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Endeverafter: Kiss Or Kill

Musik von gestern im Gewand von heute
Wertung: 8/10
Genre: Glam Rock / Alternative
Spielzeit: 48:28
Release: 23.01.2009
Label: Powerage Records

Unter Musikliebhabern und –konsumenten gibt es ja bekanntlich mehrere Gruppen mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Vorlieben. Ein (bei allen Ausnahmen und Mischungen) besonders krasses Gegensatzpaar: diejenigen, die mit Musik ihr Bewusstsein erweitern, ihre Seele erforschen oder in musikalischer Tiefgründigkeit untertauchen wollen und diejenigen, für die Musik hauptsächlich Spaß machen, Drive haben und ein Höchstmaß an „Rock“ aufbieten muss.

Zu „Kiss Or Kill“, dem Debüt der jungen amerikanischen Band Endeverafter, sei der ersten Gruppe an dieser Stelle der Ratschlag gegeben, das Lesen dieses Artikels abzubrechen. Der zweiten Gruppe wird hiermit der Kauf ebenjenes Albums ausdrücklich empfohlen, denn Endeverafter bieten auf „Kiss Or Kill“ vor allem eines: Energie im Überfluss.

Die Kalifornier zelebrieren einen äußerst erfrischenden Mix aus Glam- und Hardrock der 80er, zeitgenössischem Alternative Rock, Melodie, Sex und jeder Menge Spaß. Von Beginn an fallen besonders die technischen Fertigkeiten von Gitarrist/Sänger/Songwriter Michael Grant auf, der sich die Finger an seinem Instrument wund gniedelt und der Musik seiner Band so einen Stempel aufdrückt, der ihr einen gewissen Wiedererkennungswert verleiht.

Der Opener „I Wanna Be Your Man“ fährt mit virtuosen Gitarrenläufen, punkigen Drums, eindeutiger Message („Now I know what I wanna do/I only wanna make love to you“) und einem absoluten Mitsingrefrain all die Merkmale auf, die Endeverafter auszeichnen. Der folgende Song „Baby Baby Baby“ schlägt in dieselbe Kerbe; hier fällt besonders das exzessive Outro auf, in dem Michael Grant dermaßen penetrant auf seiner Gitarre herumnudelt, dass man nur von gesunder Selbstironie sprechen kann.

Mit dem Track „Next Best Thing“ wird es mit Akustikgitarre etwas ruhiger und Grants Stimme nimmt einen schmachtenden Unterton an, unterstützt von einer weiblichen Zweitstimme. Ein an sich gefälliger Song, hier wird für meinen Geschmack jedoch ein bisschen zu stark auf Chartskompatibilität geschielt.

Der Spagat zwischen angemessen dreckigem Sound und offensichtlich vorgezogener Massentauglichkeit ist so auch eine der wenigen Schwächen von „Kiss Or Kill“. Zwischen einer interessanten Melodie und einem tausendfach gehörten Radiotune liegt oft nur wenig Raum.

Glücklicherweise überwiegen aber auf Albumlänge die eigenständigeren Songs, die zwar in musikalischer Hinsicht, verglichen mit anderen Bands des Genres, auch nicht wirklich Neues bieten aber immerhin Altes frisch und mit hörbarem Spielspaß aufarbeiten. Leider hat man ans Ende des Albums mit „Long Way Home“ ausgerechnet die kitschigste Ballade der ganzen Platte gesetzt, was zumindest mir mit jeder Menge Streichern und glatter Produktion einen eher ungemütlichen Ausgang aus „Kiss Or Kill“ beschert. Wie immer ist es aber auch hier eine Frage des Geschmacks ob man Radiotauglichkeit als Vor- oder Nachteil empfindet.

Fazit: Endeverafter haben mit ihrem Debüt ein Album geschaffen, das Spielspaß, technisches Geschick und Attitüde zu einer äußerst spaßigen Mischung verbindet. Wer keine hohen Anforderungen an textlichen Anspruch stellt, sondern melodischen Rock mit Hitparadenpotential sucht, ist mit „Kiss Or Kill“ bestens bedient.

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