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Endstille: Verführer

Die Kieler bleiben kompromisslos und verändern erwartungsgemäß wenig - und das ist gut so
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 46:46
Release: 08.05.2009
Label: Regain Records

Bevor wir bei dieser Besprechung zum musikalischen Teil kommen, zunächst einmal einige Worte zum Optischen des neuesten Endstille-Outputs: Was zum Teufel haben die Jungs sich bitte bei dem wirklich grauenhaften Cover gedacht? Dass die Texte von Endstille hauptsächlich vom zweiten Weltkrieg handeln, ist hinlänglich bekannt und dementsprechende Motive zierten somit bisher auch die Plattenhüllen des Kieler Quartetts. Logisch und passend zur Atmosphäre der Musik und Thematik der Lyrics.

Der komische, im Comicstil gezeichnete, zu einem durchgeknallten Metzger mutierte Kaiser Wilhelm auf der Vorderseite von „Verführer“ geht allerdings mal gar nicht und will irgendwie nicht recht zum Konzept der Norddeutschen passen.

Doch wenden wir uns der Musik zu: Endstille setzen den eingeschlagenen Weg vom Vorgänger „Endstilles Reich“ konsequent fort und setzen auf noch mehr Midtempo als auf dem Werk von 2007. Aus den hinteren Reihen sind da natürlich sofort wieder „Mainstream! Kommerz!“-Rufe zu hören, aber auch wenn diese Deppen es sowieso nie begreifen werden, sei hier noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass bei einer Band wie Endstille niemals die Rede von Kommerz sein kann, zumal es in der gesamten Black-Metal-Szene wohl kaum einen Frontmann gibt, der fieser und hasserfüllter kreischt und krächzt als Iblis. Außerdem kann auch eine Band wie Endstille, wenngleich für sie Monotonie eines der wichtigsten Stilmittel ist, nicht permanent nur im ICE-Tempo knüppeln.

Den Anfang der CD macht mit „Alteration Of Roots“ – eingeleitet von den netten Worten „Das ist der Krieg!“ – im übrigen ohnehin ein äußerst schneller Track, der mächtig Arsch tritt, gleich zeigt wo der Hammer hängt und überdies sogar noch recht eingängig ist. Ein Opener nach Maß, dem das gut aufgebaute, weil geschickt zwischen Blast-Raserei und Midtempo pendelnde „... Of Disorder“, bei dem Iblis sich die Stimmbänder förmlich blutig kreischt, und das mit Black N’ Roll-Schlagseite ausgestattete (und daher ein wenig an „Conquest Is Atheism“ von „Dominanz“ erinnernde) „Hate Me... God?“ folgen. Gerade letzteres besitzt durch die rockige Attitüde ebenfalls enorm viel Eingängigkeit, ohne dass man nicht immer noch heraushören würde, dass es sich um Endstille handelt.

Wirklich klasse, da eine Weiterentwicklung (so weit bei Endstille möglich) anhand dieses etwas experimentelleren Tracks erkennbar ist, ohne dass die Band auf irgendwelche ihrer Trademarks verzichtet hat.

Das siebenminütige „Depressive/Abstract/Banished/Despised“ ist dann eine Midtempo-Dampfwalze, die sich gewaschen hat, mit den typischen Endstille-Gitarren hypnotisiert und mit erneut ultrafiesem Gekeife von Iblis aufwartet. Seine Gesangsleistung ist auf „Verführer“ überhaupt wohl die bisher beste in der Diskographie der Schleswig-Holsteiner.

„Monotonus n“ ist dann wieder das genaue Gegenteil, ist pure Raserei und steht damit ganz in der Tradition der „Monotonus“-Stücke auf den vorangegangenen Alben, die in die gleiche Kerbe schlugen, während man sich bei „Symptoms“ ähnlich wie bei „...Of Disorder“ einige sehr effektive, gut eingebaute Pausen zwischen den Blastbeat-Passagen gönnt.

Wiederum langsamer, aber dadurch nicht weniger fies und erneut erstaunlich eingängig, sind dann die folgenden Songs „Suffer In Silence“ und „Dead“, und der finale Track „Endstille (Verführer)“ ist ganz gemäß der Tradition der „Endstille“-Songs, die jeweils auch am Ende auf den letzten Alben standen, zunächst eher im Midtempo gehalten, steigert sich allerdings fortwährend, bis es etwa ab der Mitte des Songs zu vereinzelten Blastbeat-Attacken kommt. Sehr bedächtig und spannend aufgebaut, ein würdiges Finale.

Fazit: Endstille haben wenig verändert – was gut ist, allerdings ja auch nicht anders zu erwarten war –, aber was verändert wurde, erweist sich als äußerst effektiv. Der Kontrast zwischen Mid- und Uptempo kommt noch deutlicher zum Vorschein als auf dem Vorgängeralbum, die songschreiberische Qualität ist ähnlich hoch wie bei „Endstilles Reich“, Mayhemic Destructors Drumming wie gehabt nicht von dieser Welt und Iblis klingt hasserfüllter und böser denn je. Auch produktionstechnisch ist alles im grünen Bereich: Die wie immer extrem verzerrten Gitarrenwände klingen mächtig und das Schlagzeug kraftvoll, doch das rohe Underground-Flair bleibt – selbstverständlich auch bedingt durch die Musik selber – erhalten. Daumen hoch für ein wiederum starkes und kompromissloses Album von Endstille. 

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