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Ekpyrosis: Ein ewiges Bild

Gegensätze, die sich nicht anziehen
Wertung: 5/10
Genre: Black / Doom Metal
Spielzeit: 40:56
Release: 13.12.2010
Label: Zeitgeister Music

Auf Zeitgeister Music ist normalerweise immer Verlass. Ein kleines Label mit einem ausgesprochen familiären Charakter, der sich darin manifestiert, dass zum Beispiel der Schlagzeuger von Gruppe A Gitarre in Gruppe B spielt, der Sänger von Gruppe X wiederum Bass bei Gruppe Y und so weiter. Die Kunst aber liegt darin, dass trotzdem stets Wert auf Abwechlungsreichtum, starkes Songwriting und erdige, aber durchschlagskräftige Produktionen gelegt wird. Übrigens erkennt man ohnehin schon am völlig eigenen Sound, ob es sich um eine Zeitgeister-Combo handelt. Dennoch: Ausnahmen bestätigen die Regel, und so muss man beim zweiten Output „Ein ewiges Bild“ von Ekpyrosis (DE) leider konstatieren, dass der sonst so hohe Zeitgeister-Standard diesmal nicht gehalten werden kann.

Wer sich hinter der Band verbirgt und ob auch hier wieder die üblichen Verdächtigen, die auch bei Klabautamann, Valborg, Island, Woburn House, Gruenewald oder Slon ihr Unwesen treiben, am Start sind, lässt sich indes nicht sagen, da man sich im Hause Ekpyrosis in Sachen Line-up bedeckt hält und hierzu keine Angaben macht – weder im Booklet, noch im Infoschreiben oder auf der Label-Homepage. Diese Anonymität nutzt man allerdings, um mit teils recht drastischen Texten aufzuwarten und sich darüber auszukotzen, was einen so alles anpisst: „Gesichter aus Scheiße, ich mache es euch nicht recht, ihr Wichser. Spuckt es an! Schlagt es kaputt! Brennt es nieder!“ heißt es beispielsweise im sechsten Track (Titelbezeichnungen gibt es keine), oder noch deutlicher im achten: „Fick dich und deine Kritik. Fick dich und deine Meinung. Ich höre sowieso nicht hin.“

Angesichts des letztgenannten Zitats wird es denjenigen beziehungsweise diejenigen, der/die hinter Ekpyrosis steckt/stecken, natürlich wenig interessieren, dass ich von der Scheibe bei weitem nicht so begeistert bin wie sonst bei Outputs des Bonner Ausnahmelabels. Dennoch sind es nicht die Texte (jedenfalls nicht nur), die zu einer niedrigeren Bewertung führen, zumal durchaus auch poetischere Zeilen vorhanden sind (was zu einem in lyrischer Hinsicht sehr obskuren Gesamtbild führt), sondern vor allem die fehlende musikalische Stimmigkeit und songschreiberische Qualität, und des weiteren der wirklich sehr grenzwertige Gesang, an dem sich definitiv die Geister scheiden werden.

Letzteres war bereits auf dem ersten Album „Mensch aus Gold“, welches aus einem einzigen Stück von 32 Minuten bestand, der Fall, wo die Vocals allerdings stark in den Hintergrund gemischt und mehr oder weniger gesprochen waren, während „Ein ewiges Bild“ zu einem Großteil von unästhetischem Gebrüll, das entfernt an Tom Gabriel Fischer erinnert, jedoch wesentlich unbeholfener herüberkommt, gekennzeichnet ist. Natürlich ist das so gewollt (an dieser Stelle sei noch einmal auf die entsprechenden Textpassagen hingewiesen), aber zumindest für meine Wenigkeit sehr störend. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass des öfteren auch cleane Vocals auftauchen, die zu gefallen wissen – besonders die geradezu sakralen Gesänge am Ende des dritten Tracks sind äußerst gelungen.

Was das Musikalische und Songschreiberische anbelangt, so ist das Bemühen um Abwechslung zweifellos erkennbar; das erste Album war recht klar naturverbundenem, epischem Black Metal mit Querverweisen auf Acts à la Wolves In The Throne Room zuzuordnen, doch auf „Ein ewiges Bild“ finden sich dazwischen sehr doomige und bedrohliche Passagen – erneute Reminiszenzen an Celtic Frost und Triptykon werden beispielsweise in der ersten Hälfte des Openers und im vierten Track wach. Und doch will das Ganze irgendwie nicht recht zünden und plätschert häufig vor sich hin, was zu einem erheblichen Anteil an dem nervigen gutturalen Gegurgel liegt, das in Verbindung mit den platten Textpartien einen immensen Kontrast zu den poetischeren Momenten und dem Cleangesang bildet, der jedoch leider keine Symbiose nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ bedeutet, sondern eher einen Gegensatz der Marke „das beißt sich und passt gar nicht“. Sämtliche atmosphärische Ansätze werden daher unglücklicherweise schnell zunichte gemacht. Diese Tatsache allein lässt die Platte noch „irgendwie seltsam“ erscheinen, doch dummerweise versinkt die zweite Hälfte des Albums trotz allen Bemühens in der Belanglosigkeit – das Riffing ist austauschbar, die Songs langweilig, was einem Abstieg von „seltsam“ zu „uninteressant“ gleichkommt.

In gewisser Weise bedeutet dieser zweite Output sicherlich eine Weiterentwicklung, weil er ungeachtet des halbgaren Songwritings musikalisch facettenreicher ausgefallen ist und besser produziert wurde als das Debüt. Dennoch fand ich „Mensch aus Gold“ in sich stimmiger, charmanter, atmosphärischer und lyrisch ansprechender. Handwerklich gut gemacht ist „Ein ewiges Bild“ trotzdem, und wer auch immer hinter dem Projekt steckt, wird ja sowieso einen feuchten Furz um das Geschreibsel, das ich hier vom Stapel lasse, geben.

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