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Eloa Vadaath: A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands

Ein harter Brocken
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 53:12
Release: 31.03.2010
Label: West Witch Records

Dass es sich bei Eloa Vadaath um ein sehr ehrgeiziges Projekt handelt, macht schon allein die Erklärung des Bandnamens deutlich: Eloa Vadaath ist einer der 72 Namen Gottes in der hebräischen Kabbala, genaugenommen bedeutet er „Der, der alles weiß und alles sieht“, wie uns das Label wissen lässt. Doch auch die genannten Einflüsse der Italiener lassen darauf schließen, dass es sich bei „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ um alles andere als leichte Kost handelt: Gleichermaßen von Progressive, Black, Death und Thrash Metal, wie auch von klassischer Musik sei man angetan, genauso wie von gregorianischen Gesängen. Kombiniert mit zunächst recht hochgestochen oder einfach nur seltsam wirkenden Titelbezeichnungen wie „A Murmuring Plight Of Nephilims“, „A Perverter Among The Kainites“ (soweit ich weiß, ist ein Kainit ein Mineral), „What Are You Seeing On Your Fork?“ (!) oder auch dem Titeltrack, lässt dies schlimme Befürchtungen aufkommen, man habe es hier mit einer Truppe zu tun, die zu viel auf einmal will und aller Wahrscheinlichkeit mit einem völlig überladenen und überambitionierten Konzept aufwartet.

Nun, ganz so schlimm ist das Endresultat sicher nicht, der erwartet schwer verdauliche Brocken ist es aber ohne Zweifel. Harte Gitarrenriffs stehen gleichberechtigt neben orchestralem Bombast, es wird mit Breaks en masse um sich geschmissen, auf Blastbeats folgen warme Orgelklänge – von Eingängigkeit sind Eloa Vadaath so weit entfernt wie England davon, ein zweites Mal Fußballweltmeister zu werden. Fest steht allerdings schon nach einem Durchlauf, dass es sich bei dem Quartett um brillante Musiker handelt: Keyboarder Riccardo Paltanin glänzt insbesondere am Piano mit Läufen zum Zungeschnalzen (bestes Beispiel: „What Are You Seeing On Your Fork?“) und auch was er an der gut integrierten Violine vom Stapel lässt, ist mehr als hörenswert – endlich mal einer im Metalbereich, der dieses Instrument wirklich beherrscht; wenn man dagegen das teilweise grauenvoll schiefe Gefiedel im Folk-Sektor anhört, ist das hier eine absolute Wohltat und spektakuläre Soloduelle zwischen Geige und Gitarre wie in „The Navidson Record“ oder „Coalesce Part II“ tun ihr Übriges, um den Hörer zu beeindrucken.

Und dennoch bleibt eben auch nach mehreren Durchläufen wenig hängen, dabei hat selbst eine hochkomplexe Band wie Dream Theater viele eingängige Momente. Allenfalls der Quasi-Opener „A Perverter Among The Kainites“ bietet etwas weniger komplexes und straighteres Riffing. Hervorzuheben sind sonst noch „Elysian Fields“, das sich mit seinem Wechsel zwischen Death Metal-Vocals und geheimnisvollem Wispern und dem sehr breiten Tempo recht stark von den übrigen Tracks unterscheidet (dabei jedoch ebenfalls nicht gerade das Prädikat „leicht zugänglich“ verdient) und das sehr gelungene Orchesterzwischenstück „The Temptation Chronicles“.

Trotzdem ist „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ zweifellos eine gelungene Scheibe geworden, auf der es sehr, sehr viel zu entdecken gibt – Kopfhörersessions seien auf jeden Fall empfohlen. Eloa Vadaath wollen ja auch kompliziert und komplex sein und anspruchsvolle Musik machen und dafür muss man sich eben Zeit nehmen. Allein ein nur fünf Minuten langes Stück wie „Uncontamined“ beinhaltet so viel: Hier meint man Symphony X herauszuhören, da Opeth, und dann hat man plötzlich das Gefühl, es mit Frank Zappa auf Death Metal zu tun zu haben. Auf der anderen Seite droht dem Vierer der rote Faden beim Songwriting manchmal doch zu entgleiten; so mutet „Towers Of Silence“ zum Beispiel doch ein wenig zu wirr an.

Woran es noch zu arbeiten gilt – außer bei allen Ambitionen eben vielleicht daran, zumindest ein bisschen mehr Wiedererkennungswert in die Songs zu legen –, sind die Vocals. Die Texte sind sowieso schon mindestens so schwierig wie die Musik, da könnte Frontmann Marco Paltanin schon etwas an Akzentuierung und Abwechslungsreichtum seiner Growls arbeiten und auch der cleane Gesang klingt des öfteren sehr bemüht. Ansonsten sollte jeder Vollblut-Progger, der neue Herausforderungen liebt, mit Freude an diese Scheibe herangehen, alle anderen sollten vorher lieber mal reinhören, die komplexen Songstrukturen dürften bei vielen, wenn nicht auf Verwirrung, möglicherweise gar auf Unverständnis stoßen.

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