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Enslaved: Vertebrae

Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Black Metal
Spielzeit: 49:24
Release: 26.09.2008
Label: Indie Recordings

Durchschnittlich 33 Wirbelkörper hat der Mensch. Wie bei allen Wirbeltieren bilden sie die zentrale Achse des Körpers, die Wirbelsäule. Auf der einen Seite trägt sie die Last von Kopf, Hals, Rumpf und Armen, andererseits ermöglicht sie durch das Zusammenspiel der Wirbel die Bewegung in alle Richtungen. Und siehe da: Hier haben wir die Überleitung zum eigentlich Thema.

Denn auch „Vertebrae“, die neue Platte von Enslaved, passt gut in dieses Konstrukt. Wer hier viel Neues erwartet, liegt erst einmal falsch. Wie Wirbel (deutsche Übersetzung von „Vertebrae“) Teil der Wirbelsäule sind, fügt sich auch die mittlerweile zehnte CD der Norweger nahtlos in ihr Gesamtschaffen ein – als logische Weiterentwicklung von Alben wie „Isa“ und „Ruun“. Gleichzeitig lässt sie die metaphorische Bewegungsfähigkeit in alle Richtungen insofern zu, als dass die extremen Metal-Anleihen noch etwas weiter zurückgeschraubt wurden. Dadurch haben sich die Fünf erneut Türen aufgeschlossen, durch die sie in Zukunft schon einmal einen Blick in weitere musikalische Gefilde werfen können. Denn mit Musik, wie noch in den 90ern von selbiger Band gespielt, lässt sich bekanntlich nicht alles kombinieren, mit der aus dem Jahre 2008 allerdings schon. Und auf bereits Dagewesenes scheinen Enslaved noch nie viel Lust gehabt zu haben.

Um aber im Jahr 2008 zu bleiben: Wer „Ruun“ mochte, wird sicherlich auch „Vertebrae“ mögen. Wer jedoch schon vor zwei Jahren die raueren Seiten einer „Isa“-Platte vermisste, wird sich mit der neuen CD noch weniger anfreunden können.

Zwar stellt Grutle Kjellson sein Organ keifend wie eh und je unter Beweis, doch zeichnen sich in der Gesangsaufteilung Verschiebungen ab. Keyboarder Herbrand Larsen greift öfter zum Mikro als beim Vorgänger und Kjellson bedient als Konsequenz davon häufiger gesanglos seinen Tieftöner. Auch das Tempo hat sich etwas geändert: Vieles wirkt langsamer. Zwar greifen die Grammy-Gewinner – wie beispielsweise im für „Vertebrae“ recht aggressiven Song „Coast“ - immer mal wieder auf ihre eigenen Wurzeln zurück, doch im Grunde sind sie musikalisch bereits ganz woanders angekommen. Wo genau, das lässt sich nicht so leicht sagen, denn dafür ist der Sound der Ausnahmeband einfach zu eigenständig. Würde man die einzelnen Einflüsse aufzählen wollen, dürften jedoch auf keinen Fall Referenzbands wie Pink Floyd und Rush fehlen. Doch auch zeitgemäße Bands wie z.B. Tool lassen sich irgendwo wiederfinden. Melancholie stößt auf progressive Rockmusik und schwarzmetallische Einflüsse - und klingt einfach großartig.

„Clouds“, der Opener der Scheibe, ist wohl einer der eingängigsten und schönsten Tracks, die Enslaved je geschrieben haben. Diese Eingängigkeit, die auch in weiteren Titeln häufiger als bei den Vorgänger-Alben zu finden ist, wird stets durch die progressiven Einschläge gedämpft. „Ground“ ist ebenso eine Nummer, die wunderbar sphärisch daherkommt. Wie auf der kompletten Scheibe ist das Maß der Komplexität der Songs auch in diesem absolut ausbalanciert, wenn auch höher als noch bei „Ruun“. Enslaved haben das richtige Gleichgewicht gefunden, das den Hörer weder überfordert, noch langweilt. Ausgedehnte progressiv-selbstverliebte Frickelausbrüche an den Lead-Instrumenten sind jedoch – Gott sei Dank – weiterhin kein Bestandteil der Musik.

In all der Melancholie erinnert „New Dawn“ an schwarzmetallische Zeiten, während „Reflection“ sich angenehm rockig präsentiert. „Center“ ist ein eher schleppender Song und „The Watcher“ kommt als epischer, mehr als würdiger Abschluss einer absolut grandiosen CD der Norweger daher.

Enslaved bedienten sich in ihrer Laufzeit schon vieler verschiedener Stile und Einflüsse. Einzigartig macht das Quintett vor allem die Tatsache, dass jedes neue Element kein bisschen gekünstelt oder deplatziert wirkt – fast als könnte sich die Band jedes Genre zu eigen machen.
Und ja: Tatsächlich sind die Black Metal-Wurzeln oft nur noch zu erahnen. Tatsächlich verzichtet die Band komplett auf Blastbeats. Tatsächlich kommen Enslaved zahmer daher als je zuvor. Und ja, natürlich beeinträchtigt auch der hohe Clean-Vocals-Anteil die restliche Aggressivität. Aber wenn trotz allem ein Album dieser Klasse dabei herauskommt, sollte uns das sowas von egal sein.

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