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Encoffination: Ritual Ascension Beyond Flesh

Ein Griff in die Sanitäranlage des Doom
Wertung: 3/10
Genre: Death/Doom Metal
Spielzeit: 36:15
Release: 17.10.2010
Label: Selfmadegod Records

Ja, es gibt tatsächlich Bands, die es schaffen, die beiden eigentlich unvereinbar scheinenden Subgenres Death und Doom Metal so zu kombinieren, dass Musik dabei herauskommt, die man sich anhören kann, ohne sich wahlweise die Pulsadern aufzuschneiden, in Trance zu verfallen oder in wilder Raserei die Bude auseinanderzunehmen. Katatonia haben das auf früheren Album nahezu perfektioniert, die Kollegen von My Dying Bride spielen heute noch gerne mit zähen Riffs und tiefen Growls, und die Engländer Paradise Lost konnten auch ein todesmetallisches Doom-Liedchen davon singen, wie es ist, rasende Doublebass mit einmal pro halbe Stunde angeschlagenen Gitarrensaiten zu mischen.

Die Amis Encoffination wollen sich nun mit ihrem Debütalbum „Ritual Ascension Beyond Flesh“ in die Riege der Death-Doomer einreihen. Das richtige Werkzeug hat das Duo schonmal: Schlagwerker Elektrokutioner trommelt sich dumpf wummernd durch die acht Songs der Scheibe, während Kollege Ghoat sich an Bass und Gitarre verlustiert und zeitgleich immer mal wieder desillusioniert ins Mikro grummelt. Grundsätzlich sind Bands mit nur zwei Mitgliedern schon mal ein wenig suspekt, zumal ich wetten könnte, dass der werte Elektrokutioner nur schmückendes Beiwerk ist, weil Herr Ghoat nicht auch noch die Drums bedienen kann oder will.

Kommen wir zum unangenehmen Teil der Scheibe. Den merkwürdigen Mönchsgesängen im Opener „Procession“ zum Beispiel. Daran schließt sich schön direkt „Nefarious Yet Elegant Are The Bowels Of Hell“ (Scheißtitel übrigens) an, bei dem innerhalb von knapp fünf Minuten das generelle Problem von Encoffination klar wird: Die Jungs kommen einfach nicht aus dem Quark. Zwar wird wunderbar getragen vor sich hin geschreddert und über die technischen Fähigkeiten kann man insgesamt nicht soviel Schlechtes sagen, aber von Vocals kann hier kaum die Rede sein. Ab und an hört man mal ein fernes Grollen, wenn Ghoat mal wieder vor sich hin rülpst, aber darauf auch nur annährend eine Struktur erkennen zu wollen, grenzt ans Lächerliche.

Ein bisschen flau im Magen wird einem, wenn man die Lautstärke ein Stück hochdreht und sich zwei oder drei Lieder hintereinander die merkwürdig brummende Gitarre anhört. Zum Slowmotion-Headbangen mag sich das Ganze ja gerade noch eignen, richtig genießen kann man die Stücke aber nicht. Übrigens findet die bandeigene Lahmarschigkeit, die mit Doom schon fast nichts mehr am Hut hat, am Ende von „Eucharist Of Bone And Flame“ ihren Höhepunkt, wo man sich selbst als Hörer von einem Saitenanschlag zum nächsten quält. Entweder, das ist Doom auf höchstem Niveau, oder Ghoat ist bei seinem eigenen Song ins Koma verfallen – faszinierend.

Bei „Interlude“ bekommen die Mönche aus „Procession“ dann nochmal ihre Chance, bevor „Beyond The Grace Of Flesh Go I“ seinen grummelnden Einstand findet. Ein wenig auflockernd wirken die über die Songs verstreuten Zitate, aber auch die sind eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Entombment Of The Breathing Flesh“ lässt dann ein bisschen Hoffnung aufkeimen: Rasant geht’s hier zur Sache, die Gitarren schreddern, die Drums poltern, irgendwo von ganz weit her hört man den Sänger growlen. Und tatsächlich, das Gitarrenriff wächst sich zum instrumentalen Ohrwurm aus. Instrumental deshalb, weil die Vocals schon wieder kaum zu hören sind. Klingt ein bisschen, als wären Ghoat und sein Drummer bei den Aufnahmen in zwei verschiedenen Räumen gewesen, und der Sänger würde hinüber rufen: „Hey, mach mal ein bisschen mehr Hall drauf, man versteht mich noch zu gut!“ Dass das so nicht funktionieren kann, sollte man ihm vielleicht mal sagen.

Mit ganzen achteinhalb Minuten haben Encoffination dann mit „Coffinpsalms“ auch noch eine Art von Rausschmeißer kreiert, die so gar nicht wirkt. Es wird gegrummelt wie schon bei den vorherigen Songs und ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass es für keinen der Songs auf „Ritual…“ überhaupt einen sinnvollen Text gibt. Ist natürlich ganz praktisch, so kommt man live nicht in Verlegenheit, seine Lyrics zu vergessen. Nerven tut das Gebrummel aber trotzdem.

Fazit: Wer sich für Death/Doom begeistern kann, kann sich nicht zwangsweise für die erste Encoffination-Platte erwärmen. Abgesehen von den sehr gleichförmigen Gitarren und dem unermesslich nervtötenden Gegrummel des Sängers, stimmt auch ingesamt die Lautstärkeverteilung vorne und hinten nicht. Ich selbst bin ja ein Fan von hintergründig eingesetzten Schreien und Vocals im Allgemeinen, aber die Amis schaffen es tatsächlich, nicht mal in die Nähe von guten Death/Doom zu kommen. Schade eigentlich, jetzt wo man sich an die bizarren Songtitel gewöhnt hat.

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