Gitarristen“, dies wäre garantiert auch nicht in seinem Sinne. Gerade die noch junge und äußerst begabte Maiah Wynne könnte eine große Karriere vor sich haben.

comments powered by Disqus

Wolken mit Gesichtern oder Jesus auf einem Pfannkuchen

Hinzu kommen Borknagar, Wolfheart und Hinayana

Neues Album und Tour im nächsten Jahr

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna