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Enter Shikari: Common Dreads

Party mit Tiefgang
Wertung: 8.5/10
Genre: Post-Hardcore/Electro
Spielzeit: 50:27
Release: 12.06.2009
Label: Warner Records

Mit ihrem Erstling „Take To The Skies“ konnten die Briten Enter Shikari weltweit beachtliche Erfolge erzielen und mit einer funktionierenden Synthese aus Hardcore, Metal und diversen elektronischen Einflüssen überraschen. „Common Dreads“ ist der Titel des mit Spannung erwarteten Nachfolgers, der den Stil der Band zwar weiterführt, aber auch einige Änderungen mit sich bringt.

Schon bei den Texten wurde dieses Mal eine neue Herangehensweise gewählt: Obwohl „Common Dreads“ ebenso politisch wie sein Vorgänger ist (wenn nicht noch mehr), wurden die verwirrenden Metaphern des Debuts deutlich entschärft und des Öfteren durch eindeutigere Textzeilen ersetzt. Trotzdem lassen sich die kryptischen Umschreibungen noch häufig finden, denn einfach gestrickt sind die Texte der Band nach wie vor nicht. Dies steht in krassem Gegensatz zu dem Eindruck, den Enter Shikari bei vielen Musikkonsumenten zu erwecken scheinen: Eine reine Trend-Band ohne jegliche Substanz? Weit gefehlt, denn das Quartett aus St. Albans versteht sich sehr gut darauf, ungewöhnliche Melodieführungen und interessante Songstrukturen zu verwenden, ohne dabei einen hohen Party-Faktor auszuschließen.

Nach wie vor treffen Techno-Synths auf harte Metal- oder Hardcore-Riffs, wobei gelegentlich auch einmal die Elektronik die Führung übernimmt. Dank vieler spaßiger Songideen funktioniert diese Mischung überraschend gut und wirkt niemals aufgesetzt oder gezwungen. Auch wenn die Härte insgesamt ein wenig heruntergeschraubt wurde befinden sich immer noch einige Songs im Stil des Erstlings auf dem Album. Größere Veränderungen hingegen hat der Gesang des Frontmanns Rou Reynolds erfahren: Zuerst fällt auf, dass dieser seinen sympathischen britischen Akzent nicht mehr versteckt – ein sehr positiv zu bewertender Schritt, denn so kann man sich gut von der riesigen Masse an amerikanischen Post-Hardcore-Bands abheben.

Ein Schritt, der nicht jedem Fan der Band gefallen dürfte, ist, dass Rou seine Screams nur noch selten einsetzt und oftmals auch nicht auf seine gewohnte Technik zurückgreift, sondern ohne Verzerrung ins Mikrophon brüllt, so dass es mehr nach aggressivem Gesang als nach Screaming klingt. Der übliche Klargesang und die Gangshouts, die seit jeher ein Markenzeichen Enter Shikaris sind, bleiben weitgehend erhalten – eine Neuerung hingegen ist, dass auf „Common Dreads“ eine Menge gesprochene Passagen zu finden sind, die sich aber gut in das Konzept, zur Vereinigung gegen die „gemeinsamen Schrecken“ aufzurufen, einfügen.

Schon beim Intro „Common Dreads“, in dem in vielen Sprachen der Satz „Wir müssen uns vereinigen“ aufgesagt wird, kauft man Rou den Revolutionsführer ab. Bei den ersten beiden eigentlichen Tracks „Solidarity“ und „Step Up“ könnte man noch denken, alles wäre beim Alten geblieben, denn beide Songs greifen auf die altbewährte Formel zurück und enthalten auch noch reichlich Screams und harte Gitarren. Schon mit dem folgenden Stück „Juggernauts“, das gleichzeitig auch die erste Single des neuen Albums darstellt, ändert sich das dann aber grundlegend: Die Gitarren klingen eher rockig und der einprägsame Chorus besitzt eine poppige Eingängigkeit – und vielleicht gerade deswegen gehört der Song zu den besten der Platte. Auch mit „Wall“ beschreitet man einen ruhigeren Weg, der Song ist aber ebenso wie „Gap In The Fence“ ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mit ausgefeiltem Songwriting Spannung erzeugt.

Wirklich chaotisch wird es dann mit Tracks wie „Zzzonked“ oder „The Jester“: Bei Erstem hämmert die Elektronik ebenso hart wie die Gitarren, während sich Rou die Seele aus dem Leib brüllt und bei „The Jester“ gehen gar jazzige Passagen in Jumpstyle-Rythmen über. Mit „No Sleep Tonight“ gibt es noch einen weiteren Song in der Tradition von „Juggernauts“, doch dank dem etwas zu penetranten Refrain ist dieser eher Geschmackssache. Ein wenig Stoff für die alten Fans gibt es dann noch mit den aufeinander aufbauenden sehr kurzen, aber heftigen Tracks „Havoc A“ und „Havoc B“ sowie den klassischen Enter Shikari-Party-Songs „Antwerpen“ und „Hectic“.

Auch mit „Common Dreads“ haben Enter Shikari ein weiteres innovatives und ausgeklügeltes Album kreiert, das auf seine Weise genauso stark wie der Vorgänger ist. Obwohl die Briten ihren Sound verändert haben und scheinbar ruhiger geworden sind, sollte jeder, der ohne Vorurteile an dieses Album herangeht, erkennen, dass dies nicht zu Lasten des Songwritings geschehen ist. So bleibt zu sagen, dass Enter Shikari der Ruhm keineswegs zu Kopf gestiegen ist – man kann also noch einiges erwarten.

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