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Engrained: Deep Rooted

Der Alkohol treibt’s rein…
Wertung: 5.5/10
Genre: Punk'n'Roll
Spielzeit: 35:01
Release: 19.11.2010
Label: Steamhammer/SPV

Punkrock ist ein zweischneidiges Schwert. Darauf muss man Bock haben, sonst kann man’s gleich sein lassen. Das Anhören, meine ich. Am frühen Morgen entlocken die niedersächsischen Punk’n’Roller Engrained der Rezensentin wenig mehr als ein müdes Schmunzeln und den Wunsch nach einem Irish Coffe mit viel Schuss. Denn, seien wir ehrlich, Punkrock funktioniert nun mal nur mit Alkohol richtig gut. Da hilft es wenig, dass das Quartett ursprünglich dem Hardcore zuzuordnen war, bis sich immer mehr Punk und Rock’n’Roll eingeschlichen hat.

Eine Woche später, mit halbwegs vollem Magen und partiell ausgeschlafen, sieht die Welt schon ein bisschen besser aus. Klar vollbringen Drummer Gonkel, die beiden Gitarristen Carlos und Schorse und Bassist beziehungsweise Sänger Fenne noch immer keine musikalischen Höchstleistungen, aber ein Mitwippen kann man sich nun doch nicht ganz verkneifen. Das beweist mal wieder: Es gibt für jede Musik den richtigen Augenblick, solange es nicht früh am Morgen ist. Von Hardcore ist abgesehen von gelegentlichen Drumparts nur noch wenig zu spüren, dafür rotzt sich Fenne munter in bester Punkmanier durch die Songs des ersten Studioalbums „Deep Rooted“. Ein bisschen erinnert er da, zumindest beim ersten richtigen Song nach dem Intro, „Dead Man’s Hand“, an den guten alten Johnny Rotten, nur mit besserer Aussprache. Liegt vermutlich daran, dass der gute Fenne höchstwahrscheinlich noch alle Zähne hat.

Von Dentalhygiene zurück zur Musik und eines muss man Engrained hier lassen: Sie haben einen gewissen Wiedererkennungswert, und wenn der nur aufgrund der leicht pöbelnden Stimme besteht, die ein wenig an Frei.Wild und – ausgerechnet – die älteren Böhsen Onkelz erinnert. Tatsächlich sind die Anspieltipps auf der Scheibe recht spärlich gesät, aus dem einfachen Grund, da die meistens Songs zwar solide heruntergezockt werden, aber der Hörer nur selten wirklich aufhorchen muss. Engrained sind zum Saufen da, zum Pogen, zum Spaß haben, da ist wenig Platz für Tiefgang. Ein Titel wie „Holiday Prostitute“ ist da ein perfektes Beispiel. Wundert mich übrigens, dass sie den Song nicht „Holiday Whore“ getauft haben, das wäre zumindest akustisch eine schöne Alliteration geworden. Freundinnen machen sie sich mit dem Stück aber sicherlich trotzdem eher wenige.

Das Witzige an „Deep Rooted“ ist, dass man die Scheibe nach dem vierten oder fünften Durchlauf fast auswendig kann. Trotzdem freut man sich jedes Mal wieder wie blöd über den leicht suizidalen Touch bei „See Me Running“, das ein bisschen wie eine düster-verrockte Version des eigentlich Punksrocks klingt, und gerade dadurch und durch die verrauchte Stimme zu einem der Höhepunkte der Scheibe wird. Eher gewöhnlich startet „Say Yes, Mean No“, das sich aber im Refrain zu einer wahren Hymne steigert und sich trotz des angestrengt wirkenden Gesangs zu einem echten Ohrwurm mausert.

Übrigens gibt es hier auch einige schöne Klischees zu bewundern: „Sweet Vampire Girl“ zum Beispiel. Allein der Name lässt mich schon verzweifelt nach dem Skip-Knopf tasten, aber der Song ist auch ohne Titel nicht unbedingt  grandios zu nennen. Auch „You’re The One For Me“ zielt nach meinem Geschmack ein bisschen zu sehr in die „Wir spielen drei Akkorde und grölen ein bisschen“-Ecke, aber sowas muss es ja für Menschen mit einträglichem Alkoholkonsum auch geben.

Wider Erwarten ist der Track „Music Of The Night“ dann ein ähnlich ohrwurmiges Stück wie „Say Yes, Mean No“, hat aber im Gegensatz dazu einen ganz merkwürdig sehnsüchten Touch, der dazu führt, dass man den Song noch Stunden später im Kopf hat. Wenn es auf „Deep Rooted“ doch bloß mehr solche Stücke geben würde… aber man kann ja nicht alles haben im Leben. „Rules Of Time“ plätschert beziehungsweise scheppert dann recht unspektakulär an einem vorbei, bevor mit dem Rausschmeißer „For All...“ doch tatsächlich eine Ballade aus dem Ärmel geschüttelt wird. Die Intro-Gitarre lässt sich auch noch wirklich schön an, aber Fennes Stimme passt so gar nicht zur Stimmung des Songs. Zu angestrengt klingt er, zu wenig authentisch – Schuster, bleib da deinen Leisten, bleib beim Punkrock.

Fazit: Engrained sind eine Band, die man zu vorgerückter Stunde vorbehaltlos für jede Party empfehlen kann, die im nüchternen Zustand aber eher mittelmäßig daherkommen. Vielleicht ist der Punk’n’Roll der Jungs auch zu sehr Geschmackssache, aber ich kann hier nur eine mittlere Punktzahl geben – proportional steigend mit der Menge an konsumiertem Gerstensaft.

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