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Eluveitie: Everything Remains (As It Never Was)

Ein - wenn nicht sogar DAS - Referenzwerk dieses Genres
Wertung: 10/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 52:32
Release: 19.02.2010
Label: Nuclear Blast

Die Schweizer Vorzeige-Folk-Metaller von Eluveitie haben dieses Jahr wieder ein Sahnestück aus ihrer Kreativ-Kiste gezaubert. Ihr Werk „Slania“ aus dem Jahr 2008 noch in den Ohren und vor allen Dingen noch in unmittelbarer Reichweite des CD-Players, verwöhnte die Band ihre Fans im letzten Jahr noch mit dem Akustikwerk "Evocation I: The Arcane Dominion". Und jetzt, da der Vollmond in der Zwischenzeit ungefähr zwölf weitere Male vom nächtlichen Himmel herabschien, kehren die acht MusikerInnen mit einem faszinierenden Studioalbum auf die Schlachtfelder zurück. 

Stimmungsvoller als mit dem Intro „Otherworld” kann man ein Album, das mitreißen soll (und wird, vertraut mir) nicht angehen. Eine Frauenstimme spricht ein paar Worte, dazu Klänge mit mächtig atmosphärischem Tiefgang, wie man es von cineastischen Leckerbissen besser nicht kennt, lassen die Vorfreude hochkochen.

Und dann passiert es: Die Schweizer hauen den Titeltrack “Everything Remains As It Never Was” raus. Man weiß nicht, was man zuerst tun soll: Bedingungslos mitbangen mit diesem auf die Fresse hauenden, toughen Rhythmus oder schwelgen in den grandiosen und filigranen Melodien, die einem hier ohne Unterlass um die Lauscher geballert werden. Engelsgleich die Frauenstimmen im Zwischenstück, aber keine Angst: man agiert ohne jegliche Kitschanleihen - ein einfach nur überwältigender Einstand in dieses Werk.

Etwas vom Gas geht die Band im anschließenden Midtempostampfer “Thousandfold”, dafür gerät man in Versuchung, den Refrain lauthals mitzugrölen. Die Flötenklänge geben dem Stück einen verspielten Charakter und nehmen so etwas von der Vehemenz, die von den Growls im Refrain ausgeht. Melodisch noch weitaus verspielter zeigt sich dagegen „Nil”, das beispiellos reinrassige Schwedentod-Klänge zusammen mit den Traditionsinstrumenten zu einem besonderen Klangerlebnis werden lässt. Die Flötenklänge verleihen dem Ganzen Leichtigkeit.

Die Eingangsmelodie des folgenden Stückes „The Essence Of The Ashes“ dürfte sich ziemlich schnell im Erinnerungszentrum des Hörers festsetzen. Merlins Arbeit an den Drums fällt in diesem Stück sehr positiv ins Ohr, da er hier sehr spielfreudig und abwechslungsreich agiert. Gerade im Refrain macht sich ein gewisser Hymnenfaktor breit. Ein weiteres Glanzstück schweizerischen Songwritings hat man hier vor sich, zu dem es sich hervorragend schunkeln und bangen lässt.

Das instrumentale „Isara”, in welchem eine Flöte von einer Akustikgitarre begleitet wird, ist ein wahres Meisterstück. Alles passt hier: Die sich im Verlauf des Stückes steigernde Dramatik und nicht zuletzt immer ausgefeiltere Verläufe sorgen für wohlige Schauer und wahre Wellen der Begeisterung. Für alle Fans keltischer Klänge ein wahrer Genuss. Schade, dass nach knapp zweieinhalb Minuten schon Schluss ist, das könnte man sich noch minutenlang weiter anhören.

Genug der ruhigen Töne, denn mit „Kingdom Come Undone“ ziehen Eluveitie wieder alle Register ihres Könnens und fahren ein Meisterstück auf. Chrigels kräftige Stimme im Gegensatz zu der filigranen Arbeit an den Flöten hat schon eine ganz besondere Magie, der man sich einfach nicht entziehen kann. Den düstersten, aber auch einen der überragendsten Songs des Albums bildet “Quoth The Raven”, denn hier findet sich etwas, das man sonst auf diesem Release nicht zu hören bekommt. Zu sehr in die Tiefe gehen will ich hier nicht, doch es sei gesagt, dass es sich um einen Gänsehaut erzeugenden Moment handelt. Ganz großes Kino! 

Einen Tacken getragenere Rhythmen weiß “[Do] Minion” zu bieten, wenn man diese Aussage rein auf den Refrain beschränkt. In den Strophen wird nämlich ganz ordentlich geballert. Grandios, wie dermaßen genial die traditionellen Instrumente zu den Metal-typischen  harmonieren. Das Instrumental „Setlon“ klingt nach dem dramatischen Vorgängersong fast schon eine Spur zu ausgelassen. Zudem ist hier als kleiner Makel anzumerken, dass das Stück auf seine Spielzeit betrachtet zu eintönig wirkt. Von der ersten bis zur letzen Minute bewegt man sich auf einem gleich bleibenden Level und vermag es leider nicht wie in dem anderen Instrumental „Isara“ durch eine stufenweise Steigerung Akzente zu setzen.

Feinste Schwedentod-Harmonien treffen in “Sempiternal Embers” wieder so erstklassig auf die traditionellen Instrumente, dass man sich einerseits verzaubert fühlt. Andererseits kann man sich aufgrund des treibenden Rhythmus nicht mehr an sich halten und verfällt in bedingungsloses Headbanging. Außerdem wird das Zwischenstück, das durch die Flöte dominiert wird, hervorragend in Szene gesetzt. Ein weiteres echtes Highlight unter all den Höhepunkten dieses Albums.

Wie die Dudelsack- und Flötenklänge sich in das harte, aber dennoch überaus melodische Gesamtklangbild des harmonischen Stückes „Lugdunon“ einfügen und Platz machen für ein E-Gitarren-Solo, ist sehr schön anzuhören. Das wie auch das Intro „Otherworld“ äußerst atmosphärsche “The Liminal Passage” bildet den instrumentalen Abschluss dieses furiosen Werkes.

Zu guter Letzt finden sich auf der Limited Edition des Albums noch einmal die beiden Bonustracks „Otherworld [Set]“ und „The Liminal Passage [Set]“, die qualitativ durchaus auch für sich allein sprechen.

Fazit: Eluveitie sind in Sachen Pagan Metal mit traditionellen Instrumenten ganz klar das Maß aller Dinge. Mit „Everything Remains (As It Never Was)” liegen den Schweizern die Fans zu Füßen und wer die Band noch nicht kennt, sollte diese Wissenslücke alsbald schließen, der einleitende Satz des Fazits spricht schlielich für sich.

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