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Eisregen: Schlangensonne

Weniger Splatter, mehr Härte
Wertung: 8.5/10
Genre: Dark Metal
Spielzeit: 52:36
Release: 30.04.2010
Label: Massacre Records

Nach 15 Jahren veröffentlichen die kontroversen Dark Metaller nun mit „Schlangensonne“ ihr mittlerweile achtes Studioalbum – eine Zeit, in der die Band mit ihren oft makaberen und Splatter-lastigen Texten polarisierte und sogar die Indizierung von drei Alben hinnehmen musste. Zwar wird auf die ganz großen Grausamkeiten auf der neuen Scheibe bis auf wenige Ausnahmen größtenteils verzichtet, trotzdem bleiben Eisregen ihrer Linie jedoch treu und bieten auch dieses Mal nicht viel Stoff für Zartbesaitete.

Musikalisch hat man keine allzu großen Änderungen vorgenommen, jedoch wurde der mit „Knochenkult“ eingeschlagene Kurs konsequent weiterverfolgt – die Songs haben hörbar an Härte zugelegt und auch das Keyboard erhält in den meisten Fällen lediglich eine unterstützende Rolle. Die Folge ist, dass die Black Metal-Wurzeln der Formation wieder öfter aufblitzen und dem Album stellenweise richtig Biss verleihen. Trotzdem ist die CD dank der Gothic-Anteile verhältnismäßig noch sehr melodisch, Keyboard-lastige Passagen reduzieren den Extrem-Metal immer noch häufig zugunsten eingängiger Melodien – auch der zwar recht limitierte, aber sehr charakteristische Klargesang erhält neben dem wütenden Gekeife immer noch seinen festen Platz.

Gleich der Opener „N8Verzehr“ zeigt viele Facetten der Band: Nach einem Horrorfilm-artigen Intro, das gleich zu Anfang eine makabere Atmosphäre erzeugt, wird mit Riffs losgelegt, die glatt aus der Neuen Deutschen Härte stammen könnten, bevor ein Black Metal-Inferno zu einer melodiösen Klavier-Passage samt Klargesang überleitet. Textlich bietet das Stück eine der typischen morbiden Horror-Geschichten Eisregens – erzählt wird das grausige Treiben eines Ehepaars, das nachts Kinder verspeist. „Blute Aus“ steht dann für die erwähnten Black Metal-Anteile und verzichtet ebenso wie „Ernte Den Untergang“ auf klaren Gesang und auch weitgehend auf Keyboards – alte Fans dürften sich hier äußerst wohl fühlen. Auch textlich hält man sich in den erwähnten Songs nicht allzu sehr zurück und präsentiert in manchen Textzeilen einige sehr unappetitliche Details, wie man sie auf Alben wie „Wundwasser“ zuhauf fand.

Musikalisch eher dem typischen Muster Eisregens zuzuordnen sind „Auf Ewig Ostfront“ und „Das Allerschlimmste“: Mit viel Keyboard-Einsatz kommen die Stücke als melodischer Dark Metal daher, wobei auf cleane Vocals dieses Mal verzichtet wird. Anders als bei vielen Genre-Kollegen gelingt die Mischung aus Melodie und Härte bei Eisregen jedoch hervorragend, so dass insbesondere erstgenanntes Stück voll und ganz überzeugen kann. Während sich dieses mit dem in der Bandhistorie immer wieder auftretenden Thema Krieg beschäftigt, zeigt „Das Allerschlimmste“ die humorvolle, jedoch pechschwarze Seite der Band – die anscheinend einem Todfeind gewidmeten Zeilen lassen den Hörer immer wieder unwillkürlich grinsen, wenn die gewünschten Sterbeweisen für den Gehassten augenzwinkernd vorgetragen werden. Eisregen-Anhänger haben vermutlich schon immer bemerkt, dass die Texte des Schlachtwerks nicht so stumpf und platt sind, wie sie gerne in den Medien dargestellt werden, dieses Mal aber hat die Band einen Kandidaten auf dem Album, der dies umso offensichtlicher deutlich macht. Nicht nur die musikalische Ebene von „Kai Aus Der Kiste“ ist bemerkenswert, da hier ein elektrolastiger Metal/Rock-Hybrid zu bewundern ist, der mit einem Ohrwurm-Refrain aufwartet, sondern auch im lyrischen Bereich verzichtet man dieses Mal vollständig die gewohnte Vorgehensweise und übt auf – so viel sei vorweggenommen – recht subtile Weise Sozialkritik.

Auch ansonsten finden sich auf „Schlangensonne“ noch kleinere Experimente, so hat die Serienkiller-Story „Linkshänder“ beispielsweise einen starken Thrash-Einschlag, während das mit einem ebenso kritischem wie unappetitlichem Text über die Feeder-Szene versehene Stück „Zauberelefant“ geschickt ruhige Passagen samt Flötenmelodien mit härteren Teilen verknüpft. Zum Abschluss greift man mit dem Titelstück die in „Stahlschwarzschwanger“ verwendeten symphonischen Elemente wieder auf und erschafft so ein episch angehauchtes Stück mit mystischem Text. Auf der limitierten Version des Albums findet sich zudem noch der Bonustrack „Brustfetichrist“ – Eisregen wären nicht Eisregen, wenn sie sich nicht noch eine kleine Überraschung für diese Position überlegt hätten. Dieses Mal wird ein recht harter, Death Metal-lastiger Song mit humorvollem Text geboten, der sich auf äußerst unterhaltsame Weise mit dem Album-Cover beschäftigt.

Wer Eisregen schon vorher nicht mochte, wird auch „Schlangensonne“ nicht mögen, denn die üblichen Trademarks wurden auch dieses Mal beibehalten – Anhänger der Band erwartet jedoch ein sehr starkes neues Werk der Thüringer, das auch Fans der älteren Scheiben aufgrund des erhöhten Härtegrades durchaus zusagen könnte. Obwohl größtenteils alles beim Alten geblieben ist, wagt man auch bei diesem Album einige Experimente wie „Kai Aus Der Kiste“, die für Abwechslung sorgen und gut funktionieren. Nichtkenner der Band können hier ruhig auch einmal reinhören, denn „Schlangensonne“ ist ein Musterbeispiel für ein gelungenes Album der provokanten Truppe – kaum eine andere Band aus dieser Richtung schafft es, Extrem-Metal so gekonnt mit melodischen Anteilen zu verbinden.

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