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Engst: Flächenbrand

Pop-Rock kann eben auch ohne peinliche Momente auskommen
Wertung: 7,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 38:46
Release: 26.10.2018
Label: Arising Empire

Engst, oder besser gesagt deren Frontmann Matthias, beschritten einen heutzutage gar nicht mehr so ungewöhnlichen Weg: Musik machen, um sich dann irgendwann bei einer Casting-Show vorzustellen und darauf zu warten, dass man zügig wieder vergessen wird. Etwas anders lief es in diesem Fall dann allerdings schon, immerhin wurde der angebotene Plattenvertrag ausgeschlagen und sich wieder ein Stück zurückbesonnen.

Mittlerweile sind die vier Herren bei Arising Empire untergekommen, was insofern schon mal etwas erstaunt, da besagtes Label eigentlich für Veröffentlichungen der härteren Gangart bekannt ist. Aber genau diese legen die Berliner auf ihrem Debütalbum „Flächenbrand“ nicht wirklich an den Tag. Selbst wenn man sich die musikalischen Schubladen weit geöffnet hält, möchte man den Vierer stilistisch eher in Richtung Rock mit Popelementen schieben. Wer die Band allerdings schon einmal live erleben konnte, wird schnell bemerkt haben, dass man sich nicht in die typische Riege an Pop-Rock-Bands einreiht, vielmehr erlebt man eine Punk-basierende Version dessen.

Am augenscheinlichsten spiegelt sich dies wohl in der Thematik der Songs wider, selbst wenn auch hier Beziehungskisten wie „Der Moment“ an den Start gehen. Allerdings fühlt man sich deutlich weniger unangenehm berührt und fremdschämen ist auch Fehlanzeige. Rührige Herz-Schmerz-Textereien bleiben dem Hörer also glücklicherweise komplett erspart und beim Eintauchen in den Alltag lassen es Engst lieber etwas mehr krachen. So driftet „Eskalieren“ zum Beispiel schon in Richtung Punk-Rock ab, wobei die ultimative Eskalation letztendlich doch ausbleibt.

In „Ein Sommer in den Charts“ gibt es eine kleine Abrechnung mit der Musikindustrie und der Kurzlebigkeit, hier kann man gar ein stimmliches Aufbegehren ausmachen, was den restlichen Stücken leider etwas fehlt. Denn so gut und kraftvoll die Stimme vom Frontmann auch sein mag, an deren Emotionalität kann gerne noch etwas gearbeitet werden. Beim nachfolgenden „Der König“ wird das Thema weiter aufgegriffen, zudem wird hier auf Bläser gesetzt, was dem Titel noch einen ordentlichen Groove verschafft.

Ansonsten schauen die Berliner mit teils strengem Blick auf ihre Umwelt und lassen doch einiges an Sozialkritik mit einfließen. Da hält man gleich anfangs in „Optimisten“, zu dem es übrigens ein gelungenes Video gibt, der Gesellschaft den Spiegel vor. Und neben „Morgen geht die Welt unter“, was sich wiederum als gute Ergänzung zu „Optimisten“ anbietet, können Engst noch das überzeugende „Fremdes Elend“ beisteuern. Nicht nur, dass der Titel ordentlich rockt, man hat tatsächlich das Gefühl, dass es sich auch um einen der emotionalsten Momente des Albums handelt.

Mit „Ist mir egal“ und dem abschließenden „Träumer & Helden“ gesellen sich noch zwei ruhige Titel mit auf „Flächenbrand“, die schließlich das Album gut abrunden. Ob man mit den elf Songs nun tatsächlich einen Flächenbrand auslöst, möchte man doch etwas bezweifeln. Aber immerhin hat man hier ein Album stehen, welches authentisch wirkt, viel Kraft in sich birgt und ohne Plattitüden auskommt. Freunde von Rockmusik mit gelegentlichen Pop-Anleihen werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen und für kommende Live-Shows hat man hiermit eine sehr gute Basis geschaffen.

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