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Elvaron: Ghost Of A Blood Tie

Prog Metal mit Klassik
Wertung: 7/10
Genre: Progressive (Thrash) Metal
Spielzeit: 63:58
Release: 11.04.2016
Label: Fantai'zic Productions

Moment mal, hatten sich Elvaron nicht vor ein paar Jahren kurz nach dem Release von „Gravitation Control System“ aufgelöst? Ja klar, die Recherche bestätigt das schnell, gar nicht mitbekommen, dass die Prog-Thrasher wieder aktiv sind. Tatsache ist, dass die ursprünglich schon 1993 gegründete Band eine im Nachhinein als Winterruhe zu bezeichnenden Pause von 2009 bis 2014 einlegte und nun mit dem mittlerweile fünften Studioalbum „Ghost Of A Blood Tie“ daherkommen.

Leicht haben es die aus Nancy kommenden Franzosen ihren Fans eh noch nie gemacht, und genau das kann man dann auch für dieses Scheibchen sagen – mehr Prog, mehr Gegniedel, mehr Klassik und: Noch immer ein Sängerproblem. Dabei geht man, beim weit mehr als sieben Minuten langen Opener „The Journey Within“ fast schon von einem Instrumentalalbum aus, schon mutig, solch ein sperrig langes Stück direkt an den Neustartanfang zu setzen. Schlag mich tot, wird der Klassik-Faktor mit einem Spinett auf die Spitze getrieben? Und ist da nicht auch ein Klarinett zu hören? Schon in der Einleitung wirkte es wie eine Mischung aus klassischen Klavierparts meets Richárd Clayderman. Wenn Elvaron auf Tour kommen sollten und einer unser Leser im Barockhemd vor der Bühne headbangt, der wird mit einer schönen Überraschung belohnt. Ansonsten ist es wie schon geschrieben schwere Kost, Doublebass-Attacken konkurrieren mit galoppierenden Klavierpartituren, schrille Leadgitarren schrauben sich zu Soliwichsereien hinauf und am Ende ist man doch ein wenig verblüfft, dass hier keine Italiener am Werke sind, da fehlt dann doch noch etwas an der Eigenschaft Schwülstigkeit (nur um mal schnell alle Vorurteile zu beliefern; Anm. d. Verf.).

„Silent Windows“ ist dann auch der erste Track mit Gesang, da wird dann schnell das eigentliche Problem der Franzosen deutlich: Gitarrist Matthieu ist wahrlich kein Sangesgott und sorgt bei den abwechslungsreichen, Klassik-getriebenen Songs für eine richtige Abwärtsspirale. Direkt in der Einleitung kann das Akkordeon durch Christelle Harau für einen ersten überraschenden Eindruck sorgen – ein Instrument, welches im Metal, egal welche Spielart, eher unterrepräsentiert ist, dazu die symphonischen Ausflüge, wobei die sakralen Chöre dem Song schon fast eine gereift geheilgte Atmosphäre verleihen.

Noch deutlicher wird Matthieus Defizit aber, wenn sich die Sängerin Laura Kimpe (ansonsten auch bei den Symphonic Progressive Black Metallern Akroma aktiv) in „A Price To Pay“ mit einklinkt und dem Storyprotagonisten nicht nur mitteilt, was zu tun ist, sondern ihren Mitstreiter auch noch ordentlich in seine Schranken verweist. Natürlich wird auch hier ohne Unterlass geprogt, bis die Saiten verdampfen, da ist ausreichend Platz für flirrende Soli, eingängige Passagen, abgedrehte Tastenfiguren und auch Keyboard- und Klampfenduelle.

Mit dem Rausschmeißer „The Man Who Wears My Face“ liefern Elvaron auch über 15 Minuten eine sehr gute Zusammenfassung der bisherigen Tracks, drängen aber den sonst ohrenhörlichen Klassikrahmen etwas in den Hintergrund und sind da etwas rifforientierter. Francois Thisy als Gastleadgitarrist ist dabei nur bedingt aus dem ganzen Gitarrengemisch zu vernehmen. Das jetzt schon gewohnte Prog-Brett schafft Spannung über die komplette Spielzeit, der nach dem ersten Drittel ruhige Part nur mit Klavier, Drums und Gesang stört weniger als befürchtet, da ist es eher schon „Distant Shores“ mit lediglich Gesang und Klavier, welches den Elvaron-Prog-Bann unterbricht, zumal Matthieu auch hier einfach nicht die Klasse besitzt, aus seinem Gefängnis von emotionalem „zu wenig“ auszubrechen.

Nein, leichte Kost liefern die Franzosen nicht aus, wie gehabt also, wenn man die älteren Scheiben des Quartetts kennt. Der Klassikeinfluss wird immer offensichtlicher und auch immer mehr herausgearbeitet, Keyboard bzw. Klavier spielen immer mehr eine dominante Rolle, die flirrenden Gitarren kommen nicht zu kurz und auch das breaklastige Drumgrundgerüst gehört sicherlich zu den Spitzenanwärtern, doch schlussendlich scheitert es am Gesang, denn da hat Matthieu einfach zu wenig Esprit und Potenzial.

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