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Enforcer: Live By Fire

Da fehlt nur noch die Nebelmaschine für Zuhause
Wertung: 8/10
Genre: Heavy/Speed Metal
Spielzeit: 78:32
Release: 20.11.2015
Label: Nuclear Blast

Wer die schwedischen Enforcer aktuell auf Tour gesehen hat, der wird sicherlich neidlos anerkennen müssen, was für ein Energiepaket dort auf der Bühne sich in einen speedigen Rausch gespielt hat – auch wenn so manches Mal der Nebel die Sicht schlichtweg bis zur Unkenntlichkeit verdichtete, sodass man beispielsweise auf dem Börsencrash Festival 2015 erst ab der dritten Nummer gewahr wurde, dass dort auch ein Schlagzeuger aus Fleisch und Blut hinter den Kesseln hockt. Vier Full-Length-Platten und elf Jahre nach der Gründung – damals ja noch als Ein-Mann-Projekt durch Frontmann und Sänger Olof Wikstrand – haben sich zusammengesammelt und führen nun zum ersten Livescheiben-Vermächtnis der nach Stockholm umgesiedelten Truppe.

Und wie haben sich die Vier in den letzten Jahren doch gemausert. Unvergessen, und dieser persönliche Einschub sei hier mal erlaubt, wie beim Nightmare Over St. Pauli Festival 2009 die damals noch als Quintett reisende Band zu Fuß zum Club tingelte und lässig ihre Gitarrenkoffer durch die flirrend warme Luft schleppte, nicht genau wissend, wohin sie sollten und sich kurzerhand zu den Haufen langhaariger Kuttenträger aufmachten, der da träge auf Holzbänken dahinvegetierte. Und zack, somit standen sie auch schon vor dem Club, zwei Stunden, bevor es überhaupt los ging, die ersten Kannen wurden gewuchtet und Fans und Band hatten quasi viel Zeit, sich auszutauschen – eine schöne Erinnerung, die man einem nicht mehr nehmen kann.

Zur Zeit der Aufnahme folgenden Livedokuments verweilten sie aber nicht mehr in hamburg, sondern am 24. Januar 2013 im Kyttaro Club in Athen – eine der Anlaufstellen dort überhaupt für metallische Konzerte – und stellten in aller Ausführlichkeit das neue Album „Death By Fire“ vor, welches zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht war und erst ein paar Tage später das Licht auch fernab von Hellas erblicken sollte. Und auch wenn die griechischen Maniacs die Songs noch nicht kennen konnten, so sorgen sie für einen Budenzauber erste Kajüte bei einer Show, wo sich Enforcer und ihre beinharten Supporter keinen Millimeter schenkten und sich gegenseitig hochpeitschten – was dann auch stimmungsmäßig sehr schön aufgefangen wurde, auch wenn einem gerade beim „überdimensionierten“ Jubelgetöse der Verdacht beschleicht, dass doch ein wenig zu viel an den Studioreglern nachgeholfen wurde. Andersherum aber: Immer wieder müssen wir Fans hier in Deutschland Geschichten anhören, wie enthusiastisch die Südländer doch sind – hier ist dann der Beweis.

Über die Setlist lässt sich ja nur bedingt streiten, denn bei 15 Livetracks werden alle Album mit dem Fokus auf „Death By Fire“ ausreichend gewürdigt. Und so hasten sie durch die Nummern, die Pausen sind wie gewohnt sehr übersichtlich und der Maiden-Touch trieft an allen Ecken und Enden (man höre nur besonders bei „Crystal Suite“ hin, das reicht schon als Nachweis). Olof ist schon leicht mit seiner Stimme angeschlagen, was nur bei den Ansagen deutlich wird, wobei die Screams dann aber wieder satt sitzen.

Wesentlich interessanter dürften dann aber auch die drei komplett neuen Studiotracks am Ende der CD sein. Den Auftakt übernimmt „ Speak The Tongue Of Heathen Gods“, welches wesentlich konsequenter umgesetzt wäre, wenn die ersten Pianoanschläge eher auf dem Spinett eingespielt worden wären. Ansonsten offenbart sich hier ein durchschnittlicher Mitdtempostampfer ohne wirklichen Wumms und Höhepunkt. Mit „Stellar Plains“ geht es dann aber wieder auffällig praller ins Gemächt, die Refrain punktet deutlich mehr und weckt Erinnerungen an Skull Fist, mit der letzten Nummer „ Tyrants Of Our Generation“ aber semmeln sie wieder eine speedige Abrissnummer heraus, die sich nahtlos auch ins Liveprogramm hätte einschleichen können – gehobenes Enforcer-Standard.

Dem ganzen Paket liegt auch eine Live-DVD, aufgenommen am 20. Oktober 2013 in der Saltana Super Arena in Tokyo, bei, diese ist aber nicht Bestandteil der Bemusterung hier. Da muss es wohl bei der Erwähnung bleiben. Unterm Strich – fernab über Sinn und Unsinn einer Live-Veröffentlichung – darf sich der Enforcer-Fan über ein authentisches Livealbum freuen, denn genau so rocken die Schweden - „ready to break your necks“.

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