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Eisregen/Goatfuneral: bitterböse

Blut, Gedärme, vertonter Menschenhass - wie sonst sollte man das Wochenende einläuten?
Wertung: 8/10
Genre: Extreme Metal, Black Metal
Spielzeit: 47:42
Release: 18.06.2021
Label: Massacre Records

Im Jahre 2021, in dem ein junger Mensch wegen eines Stück Stoffs im Gesicht erschossen wird, können Eisregen mit ihrer willkürlich anmutenden Grausamkeit kaum noch jemanden hinterm Ofen hervorlocken. Viel Blut und Gedärm haben Fans der Band in den letzten Jahrzehnten aus dem Gehörgang entfernt, da schockt einen so schnell nichts mehr.

Angemerkt sei aber: Musikalisch hat Herr Roth immer noch einiges in petto, und bietet dies im vorliegenden Format sogar gleich doppelt – in der bekannten Extreme-Metal-Konstellation sowie in der vergleichsweise jüngeren Black-Metal-Formation Goatfuneral, deren Sänger er ebenfalls ist; da auch Eisregen-Drummer Yantit bei der Ziegenbeerdigung anwesend ist, mag man nun über die Daseinsberechtigung streiten – das kann man aber auch nur, solange man die „bitterböse“ Split noch nicht angehört hat. Musikalisch differenzieren sich nämlich beide Truppe nicht nur erfreulich voneinander (was ja bei übereinstimmenden Bandmitgliedern schon mal auch schwierig werden kann), beide Bands sind auch noch verdammt gut anzuhören.

Die Diskografie von Eisregen hier zu besprechen, würde sicherlich den Rahmen sprengen; anmerken kann man hier nur, dass seit 1995 kontinuerlich Veröffentlichung auf den Metalmarkt geblasen werden. Teilweise indiziert, aber alle von den Fans gefeiert. Goatfuneral wiederum sind zwar bereits 2006 aus dem Grabe gehoben worden, haben aber mit „Bastion Lucifer“ tatsächlich erst eine Full-Length zustande gebracht.

Genug der Eckdaten, widmen wir uns der Musik: Eisregen starten mit „Sei mein Totenlicht“ fast schon überraschend groovig, textlich wie gehabt irgendwo zwischen Sadismus und Psychopathie, anderes darf man von M. Roth aber vermutlich auch nicht erwarten, und seien wir ehrlich: Der Mann macht das einfach gut. Den Mitklatschpart hatte man da so nicht erwartet, zum Song passt der aber erstaunlich gut. Geradezu pompös und mit ordentlichem Doom-Einschlag tropft „Ein Pfund Fleisch“ durch die Gehörgänge, im Gegensatz dazu wirkt das abgrundtief fiese „Heute ist Krüppelnacht“ wie eine Rasierklinge im Auge.

Bevor Goatfuneral das blutige Zepter übernehmen dürfen, lassen Eisregen mit „Am Ende“ die erste Hälfte der Split erstaunlich gediegen ausklingen, handelt es sich hierbei doch um ein Instrumentalstück – mit dem Opener „Hellfire Club – For Members Only“ können die Ziegen dann noch nicht so richtig Boden gut machen, beim deutlich rasanter angelegten „A Spoon Full Of Peace“ wird dann aber die Nackenmuskulatur dauerhaft ordentlich beansprucht. Mit gerade mal einer halben Minuten schlägt „Antisocial East-German Black Metal“ zu Buche, zerdeppert in dieser kurzen Zeit aber kurzerhand die mühsam wieder aufgestellte Inneneinrichtung. Allerdings: So ganz zu Eisregen aufschließen können Goatfuneral nicht. Eine Spur zu gleichförmig kloppt man sich durchs Unterholz, trotz schleppend-doomiger Hassklumpen à la „Dunkeldeutschland“ (in dem sogar eine Cowbell vorkommt, hätte man ja bei Eisregenmitgliedern auch nicht unbedingt gedacht).

Unterm Strich macht „bitterböse“ aber schon allein wegen der unmöglichen Menge an Blut, Gedärmen und nackter Menschen Spaß, die sich da allerlei gefallen lassen müssen. Fans von Eisregen werden hier wieder voll auf ihre Kosten kommen, die Goatfuneralsongs funktionieren auch alleine ganz gut und Sammler haben hier sicherlich eine interessante Veröffentlichung für das heimische Regal.

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