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Encoffination: O'Hell, Shine In Thy Whited Sepulchres

Das einzige, was an dieser Scheibe überzeugt, ist das Artwork
Wertung: 3.5/10
Genre: Death Metal, Doom Metal
Spielzeit: 39:04
Release: 15.11.2011
Label: Selfmadegod Records

Also, eines muss man den Amis von Encoffination wirklich lassen: Rein Cover-technisch gehören die Death-Doomer nach nur zwei Alben mittlerweile zu meinem Favorites. Bereits das Debüt "Ritual Ascension Beyond Flesh" glänzte durch eine Grafik, die durchaus aus der Zeit der Inquisition hätte stammen können, und auch auf ihrer neuen Full-Length-Scheibe "O'Hell, Shine In Thy Whited Sepulchres" (ein typischer Encoffination-Titel, wenn es je einen gegeben hat) zeigen die beiden Herren direkt einmal einen Ausschnitt aus einem Bildnis des 16.Jahrhunderts von Juan de Valdes Leal mit dem schönen Namen "Finis Gloriae Mundi", auf dem man sich in einer wenig einladenden Grabkammer wiederfindet. Auch das Innenleben des Booklets ist sehr schön gestaltet und lockt mit auf Goldglanzpapier abgedruckten Holzschnitzereien. Dafür verantwortlich zeichnet sich natürlich Encoffination-Mastermind Ghoat alias Justin Stubbs, der ganz nebenbei auch wie auf der ersten Scheibe für Vocals, Gitarre, Bass, Orgel und diverse Glocken zuständig ist. Drummer Elektrokutioner darf den Rest erledigen, sprich wie schon zu "Ritual Ascension..."-Zeiten auf die Felle hämmern und die Bühne dem Chef überlassen.

Neben den abstrusen Titeln (siehe "Rites Of Ceremonial Embalm'ment" oder "Elegant In Their Funebrial Cloaks, Arisen") sind sich die beiden US-Amerikaner auch soundtechnisch treu geblieben. Leider, muss man hier sagen, denn schon bei der Vorgängerplatte fiel der unterirdische Sound auf und vor allem hat sich Sänger Ghoat zumindest in dieser Disziplin leider auch nicht nennenswert weiterentwickelt. Man hat zwar ein bisschen weniger Hall auf die Growls gelegt, aber damit hat es sich dann auch schon fast. Und obwohl Doom tiefer gestimmt sein muss, brummelt hier der ganze Kopf vor lauter Bass - Kopfhörersession sind bei dieser Platte definitiv nicht empfehlenswert, wenn man ein unbeschadetes Innenohr vorzieht.

Die knapp einminütige Eröffnung "Sacrum Profanum Processionali" beginnt mit unheilvollen Kirchenglocken, Schallplattengeknister und einem netten Mann, der in Latein vor sich hin schwafelt - wahrscheinlich warnt er alle Freunde des guten Geschmacks vor dem Anhören der folgenden Songs, aber das ist natürlich nur eine Vermutung. In jedem Fall folgt das bereits wegen seines etwas ungewöhnlichen Titels erwähnte "Rites Of Ceremonial Embalm'ment", das vor allem eines kann: nerven. Diese Zwischensequenz mit dem ewig andauernden Rückkopplungspfeifen möchte uns taub machen, damit wir die Schmach nicht hören, die Encoffination da über sich selbst bringen, aber wer völlig übersteuerte Schlagzeuge in der ersten Reihe auf einem Konzert aushält, wird auch mit so etwas fertig. Ghoat grunzt sich wie immer durch die Zeilen, die nicht einmal schlecht sind, wie man unschwer im Booklet nachlesen kann, aber leider im Soundsumpf untergehen. 

Das folgende "Ritual Until Blood" ist wieder eine Ode an die Langsamkeit, die gar nicht so miserabel ausfällt, vorausgesetzt natürlich, man mag es, wenn Sänger klingen, als wären sie kurz vorm Tod durch Ersticken. Zusätzliche Verwirrung verursachen die jazzig angeschlagenen Drum-Becken, die klingen wie der Tusch in manchen Zeichentrickserien, der zur Betonung eines Witzes verwendet wird - sehr merkwürdig, zumal hier nichts betont werden kann, und etwas Positives schon gar nicht. Man fließt zäh vor sich hin, breitet das Ganze auf knapp viereinhalb Minuten aus und beendet das Stück mit den wohl bekannten und immer wieder beliebten Kirchenglocken, die übrigens nahtlos zu "Elegant In Their Funebrial Cloaks, Arisen" überleiten. 

Man kann sich vielleicht aus den vorangegangenen Abschnitten ableiten, dass die Platte nicht mehr viel besser wird. In "Washed And Buried" finden sich zwar ein paar ganz passable Gitarren, aber irgendwie wird man auch hier den Eindruck nicht los, dass Encoffination selbst nicht so richtig Bock auf das haben, was sie da fabrizieren. Allerdings: Ausdauernd ist zumindest Sänger Ghoat. Was der Kalifornier an Grunzern rauslässt, würde jedem brünftigen Hirsch zur Ehre gereichen - nur leider passt es entweder nicht ins Lied oder ist mit soviel Hall versehen und so leise abgemischt, dass es sogar von zarten Snares übertönt wird.

Dass Encoffination direkt ans Ende der Platte noch einen richtigen Wälzer mit fast elf Minuten Laufzeit gehängt haben, hätte man kommen sehen können. Auch der birgt aber lediglich die Überraschung, dass es die beiden überhaupt geschafft haben, ein so langes Stück fertigzustellen. Alles in allem kann die neue Platte genauso wenig überzeugen wie das Debüt - ein nicht mal schlechter, aber irgendwie unbefriedigender Sound, Musiker, die mal eine Nachhilfestunde in Sachen Aktualität nötig hätten, und eine Kombination von Death und Doom, wie sie fader kaum sein könnte, machen das Album eher zu Verdruss als zu Genuss. Lediglich für das Artwork gibt es einen halben Pluspunkt im Vergleich zum Vorgänger.

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