Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ensiferum: Victory Songs

Fans können bedenkenlos zugreifen
Wertung: 8/10
Genre: Death Viking Pagan Folk Metal
Spielzeit: 50:00
Release: 27.04.2007
Label: Drakkar Records

Meine Güte. Ich mühe mich bei Ensiferum-Alben immer richtig ab. Keine Ahnung, wieso. Puzzle ich deren Sound auseinander, gefallen mir die Zutaten wirklich mehr als gut. Doch zusammengewürfelt wie bei Ensiferum zündet das bei mir irgendwie nicht richtig. So manchen Moment denke ich, dass mir da einfach zu viel Power Metal/Heavy Metal mit bei ist. Sicherlich ist das Geschmackssache. Meiner jedoch nicht.

Aber trotzdem will ich hier nicht eine wirklich gute Band und deren neues Machwerk zerreißen. Das hat das Album „Victory Songs“ beim besten Willen nicht verdient. Also Kopfhörer auf, die Augen geschlossen und hinein ins Schlachtgetümmel. Denn genau das hat man zum Teil vor Augen, wenn sich die neuen Schlachthymnen von Ensiferum den Weg über die Ohrmuschel Richtung Hirn bewegen. Melodischer Death Metal trifft auf besagten Power Metal/Heavy Metal und paart sich nebenbei mit Pagan und Folk. Hier und da noch ein paar altertümliche Instrumente dazugegeben (Dudelsack, Schlüsselharfe, finnische Kantele) und das Ganze mit einem Schuss Children Of Bodom umgerührt. Dass dabei der Gesang zwischen Black Metal und kräftigem Power Metal hin und her pendelt, sollte ich der Vollständigkeit halber noch erwähnen, denke ich. So gerüstet reitet die kampfeslustige Horde durch neun starke Songs, wobei der erste ein einleitendes Intro darstellt. 

Wohin allzu starker DVD-Genuss führt, haben die Finnen bereits in ein paar Interviews verlauten lassen. Denn das Intro „Ad Victoriam“ klingt wie Basil Poledouri´s Filmmusik zu „Conan der Barbar“ (Filmklassiker mit Gouverneur Arnie Schwarzenegger). Den Schinken haben sie sich bei der Recording Session der Legende nach ein paar mal einverleibt. Aber egal. Ist jedenfalls ein würdiger Beginn. 

Das folgende „Blood Is The Price Of Glory“ spinnt von der Melodie her den Faden des Intros weiter, knallt im Gegensatz dazu jedoch gleich mächtig nach vorne los. Fette Melodien, peitschende Riffs, ein mit Akustikgitarren eingeleiteter Mittelteil und kehliger Gesang. Fertig ist die erste Duftmarke. Für Ensiferum-Verhältnisse finde ich den Song ein wenig schwach, kann 90% aller Konkurrenzbands aber locker abhängen. Da hat „Deathbringer From The Sky“ schon ganz anderes Format. Die Riffs klingen nicht wie tausendmal gehört und irgendwie wirkt das Teil nicht angegammelt, sondern voll frischer Ideen. Ein Männerchor, punktgenaue Breaks und ein wirklich starker Refrain runden den absolut positiven Eindruck gekonnt ab. Highlight. Da gibt es nichts dran zu rütteln. 

So pendelt das „Victory Songs“-Schiff im weiteren Verlauf immer zwischen frischen Ideen und Altbackenem hin und her. Nichts, was mich wirklich zu Jubelschreien animieren könnte, mich jedoch auch nicht kalt lässt. Mit „Wanderer“ schleicht sich jedoch glücklicherweise wieder ein Highlight in die Reihenfolge. Nach einem verhaltenen Beginn schiebt sich die Todeswalze fett und behäbig (für Ensiferum-Verhältnisse) auf das Schlachtfeld. Durch den cleanen Gesang erinnert mich das Ganze an Amorphis zu „Tales…“-Zeiten (ach ja, watt liebe ich diese Scheibe). Diese Dynamik zwischen Zerbrechlichkeit und rollender Wut wird im ganzen Song beibehalten und macht ihn mit zum vielseitigsten Track der ganzen Platte. 

Nach zwei Mal Hausmannskost wird es dann episch. Knapp 11 Minuten packen Ensiferum all die Melancholie aus, die sich während der gesamten Bandgeschichte angesammelt hat. Das Teil könnt ihr nicht mal schnell im Auto genießen, glaubt mir. Hier muss wirklich der Kopfhörer und ne gute Pulle Rotwein her. Keine Angst, die Finnen mutieren nicht Richtung Type O Negative und Konsorten. Die typischen Trademarks sind schon noch erkennbar. Nur intelligent und außergewöhnlich verpackt. Ich find es klasse. Und wenn nach 11 Minuten noch keine Langeweile aufkommt…was will man mehr? Das bringen doch sonst nur Opeth zustande.

So bescheinige ich Ensiferum, dass sie ein überzeugendes Album vorgelegt haben, dass seine Highlights beinhaltet, jedoch auch viel Bekanntes und Vorhersehbares bereithält. Soundtechnisch bleibt alles beim Alten, d.h. alles ausgewogen und gekonnt, jedoch wie immer einen Tick zu klinisch für meinen Geschmack. Die Natürlichkeit bleibt da immer etwas auf der Strecke. Doch das ist meiner Meinung nach schon seit dem ersten Album der Finnen so. 

Mein Fazit: Fans können bedenkenlos zugreifen, da gibt es nichts zu rütteln. Wer über den Power Metal/Heavy Metal-Tellerrand hinausblicken will oder kann, ist mit Ensiferum als Einstieg auch sehr gut beraten. Jünger des Pagan Metal, Folk Metal oder auch des Viking Metal sollten lieber vorher ein Ohr riskieren. In diesem speziellen Genres gibt es Geileres.

comments powered by Disqus

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“