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Empyrium: Über den Sternen

Die lange Wartezeit hat sich wieder einmal gelohnt
Wertung: 9,5/10
Genre: Folk/Black/Symphonic Metal
Spielzeit: 52:30
Release: 26.02.2021
Label: Prophecy Productions

Sieben Jahre ist es nun schon wieder her, dass Empyrium ihr Comebackalbum „The Turn Of The Tides“ veröffentlichten – höchste Zeit, dass da mit „Über den Sternen“ endlich der Nachfolger und insgesamt sechste Studiolangdreher der süddeutschen Schöngeister in die Läden kommt. Seinerzeit kehrte man nach zwei reinen Akustikalben zuvor (das letzte davon komplett auf Deutsch gehalten) wieder ein wenig mehr zur „Songs Of Moors And Misty Fields“-Ausrichtung mit schwarzmetallischen und doomigen Einflüssen und elektrisch verstärkten Instrumenten sowie englischen Texten zurück.

Auf „Über den Sternen“ wird diese Rückbesinnung intensiviert, es gibt deutlich mehr Growls als auf dem Vorgänger und die Orientierung ist progressiver. Auch von dem deutschen Titel sollte man sich nicht irreführen lassen, denn tatsächlich ist ausschließlich der an letzter Stelle platzierte Titelsong in deutscher Sprache gehalten. Es spricht ja ohnehin nichts gegen deutsche Lyrics, da die Band sich schließlich stets auf die großen deutschen Romantiker des 19. Jahrhunderts ebenso wie auf die Natur in ihrer fränkischen Heimat bezieht; außer dass außerhalb des deutschsprachigen Raums kaum einer die Texte versteht.

Progressiv zeigt sich das Duo Markus Stock und Thomas Helm bereits im eröffnenden „The Three Flames Sapphire“, das als erster Appetizer herausgebracht wurde und in beeindruckender Manier die verschiedenen Gesichter der Band zusammenfasst: Eingeleitet von sanften Akustikgitarren und Celloklängen, gewinnt der Song mit Einsetzen von Schlagzeug und E-Gitarren an Härte – es werden gleichermaßen Growls wie Helms opernhafter Gesang geboten, malerische Melodiebögen geschlagen und auch eine Flöte kommt zum Einsatz. Einfach nur ein wunderschönes Stück, das ganz sicher zu den songschreiberischen Highlights in der Geschichte der Band gezählt werden darf.

An Glanzlichtern mangelt es allerdings der gesamten Platte nicht. Vor allem die erwähnte Titelnummer präsentiert sich symphonisch, episch und majestätisch mit einer aufwärts strebenden Melodie im Refrain, die einem tatsächlich das Gefühl gibt, nach oben zu schweben. Auch in dieser über zehnminütigen, facettenreichen Komposition, welche die Scheibe formvollendet abrundet, fehlt es selbstverständlich nicht an folkigen Einsprengseln, die geschmeidig und dynamisch mit harschem Riffing verwoben werden.

Auffallend über die Gesamtdistanz des Werkes ist der häufige Einsatz des Hammered Dulcimer, der im mit Black-Metal-Einschlag versehenen „A Lucid Tower Beckons On The Hills Afar“ gar die Leadmelodie übernimmt, doch ebenso im schleppenden „The Oaken Throne“, dem eleganten, etwas schneller ins Ohr fließenden „The Archer“ oder der mystischen Elegie „The Wild Swans“ für zusätzliche Farbtöne sorgt. Dies gilt auch für die sporadischen, stets wohldosierten Einsätze von Violine, Cello und Flöte, die die Folk-Komponente stilvoll hervorheben.

Neben den Hauptkompositionen finden sich mit „Moonrise“ und „In The Morning Mist“ zwei verträumte, idyllische Instrumentalstücke (wobei ersteres glatt auch auf einem Opeth-Album stehen könnte), die sich nahtlos einfügen. Schwächen sind auf „Über den Sternen“ nicht auszumachen; es mag lange dauern, bis Empyrium mit neuem Material aufwarten, dafür jedoch bekommt man eben stets Qualität vorgesetzt. Man agiert noch besser und vielseitiger als auf dem Vorgänger (den ich damals vielleicht mit vollen zehn Punkten etwas zu sehr abgefeiert habe), alte und neue Empyrium, Folk- und Metal-Elemente wurden makellos verzahnt, Growls und Klargesang perfekt ausbalanciert, auf Detailarbeit Wert gelegt.

Es bleibt dabei, dass sich an Thomas Helms pathetischem Operngesang die Geister scheiden werden (wer wie der Verfasser auch gerne Opern mag, hat damit natürlich weniger Probleme), allerdings kann wohl niemand leugnen, dass der Mann was auf dem Kasten hat. Der Sound des Albums ist außerdem fantastisch und sehr transparent, die spirituelle, naturnahe und melancholische Atmosphäre bleibt dennoch zu jeder Sekunde greifbar. Eine wunderbare Platte, die dem legendären „Songs Of Moors And Misty Fields“ in kaum etwas nachsteht – jetzt fehlt als Krönung lediglich, dass Markus mit The Vision Bleak ebenfalls wie angekündigt noch in diesem Jahr eine neue Scheibe an den Start bringt… 

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