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Ektomorf: Retribution

So klingt vertonte Wut
Wertung: 9/10
Genre: Neo Thrash Metal
Spielzeit: 45:20
Release: 31.01.2014
Label: AFM

Ektomorf schlagen wieder zu. Nach der gehissten schwarzen Flagge holen die Ungarn nun zum Vergeltungsschlag aus. Zoli hat vorab angekündigt, dass das Album wieder weiter in die Richtung der Alben „Instinct“, „Destroy“ und vor allem „Outcast“ gehen soll. Da darf man gespannt sein, denn ähnliche Töne gab es auch schon vor „Black Flag“. Zuletzt hatten Ektomorf vor allem mit Ideenreichtum („The Acoustic“) und einem erweiterten Blickwinkel in Sachen Songwriting überzeugen können. Der Biss der großen Bandklassiker konnte allerdings nicht so ganz wieder erreicht werden. Im neuen eigenen Tonstudio und mit Langzeitproduzent Tue Madsen sollte diese Aufgabenstellung bewältigt werden.

Eine wichtige Veränderung gab es schon vorab. Gitarrist Michael Rank hat die Band wieder verlassen und Tomi Schrottner ist zurück an der zweiten Klampfe. Inwieweit sich das aufs Songwriting auswirkt, ist allerdings nicht zu klären, denn Zoli schreibt die meisten Sachen im Alleingang. Das hört man zumindest immer wieder.

Der Sound hat sich deutlich an „Outcast“ angenähert. Alles klingt roher, wütender und unberechenbarer als zuletzt noch. Vor allem die Gitarren sägen wieder deutlich mehr und rücken auch wieder einen Schritt weiter nach vorne. Dafür musste der Bass Federn lassen. Er ist bei weitem nicht mehr so dominant als noch auf „Black Flag“.

Was sich Ektomorf auch auf der neuen Platte nicht nehmen lassen, ist die Freiheit zu experimentieren. Bestes Beispiel hierfür ist der durchaus gelungene Titel „Collapsed Bridge“. Die akustische Nummer führt das Vermächtnis von „Black Flag“ fort und zeigt deutlich, dass sich Ektomorf auf keinen Fall einfach so auf einen Stand von 2004 oder 2006 zurücksetzten haben lassen. Auch „Retribution“ ist eine Entwicklung vorwärts, das sollte man nicht vergessen.

Mit Ausnahme dieser letzten Nummer kracht die Musik auf dem Silberling aber ins Gehirn wie ein Dampfhammer. Das geht schon brachial mit dem Opener „You Can’t Control Me“ los und setzt sich in wuchtig stampfender Form mit „Face Your Fear“ fort. Richtig aggressiv wird es dann mit „Escape“. Fast in der Manier von „Instinct“ plärrt Zoltán den Text zu einem sehr schrägen Gitarrenriff ins Mikrofon. Dabei liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf dem Rhythmus, weniger auf der Melodie.

Einen besonderen Gast gibt es auch zu hören. Beim Song „Numb And Sick“ ist Ill Nino-Sänger Cristian Machado mit am Start und unterstützt Zoli im Chorus. Der Song kann sehr überzeugen und würde glatt durch die Decke gehen, wenn er vom folgenden „Lost And Destroyed“ nicht wieder eingebremst werden würde.  

Ektomorf liefern mit „Retribution“ ein fettes Album ab, welches die Band wieder näher am Boden, ja erdiger, zeigt. Der Sound ist wieder organischer und die Songs treffen zu einem Großteil wieder eher das Herz als das Hirn. Wenn man die Band bisher mochte, dann kommt man an der neuen Scheibe gar nicht vorbei und wenn man sie nicht mochte und auf (Neo-)Thrash steht, dann sollte man zumindest ein Ohr riskieren. Es wird sich lohnen.

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