Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Empyrium: A Retrospective

Für beinahe jeden Musikgeschmack eine interessante Mischung
Wertung: 8.5/10
Genre: Neofolk, Gothic
Spielzeit: 76:10
Release: 08.12.2006
Label: Prophecy Productions

„Oh schaurig ist’s übers Moor zu gehen…“. Seit alters her bedient sich der Mensch der Ausdrucksmöglichkeiten Sprache, Musik und bildende Kunst um seinen Gefühlen ausdruck zu verleihen und sie zu verarbeiten. Was als Spaziergang durch die unberührte Natur beginnt, endet mit innig berührenden Melodien, klagenden Klavierpassagen und sphärischer Violine; jedenfalls bei Ulf Theodor Schwadorf, dem Menschen, der über 8 Jahre versucht hat die flüchtige Wirkung der Natur in seiner Musik vor der Vergänglichkeit zu bewahren.

Schade ist eigentlich nur, dass es ihm nach eigenen Empfinden gelungen ist, denn nach dem dritten Album „Weiland“ hatte Empyrium seinen Zweck erfüllt, welcher darin bestand die Mystik, Schönheit und Fülle an Emotionen die ein Mensch mit der Natur verbindet in Musik zu fassen.

In eine Musik, die unterschiedlicher und zugleich stimmiger nicht sein könnte, eine Musik, die für sich selbst schon an Ausdruckskraft vieles übersteigt, was sich mit ihr zu messen versucht. Denn um tiefe Gefühle in nur 60 Minuten einem Hörer nahe zu bringen, braucht es mehr als nur aussagekräftige Lyrik, man benötigt Musik. Denn nichts geht so direkt einem jeden Menschen ans Herz wie Musik. Egal, welche Sprache, man weiß bei einem musikalischen Ausdruck stets welchen Gefühlsausdruck der Künstler gerade anzusprechen versucht. Wenn Empyrium also vom bedrückenden Gefühl des nächtlichen Moors oder vom verträumten Wald in der Abenddämmerung erzählt, dann werden hierfür nicht viele Worte benötigt, Hübsches und Hässliches, Kaltes und Warmes spiegelt sich in Harmonien und Dissonanzen, verschiedenen Tonarten und Dynamiken wieder.

Diese ganzen Techniken lassen sich, gleich der Wärme und Kraft eines Feuers, mit den Mitteln der Musiktheorie erklären und beschreiben, doch kann man nur am eigenen Leib ihre Kraft und Intensität erfahren.

„A Retrospective“ gibt in diesem Zusammenhang einen überaus umfassenden Einblick in das Schaffen der seit ihrem ersten Album erfolgreichen Gruppe. Auf dieser CD sind die wichtigsten Höhepunkte der in sechs Jahren entstandenen drei Alben versammelt, und dem Hörer wird somit die Essenz der Aussage präsentiert, was leider auch einschließt, dass vieles von der ursprünglichen Atmosphäre der vergangenen Werke weichen musste. Im Stück „Waldpoesie“ kommt diese wunderbare, ausgedehnte Stimmung sehr bezeichnend zum Ausdruck und es wird der Eindruck von der sorgsam sich mehrenden Stimmung, der man auf den Alben ausgesetzt ist vermittelt. Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb man auf die Verwendung des Superlativs „Best of“ verzichtet hat; man hat für die CD zwar die Stücke ausgewählt, die den meisten Gehalt aufweisen, doch wäre eine Reduzierung des Schaffens auf diese Zusammenstellung doch ein wenig zu drastisch. Man sollte je nach persönlichem Empfinden sich jener Seite dieser Band annehmen, welche einem am meisten zusagt. Denn Möglichkeiten gibt es hier viele, von hart bis zart bietet das musikalische Werk der Gruppe nämlich für beinah jeden Musikgeschmack eine interessante Mischung.

Nett ist neben dem neuen Material von zwei zuvor unveröffentlichten Songs vor allem die ausführliche Band-Biographie, die im sechzig Seiten schweren Booklet zu finden ist, beinah wie das Textheft einer Opernaufnahme, nur sehr viel persönlicher und inniger. Hier kann man wieder einmal erkennen, dass sich dies mit der persönlichen Note in der Musik, der neu-romantischen Heideempfindung deckt.

Über erschreckend bis schwelgerisch, nach über 70 Minuten Anspannung und Entspannung kann der Hörer beinah wieder Annette von Droste-Hülshoff mit gesenkter Stimme vernehmen: „O schaurig war’s in der Heide!“

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna