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End Of Green: Void Estate

Gewohnt düster in einzigartigem Stil
Wertung: 8,5/10
Genre: Dark Rock, Goth Rock
Spielzeit: 57:32
Release: 18.08.2017
Label: Napalm Records

25 Jahre sind eine wahnsinnig lange Zeit für eine Band, die nicht nur konstant in regelmäßigen Abständen qualitativ hochwertige Alben veröffentlicht, sondern nebenbei auch noch genauso regelmäßig tourt – herzlichen Glückwunsch also an die Schwaben End Of Green, die mit ihrem 1996er Debüt „Infinity“ den Grundstein zu einem Vierteljahrhundert „Depressed Subcore“ legten; ein Ende ist auch mit der aktuellen Platte nicht abzusehen. Eine Änderung gibt es allerdings: Das Stil-Prädikat prangt schon mindestens seit „Dead End Dreaming“ von 2005 nicht mehr auf den Alben.

Dabei hat sich an der Düsternis gar nicht so viel geändert, der depressive Anteil wird höchstens etwas melodischer verpackt, ohne dass man den Herrschaften jedoch je poppige Ausflüge vorwerfen könnte. Auch die Kitschkarte haben die Stuttgarter bisher erstaunlich souverän im Ärmel behalten – am ehesten kann man den Trupp heutzutage noch als Dark oder Goth Rock bezeichnen, so richtig wohl fühlt man sich mit dem Stempel aber als Fan auch nicht.

„Void Estate“ kam schon im August auf den Markt, eine Jahreszeit, die nun so gar nicht zur Musik von End Of Green passen mag. Auch auf Festivals kann man sich die Band immer schlecht vorstellen, viel zu drückend ist der Sound – kleine Clubs sind da genau das richtige. Aber zurück zum Album: Die neue Platte überzeugt nicht nur wieder musikalisch, sondern auch mit recht verstörenden Booklet-Bildern – einfach mal durchblättern. Und was im ersten Durchlauf eher etwas dröge klingt, mausert sich nach intensiverem Hören zu einer spannenden und vielseitigen Platte – angefangen mit dem noch etwas schleppend anlaufenden „Send In The Clowns“, das den Weg frei gibt für den absoluten Knaller „Dark Side Of The Sun“ mit seinem düster-trockenen Gitarrenriff und einem Sänger in Bestform, der immer mal wieder kurze Gedanken an Pete Steele (RIP) aufblitzen lässt und sich außerdem fast ein bisschen stonermäßig gebärdet; auch das folgende „The Door“ steht dem in nichts nach, wobei hier vor allem der Refrain mit seinem Gänsehautpotential überzeugt.

Fast ungewohnt dynamisch und hell präsentiert sich „Crossroads“, ganz gegenteilig dazu dröhnt „Mollodrome“ aus dem Hörer, ein beklemmendes Stück von Anfang bis Ende, das die (atiobiografische?) Situation beschreibt, telefonisch über den Tod eines Angehörigen oder anderen nahestehenden Menschen informiert zu werden – Sänger Michelle Darkness‘ Grabesstimme legt hier noch mal eine gehörige Schippe Gänsehautfeeling obendrauf. Rein instrumental handelt es sich hierbei um den Track, der den älteren „Depressed Subcore“-Stücken noch am nächsten kommt.

Wahrscheinlich kann man in einer Auswahl von 100 Bands des Genres die Stuttgarter immer noch im ersten Versuch heraushören: In all der Zeit haben End Of Green das geschafft, wovon vermutlich jede Band träumt – scheinbar mühelos einen eigenen Stil zu finden ohne sich selbst zu kopieren, sich eine mehr als solide Fanbase aufzubauen und mit jedem neuen Album überzeugen zu können. Die scheinbare Mühelosigkeit mag viel Arbeit gekostet haben – die Leidenschaft jedenfalls spürt man in jedem Song der Schwaben.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“