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Empyrium: Songs Of Moors And Misty Fields

Traumhafte Melancholie zum Versinken
Wertung: 9.5/10
Genre: Folk, Gothic Metal
Spielzeit: 45:11
Release: 18.11.1997
Label: Prophecy Productions

Es gibt nichts Schöneres als eine Band bzw. ein Album neu für sich zu entdecken, das einen dermaßen fesselt, dass es einen über Wochen hinweg nicht mehr loslässt. So geschehen ist es mir mit „Songs Of Moors And Misty Fields“ von Empyrium, der Ex-Band von The-Vision-Bleak-Teilhaber und Alleskönner Markus Stock.

Zunächst war’s eigentlich nur der Naturmystik suggerierende Titel, der meine Aufmerksamkeit erregte – da die Natur schließlich eine der besten Inspirationsquellen für schöne, romantische und epische Musik darstellt.

Und ja, Freunde, der Titel hat wirklich nicht zuviel versprochen; es gibt viele Alben, die mich gefesselt haben, aber nur wenige, die bei mir einen einzigen Rausch von der ersten bis zur letzten Minute auslösten und in die ich voller Ehrfurcht und Hingabe versunken bin.

Empyrium haben sich ja bereits auf ihrem Debüt „A Wintersunset“ eindeutig der Natur gewidmet, was Stücke wie „Under Dreamskies“, „The Franconian Woods In Winter’s Silence“ oder „Autumn Grey Views“ beweisen und schon dieses Album war für das Debüt eines Duos beeindruckend und sehr gut gemacht. „Songs Of Moors And Misty Fields“ jedoch ist klarer strukturiert, vom Songwriting eine ganze Ecke stärker und auch noch atmosphärischer, gerade dadurch, dass die Keyboards zwar immer noch stark vordergründig, aber nicht mehr ganz so dominant eingesetzt wurden und ebenfalls durch das Zurückschrauben des Black-Metal-mäßigen Krächzgesanges, der so noch mehr an Effektivität gewinnt.

Die Musik dieser Platte lässt sich eigentlich kaum wirklich in eine Schublade einordnen: Es ist ein kleiner Anteil Doom dabei (an dieser Stelle sei erwähnt, dass die Band sich nach der EP „Symphonaire Infernus Et Spera Empyrium“ von My Dying Bride benannte), ein großer Anteil Folk durch „Stairway To Heaven“-mäßige Flöten, mittels des Einsatzes von Klavier und Cello gibt es klassische Anleihen und die Traurigkeit, welche die Musik die ganze Zeit umgibt, lässt einen irgendwie auch an Gothic denken, natürlich auch bedingt durch Markus’ sehr tiefen, manchmal etwas pathetischen (aber nie so stark, dass es lächerlich wirken würde), cleanen Gesang, der den Kontrast zu dem bereits erwähnten, exzellent vorgetragenen Krächzen darstellt.

Überhaupt ist Markus Stocks Leistung ein Phänomen. Nicht nur, dass er für alle beiden vollkommen unterschiedlichen Gesangsstile verantwortlich zeichnet, nein, bis auf die Synthesizer, die sein Partner Andreas Bach einspielte, sowie das Cello und die Flöte, die seine Frau Nadine bediente, hat er außerdem sämtliche Instrumente eingespielt: Bass, Gitarren, Percussion, Schlagzeug… Gerade das Schlagzeug hat es mir angetan, selten ist mir ein derart kraftvoller und dabei gleichsam so authentischer Drum-Sound zu Ohren gekommen, mal abgesehen davon, dass das Drumming so durchdacht und geil strukturiert ist, dass man, wenn man nicht gerade in der herrlichen Musik versinkt, gar nicht drum herumkommt, voller Enthusiasmus Air-Drumming zu betreiben. Man merkt, dass hier ein Schlagzeuger am Start war, der nicht nur trommelt, sondern eben auch selbst Musik schreibt.

Jedenfalls ist es nicht Sinn dieser Musik, kategorisiert zu werden. Diese Musik muss man genießen, am besten abends unter Kopfhörern, sich treiben und darin fallen lassen und mit geschlossenen Augen den in archaischem Englisch gehaltenen Songs über die Natur, Tristesse und Liebeskummer lauschen. Bilder von Mooren, Wäldern und Seen werden von ganz alleine entstehen. Selten wohl ist auch der Begriff von wirklich romantischer Musik (zumindest, was die Metalszene angeht) so zutreffend wie hier: Die Mucke ist nicht unbedingt hart, aber durch die Längen der Titel, den Krächzgesang und die folkloristischen Einflüsse weit entfernt von kommerzieller Anbiederung.

Vielmehr handelt es sich um ein Album mit viel Seele und Tiefgang, das voller Leidenschaft eingespielt wurde. Es regiert pure Schönheit und Melancholie und auch die Produktion hat trotz druckvollem Schlagzeug und ordentlichen Gitarren irgendwie noch sympathisches Underground-Flair. Hier wurde nicht großartig nachträglich herumgepfuscht und zuviel Bombast mit reingepackt, sondern alles eher „übersichtlich“ gehalten. Trotzdem klingt alles flächig, weit und stellenweise sogar episch und niemals billig. Auch diese Ausgeglichenheit schaffen im Verhältnis nicht viele.

Fazit: Wer also gerne in Musik versinkt, die Natur liebt und in melancholischer Stimmung schwelgt, dem sei diese wundervolle CD ans Herz gelegt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann