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Engelsstaub: Ignis Fatuus: Irrlichter

Größtenteils schöne Instrumentals, aber grauenvoller Gesang
Wertung: 4/10
Genre: Dark Wave, Gothic, Ambient
Spielzeit: 44:02
Release: 22.01.2010
Label: Apollyon/Musique Indépendante Noire

Dass „Engelsstaub“ eigentlich der Szene-Name für die Partydroge PCP ist, soll uns an dieser Stelle nur peripher interessieren, aber dennoch im Hinterkopf behalten werden. Hier ließen sich nun zur gleichnamigen Band viele schöne Assoziationen knüpfen, im Sinne von „die Musik wirkt wie eine Droge“ oder ähnliches. Leider ist es in diesem Fall so, dass die neue Veröffentlichung des Trios eher so klingt, wie man sich nach einem verdrogten Abend vermutlich fühlt: bescheiden, alles nervt und kleinste Geräusche verursachen höllische Kopfschmerzen.

Eigentlich ist die Platte damit auch schon beschrieben, aber so einfach machen wir es uns hier ja auch nicht. Die aktuelle Veröffentlichung des Kasseler Trios ist ein Re-Release des „Ignis Fatuus/Irrlichter“-Albums von 1994 – nach einer produktionstechnischen Generalüberholung und dem Zusatz eines neuen Songs darf die Scheibe nun in diesem Jahr erneut auf die Hörerschar losgelassen werden. Das gute Stück wird wie alle vorherigen Engelsstaub-Releases über das Label von Gitarrist und Sänger Mark Hofmann herausgebracht; gegründet hat er die Band bereits 1992, bald darauf stießen seine Schwester Silke (zuständig für Bass und Gesang) und der gebürtige Pole Janusz Zaremba (Gitarre und Gesang) dazu und komplettierten das Projekt.

Nach fünf Alben (das Re-Release der „Anderswelt“-Platte nicht mitgerechnet) darf die Gothic/Dark Wave-Gemeinde sich nun also an der „Ignis Fatuus“-Wiederveröffentlichung erfreuen. Die Betonung liegt auf „darf“, sie muss nicht. Denn was einem gestandenen Gothic da entgegenkommt, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Zunächst begeistert das wunderschöne „Prologue: The Gate“ mit Panflöten- und Tambourinklängen, die sich zu einem fast hypnotischen Stück entwickeln, das nahtlos in „Dream Demon“ übergeht.

Hier stellt sich eine Frage: Müssen deutsche Gothic-Sänger eine unglaublich schlechte englische Aussprache haben? Steht das irgendwo geschrieben? Den Part des Sängers übernimmt hier Mark Hofmann persönlich, der Wechsel zwischen gesprochenen und gesungenen Passagen irritiert umso mehr, da man den englischen Text kaum als solchen entschlüsseln kann. Auch bei „The Change Of The Moon“ stört man sich automatisch am Unterton des Sängers, doch erst als der weibliche Part einsetzt, brechen alle Dämme – ab jetzt klingt das Stück nur noch peinlich, nicht etwa düster-romantisch, wie es vermutlich mal geplant war. Der Titelsong hingegen startet mit interessanten orientalischen Gesängen – bis merkwürdige Keyboards auftauchen, die aus einer Achtziger-Jahre-Krimiserie entsprungen zu sein scheinen, dazu gesellt sich ein merkwürdiges Klimpern, das nach ca. zehn Sekunden unglaublich nervig wird.

Der einzige bisher unveröffentlichte Song „Ignis Fatuus: The Call Of Nephthys“ wirkt ebenso chaotisch; hypnotische Trommeln treffen auf Flamencogitarren und abstruse Frauengesänge, die klingen wie Tarja Turunens Aufwärmübungen. Erst „Serce Aniola“ überrascht positiv, obwohl oder grade weil es im ersten Moment nicht wirklich zum Rest passt: Mit recht harten Drums und einer Akustikgitarre kommt hier der Indie-Touch ins Spiel, Janusz singt den Text in seiner Muttersprache, was zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht klingt. Letztlich schafft Silke doch noch den Absprung: Bei „Phantasmagoria“ zeigt sie, was sie kann, die Instrumentalisierung erinnert ein wenig an Oniric, nur direkter und weniger fragil. Als Rettung des Albums kann man das gute Stück jedoch leider nicht bezeichnen.

Fazit: Wäre „Ignis Fatuus: Irrlichter“ ein reines Instrumentalalbum geworden, ich hätte vermutlich die volle Punktzahl gegeben. So versaut allerdings vorwiegend der männliche Gesang den ersten, guten Eindruck und auch die Dame am Mikro greift ein ums andere Mal gehörig daneben. Gothic- und Dark Wave-Fans, die ein Gespür für guten Gesang und die englische Sprache haben, sollten die Finger davon lassen.

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