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Empyrium: The Turn Of The Tides

Das Comeback des Jahrzehnts?
Wertung: 10/10
Genre: Folk/Symphonic Metal
Spielzeit: 43:33
Release: 18.07.2014
Label: Prophecy Productions

Bereits vor vier Jahren hatten Empyrium bekanntermaßen ihre Rückkehr verkündet, doch es sollte noch einige Zeit dauern, bis endlich auch das neue Album „The Turn Of The Tides“ so weit fertig war, dass es in den Verkaufsregalen landen konnte. Die Fans mussten sich also in Geduld üben und bekamen nur hin und wieder ein Häppchen in Form eines neuen Tracks serviert, um die Wartezeit wenigstens ein bisschen zu verkürzen.
Das, was man vorab zu hören bekam, dürfte wohl niemanden, der auch nur entfernt etwas mit dieser Band anfangen kann, kaltgelassen haben und steigerte die Vorfreude umso mehr: Zunächst war es der Song „The Days Before The Fall“, der auch auf der Prophecy-Compilation „Whom The Moon A Nightsong Sings“ zu finden ist, dann gut zwei Jahre später das Stück „Dead Winter Ways“, und zwischendurch wurde auf dem Wave Gotik 2011 außerdem erfolgreich der allererste Liveauftritt der Band überhaupt absolviert, der 2013 auf der „Into The Pantheon“-Blu-ray festgehalten wurde.

Da Empyrium auf ihren vier bisherigen Alben eine klare Wandlung durchgemacht haben und nun wirklich keine Platte wie die andere klingt, durfte man natürlich sehr gespannt sein, wie sich das fünfte Full-Length-Werk, das ganze zwölf Jahre nach der letzten Scheibe „Weiland“ herauskommt, anhören würde. Die beiden neuen Tracks verdeutlichten bereits, dass Ulf Theodor Schwadorf und sein Compagnon Thomas Helm nach der akustischeren Ausrichtung der Alben vor der Auflösung wieder einen elektrisch verstärkten, symphonisch orientierten Kurs einschlagen und außerdem wieder auf englische statt deutsche Texte setzen. Da denkt man natürlich automatisch gleich an den unsterblichen Klassiker „Songs Of Moors And Misty Fields“ und tatsächlich lässt sich „The Turn Of The Tides“ wohl am ehesten mit der ’97er Platte vergleichen – wenn man denn die Vergangenheit des Duos als Vergleich heranziehen will. 

Und doch sind die Parallelen nur streckenweise anzutreffen; so großartig jenes Album auch ist – Empyrium klingen anno 2014 reifer und erwachsener, vor allem der Sound ist naturgemäß etwas sauberer und hat nicht diesen leicht naiven Beigeschmack wie „Songs Of Moors And Misty Fields“. Auch wenn es anders herüberkommen mag, ist diese Umschreibung aber nicht etwa spöttisch gemeint, denn dies passte damals ja bestens zur Atmosphäre der Platte. Heute jedoch kommt die Musik der Jungs erhabener und bombastischer daher, ohne dass auch nur ein Funken der für die Band typischen Melancholie verloren gehen würde.

„Saviour“ ist bereits ein hervorragender Einstieg, das Stück besitzt einen sehr repetitiven Charakter und steigert sich von Minute zu Minute – und man befindet sich sofort inmitten des Empyrium-Universums. Thomas Helms Gesang ist zwar gewohnt leicht opernhaft und mit Pathos versehen, glücklicherweise jedoch genau im richtigen Maß, ohne dass es affektiert klingen würde. Man darf sogar so weit gehen zu behaupten, dass er hier die beste Gesangsleistung seiner Karriere bringt. Die Nummer selbst hat trotz Strophen/Refrain-Struktur etwas von einem überlangen Intro, wirkt aber keinesfalls künstlich in die Länge gezogen, sondern hat vielmehr etwas faszinierend Hypnotisches an sich und lässt einen voller Erwartung zurück, was da wohl noch so kommen wird.

Das darauffolgende „Dead Winter Ways“ startet mit Cembaloklängen, die von einer Schalmei oder einem Englisch-Horn im Hintergrund untermalt werden; eine vorzüglich ausgewählte Instrumentierung und man ist auch hier sogleich völlig gefangen von der (logischerweise) erneut allgegenwärtigen Melancholie. Erst in der Mitte setzen E-Gitarren und Schlagzeug ein und Schwadorf packt sogar ein paar Screams aus – dies soll allerdings der einzige Ausflug in Sachen Extrem-Vocals auf diesem Album bleiben. Ein wenig muss man tatsächlich an einen Song wie „Mourners“ denken, aber das ist eher sporadisch, das Album steht völlig zweifelsfrei für sich.

„In The Gutter Of This Spring“ tönt ein wenig aufgelockerter, wartet mit markanten Akustikgitarren und etwas heitereren Gesangsmelodien auf und wird mit einer hymnischen, mitreißenden Gitarrenfanfare beendet, „The Days Before The Fall“ hingegen kommt mit seiner sakralen Orgel und den Percussions getragen und sehr feierlich daher, doch das ganz große Highlight in Form von „With The Current Into Grey“ soll erst gegen Ende in Szene gesetzt werden. Eine unglaublich berührende, mitreißende Komposition, die von ihrem tollen Flow und dem ausgezeichneten Gesang Thomas Helms geprägt ist; wer da nicht in Ehrfurcht und totaler Gebanntheit versinkt, muss wohl emotional völlig abgestumpft sein. Mit dem vor allem von Soundscapes denn wirklicher Struktur lebenden Titelsong klingt die Platte anschließend passend und geschmackvoll aus.

Man hat von Empyriums Rückkehralbum viel erwartet und noch mehr bekommen: ein Album, das ganz klar durch und durch Empyrium ist und doch anders als alles, was die Truppe bisher gemacht hat. Alte Elemente werden aufgegriffen und mit Neuem vermischt, die Produktion ist absolut makellos, die Arrangements sind spannend, einfalls- und abwechslungsreich, die Gesangs- und Instrumentalperformances hervorragend, die Emotionen ganz groß und mit „With The Current Into Grey“ liegt noch dazu ein geradezu unfassbarer Übersong vor – hier stimmt alles. Ich verneige mich ganz tief.

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