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Elend: A World In Their Screams

Außergewöhnliches, mit farbloser Schönheit beeindruckendes Werk
Wertung: 5/10
Genre: Dark Ambient, Neo-Klassik, Darkwave
Spielzeit: 57:18
Release: 20.04.2007
Label: Prophecy Productions

Abstrakter Expressionismus, der auf Extrema setzt, nicht in der Singularität von Lautstärke verschwindend oder mit Dissonanzen schockend. Der Anspruch ist, dem Hörer nicht einfach Neues zu bieten, sondern vielmehr seine Hörgewohnheiten zu definieren. Alles, was man vorher gehört hat, ist anders und nach einer Stunde dieser Geräusch- und Klanggewölbe wird man sich bewusst, wie sich Ästhetik, Emotion und Struktur für einen selbst definieren.

Denn mitten in diesen dichten Kompositionen von klassischen Instrumenten und Gesang, elektronischen und klangmalerischen Geräuschen ist man weder an Rhythmus oder Harmonie gebunden, kann sich bewusst werden, was der eigene Geist an Musik schätzt. Dies heißt natürlich auch, dass man, sobald man sich dessen habhaft wird, dies Album entweder liebt oder hasst. Das Hören an sich ist schon die Erfahrung wert, denn anders als bei Arnold Schönberg, Alban Berg oder Karlheinz Stockhausen werden hier ernste Formen der Neuen Musik mit Elementen aus Industrial und Noise verbunden.

Der musikalische Ausdruck ist bei diesen avantgardistischen Richtungen sehr gleich, die Intentionen meist jedoch verschieden. Trotzdem ist die Symbiose von expressionistischer, extremer U- und E-Musik hier gut gelungen und man kann diese Tiefe der atonalen Gebilde mit einer klaren Aussage erleben. Brutalität und Verwirrung, nicht Anerkennung des Unästhetischen steht als Konzept im Vordergrund.

Doch hat das französisch-österreichische Ensemble nicht nur Geräuschberge aufzubieten, sondern auch einen ebenso beeindruckenden Orchester-Sound und virtuose Gesangsblitze. Das wirklich Beeindruckende dabei ist halt nur, dass dies alles nicht im Computer generiert wurde, sondern man für die Aufnahmen über 30 Musiker und Sänger zusammengetragen hat. Die aufgebaute Tiefe erhält hierdurch einen immensen Zuwachs an Intensität, und man spürt die Tragweite und das bedrückende bis beeindruckende Gewicht in jedem Titel der extravaganten Scheibe.

Fazit: Und ich glaube, genau darin liegt das Problem: Man wird eine Stunde lang auf dem Amboss der Klänge auf seine Härte und Formbarkeit hin untersucht, wird bearbeitet von eindringlich herabsausenden Orchesterschlägen und bohrenden Nadeln aus Krach. Die Musik ist nicht unüberlegt, sondern wohl durchdacht, dennoch ist es ein harter Brocken, der sich nicht eignet, um dabei Abzuwaschen oder zu Bügeln. Ein Waldspaziergang oder eine Bahnfahrt sind eher als Rahmen für dies außergewöhnliche, mit farbloser Schönheit beeindruckende Werk passend, denn um diese beinah unwirkliche Atmosphäre zu realisieren, bedarf es einer ruhigen Stunde Zeit und eines widerstandsfähigen Gemüts.

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