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Ensiferum: From Afar

Toivonen will es wissen
Wertung: 8/10
Genre: Viking Metal
Spielzeit: 56:40
Release: 11.09.2009
Label: Drakkar Records

Dass Ensiferum niemandem mehr etwas beweisen müssen, ist inzwischen wohl jedem Hobbywikinger und Pagan-Liebhaber hinreichend bekannt. Dennoch können Markus Toivonen und seine Mannen es nicht lassen, sich einmal mehr selbst zu übertrumpfen. Die neun Schlachthymnen von „From Afar“ klingen, ungeachtet ihrer tatsächlichen Qualität, als sei das Konzept der Band gewesen, überall noch einen draufzusetzen – und zwar um jeden Preis.

Wie sonst ist zu erklären, dass der Opener „From Afar“ pompöser, „Heathen Throne“ abwechslungsreicher, „Stone Cold Metal“ ungewöhnlicher, gleich zwei Tracks länger und das Album als Ganzes detailverliebter und experimenteller als alles ist, was man bisher vom schwertschwingenden Fünfgespann kannte? Ohne Zweifel ist die Scheibe nicht zwischen Tür und Angel entstanden, eine solche Fülle kommt nicht von ungefähr: Typisches Ensiferum-Highspeed-Gebolze trifft auf orchestrale Elemente, stampfende Riffs auf erhabene Chöre und wahnwitzige Leads auf abgedrehte Experimentierfreude.

„Stone Cold Metal“ etwa wartet mit einem genialen, etwa zweiminütigen Western-Lounge-Part, vorgetragen mit Klavier, Mandoline und Pfeif-Melodie, auf. Der Frauenchor steht dem Heavy Metal-Knaller „Twilight Tavern“ mindestens genauso gut wie die Hammond-Orgel und „From Afar“ hätte wohl keine Probleme, mit all dem Bombast einem wütenden Wikingeraufmarsch die Helme vom Kopf zu fegen. Gleichzeitig übernehmen symphonische Elemente, von denen gerade der zweiteilige „Heathen Thonre“-Epos lebt, immer wieder die Lead-Funktion.

Mastermind Markus Toivonen sagte einmal, dass er absolut keine Probleme damit habe, einprägsame Melodien zu Papier zu bringen. Zwar ist das 2009 noch immer so, im direkten Vergleich zu den Vorgängern sind Abstriche aber doch als erstes hier zu machen: Wenige der unzähligen Hooks bleiben so gut hängen wie noch bei „Victory Songs“ und seinen Vorgängern. Fast scheint es, als hätte man sie des Öfteren gegen orchestrale Spielereien eingetauscht. Nicht selten vermisst man in dieser Hinsicht die noch einfache und vergleichsweise rohe Arschtritt-Attitüde von Songs eines „Iron“-Albums oder natürlich des Debüts. Die Ursprünge scheinen zu Gunsten der Erforschung neuer Möglichkeiten etwas vernachlässigt worden zu sein.

„From Afar“ zündet auf einer anderen Ebene. Der Titelsong etwa ist trotzdem eine Hightspeed-Schlachthymne wie sie im Buche steht und hebt Ensiferum gleichzeitig auch aus kompositorischer Sicht betrachtet in neue Sphären – solche Harmonien servierten uns die Fünf bisher noch nie. Nebenbei sorgt Parviainen durch den irrwitzigen Doublebasseinsatz in den schnellsten Passagen des Albums für einen wohlig-kribbelnden Schauer und Hinkkas Bassspiel liegt ohnehin jenseits von Gut und Böse.

Stillstand ist der Tod, denn wer will schon immer dasselbe hören? Dennoch wird der ein oder andere Freund früherer Alben beim Hören des 2009er-Werks nicht sofort in Jubelstürme ausbrechen. Auch „From Afar“ bündelt jede Menge geniale Momente, die Ensiferum noch immer nicht nur im Pagan Metal zu einer einzigartigen Band machen, gewöhnungsbedürftig ist das neue Material aber dennoch.

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