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Elane: Lore of Nén

Eines der schönsten, einfühlsamsten, träumerischsten und stärksten Album
Wertung: 9.5/10
Genre: Atmosphärischer Dark Folk
Spielzeit: 67:58
Release: 22.09.2006
Label: Distinct Music

Verträumte Landschaften, die umgeben sind vom satten Grün der Wiesen und Wälder. Prächtige Berglandschaften, die sich in den klaren Seen widerspiegeln. Dazu eine berauschende Kulisse von Klängen, die deren Bewohner von sich geben: Elfen tanzen mit dem Wind. Kleine Kobolde treiben ihren Schabernack mit den noch verschlafenen Mitbewohnern des tiefen Waldes... Und wenn man ganz genau hinsieht (und zuhört) erscheinen einem die traumhaften Sagenwelten Tolkins realer denn je.

Ja, richtig: Die ursprünglich aus dem Sauerland stammenden Dark-Folk Überflieger von Elane sind zurück. Und mit ihnen ebenfalls wieder dieser wunderschöne und sinnliche Rausch aus traditionellen Folk-Elementen, zu Herzen gehenden Melodien und eine unnachahmliche “Der Herr der Ringe“ - Atmosphäre. “Lore of Nén“ ist das offizielle zweite Fulltime Werk der fünfköpfigen Formation um Leadsängerin Joran Elane. Und jenes reiht sich auch nahtlos in den Erzähl- und Geschichtsrhythmus ein, der einst mit der Demo-CD “Der Nachtwald“ von 2001 begann. Doch mittlerweile sind die Feuer von Glenvore (“The Fire of Glenvore“, 2004) erloschen und die abenteuerliche Reise unserer Helden beginnt erneut.

Ein beschwerlicher Weg steht nun an, der vor allen Dingen auch Abschied zu nehmen bedeutet und sich mit dem „Fluss des Lebens“ tragen zu lassen. Dies ist nämlich die doppeldeutige Bezeichnung des Titels “Lore of Nén“, was übersetzt soviel bedeutet wie “Die Sage des Wassers“ (Lore = engl. für „Sage“ und „Nén“ stammt direkt aus der Tolkienschen Sprachwelt der Elben namens Quenya und bedeutet „Wasser“). Somit wird beim vorliegenden “Lore of Nén“ die Verknüpfung von Sagen, phantastischen Welten, Mystik und menschlichen (Weiter-)Entwicklungsstufen noch deutlicher und greifbarer zum Vorschein gebracht. Bestach seinerzeit “The Fire of Glenvore“ insbesondere durch seine stillen und atmosphärisch-dunklen Orchestertöne, so wuchs man in “Lore of Nén“ in eine sanfte Entwicklungsphase hinein, die doch deutlich weniger dunkel und melancholisch anmutet. Eher machte man nun kleine und subtile Schritte in Richtung „Weltmusik“, die aber dennoch meilenweit von einem sogenannten Massenhörgenuss entfernt ist.

Elane wirken in den insgesamt 68 Minuten Spielzeit des Albums reifer, erwachsener und abwechslungsreicher denn je. Ohne dabei aber jemals Gefahr zu laufen, sich in ihren opulenten Orchester- und Darkfolk-Arrangements zu verzetteln! Deutlich macht einem dies bereits schon der eigentliche Eröffnungssong “The Night I left“, welcher eine atemberaubende Zauberwelt zu öffnen scheint und einen als Zuhörer sogleich sanft für sich einnimmt. Joran´s Stimme ist wirklich elfenhaft: Zärtlich, verführerisch und so voll unendlich lodernder Wärme...

Klanglich komplexe Gefilde betritt man sogleich in dem schicksalsträchtigen Song “On And On“, in dem Joran´s nun eher nachdenklich (und voller Zweifel) anmutende Gesangstimme von einem tiefen, männlichen Stimmorgan begleitet wird... Gänzlich neue Wege betritt man in “Lore of Nén“ auch in textlicher Hinsicht: So wird mit “Licht“ erstmals ein Liedgut in deutscher Sprache präsentiert, welches einen musikalischen Brückenschlag zwischen akustischen und traditionell-kraftvollen Folk-Elementen Irlands widerspiegelt. Mystisch-orchestral und sinnesbetörend geht es sogleich auch weiter mit einem der schönsten und besten Stücke des Albums: “Nen Ar Tasar“ (= “Das Wasser und die Weide“) ist eine Ballade in bilingualer Gesangsprache. Für den menschlichen (englischsprachigen) Part zeichnet sich wiederum Joran verantwortlich, während man für die Passagen in quenyanischer Sprache die Sopranistin Neniel Tindòmerel gewinnen konnte, welche eine ebenfalls erstklassige Gesangleistung darbietet.

Dass aber auch filigran eingesetzte Elektrogitarren im folklorischen Genre ihr Dasein haben können (hier im Zusammenschluss mit Violinen, Akustikgitarre und anderer „handgemachter Musik“), beweist hingegen das experimentelle “Love Can´t Wait“. Einigen hier dürfte dieser Song bereits bekannt vorkommen, schließlich war er schon als Vorbote zu “Lore of Nén“ auf der gleichnamigen EP zu hören, die bereits Ende des Jahres 2005 erschienen war.

Freunde der tiefgründigen, orchestralen Musik auf rein instrumentaler Ebene werden hingegen mit “Journey“, “Celeste“, “Levitation“, “Tanz“, “Pale Sea“ und “Calad Vallen“ ein ganz besonderes Feuerwerk erleben: Sämtliche Gefühlsmomente- und -augenblicke seiner erzählten Akteure stehen hierbei als sogenannte „Seelenspiegel“ Pate. Ein schier unerschöpfliches Netz aus Mut, Glaube, Hoffnung, Tränen und Freundschaft erstreckt sich über diese „Zwischenstücke“, die einen noch tiefer in die besungenen Welten eintauchen lassen.

“Eyes Of A Stranger“ wird erstmals auf poetischer Ebene zwielichtig und Verunsicherung schleicht sich sogleich bei den besungenen Helden ein. Doch ein heller Stern (welcher zugleich vielschichtig interpretierbar ist), “My Brightest Star“, führt sie wieder sanft und voll heilender Momente auf den richtigen Weg zurück. Und was am Ende bleibt, ist das unbezahlbare Wissen um sein Tun und seinen Weg, den man Zusammen und zugleich doch auch jeder für sich selbst zurückgelegt hat. Denn hier in der neuen Heimat (der Track “One With Lunnight“, welcher eine atemberaubende Neuaufnahme vom längst vergriffenen “Der Nachtwald“ darstellt) gilt es nun, sich erneut zu beweisen und sich selbst zu finden. Die Reise endet hier vorerst.

Und nun sollte ich auch noch ein paar passende Abschlussworte finden. Aber im Grunde wurde doch schon alles gesagt, was zu sagen verbleibt: “Lore of Nén“ ist unbestritten eines der schönsten, einfühlsamsten, träumerischsten und stärksten Album, die ich dieses Jahr in den Händen halten durfte! Elane haben mit “Lore of Nén“ ein komplexes (aber niemals überladenes!) Meisterwerk geschaffen, dessen Wege durch fremde und zauberhafte Landstiche insbesondere auch Liebhaber von Impressions of Winter, Dead can Dance und Noekk begeistern wird. Einfach Weltklasse!

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