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Eisregen: Rostrot

Wo Eisregen draufsteht, ist auch Eisregen drin
Wertung: 8/10
Genre: Extreme Metal
Spielzeit: 49:17
Release: 09.12.2011
Label: Massacre Records

Über Eisregen kann man sich streiten, bis man heiser ist oder einem die Argumente ausgehen (und auch darüber hinaus). Fakt ist aber, dass die Herren und die Dame inzwischen schon rasant auf die zweite volle Dekade ansteuern und auch live immer noch einiges draufhaben. Erst zum närrischen Paukenschlag am 11. November konnte die Schreiberin dieser Zeilen sich auf dem New Evil Festival V davon überzeugen, dass Meister „Blutkehle“ trotz ergrauender Mähne noch immer zu den besten deutschen Sängern im Extrem Metal gezählt werden muss; Eisregen feuerten Song um Song ab und lieferten ein feines Kontrastprogramm zum unnötigen Faschingssuff.

Auf eben jenem Konzert wurde auch das neue, mittlerweile neunte Album „Rostrot“ herausgekramt und als exklusives Pre-Listening nach der Show abgespielt. Live gab es den ersten Song „Madenreich“ zu hören, der schon einiges versprach, dabei findet sich auf der Platte aber auch der ein oder andere versteckte Glanzpunkt, beispielsweise im finalen Titeltrack, der zwischen Atmosphäre und Raserei pendelt und so zwangsläufig den Reigen der Anspieltipps beendet. 

Die letzten Alben „Blutbahnen“, „Knochenkult“ und „Schlangensonne“ kamen in der Redaktion durchweg gut weg, erzielten alle acht Punkte oder mehr, und das, obwohl die Platten von drei verschiedenen Redakteuren bewertet wurden; ein weiteres Beispiel dafür, dass sich nur wenige Metalliebhaber dem schwarzen Humor der Combo entziehen können. Der offensichtlichste Scherz auf der Scheibe findet sich in Form des Songs „Kathi das Kuchenschwein“ (namentliche Übereinstimmungen mit der Rezensentin sind übrigens rein zufällig, da sie im Normalfall weiß, wie man Kuchen optisch ansprechend isst). Fette Menschen werden hier mal wieder gnadenlos niedergemacht („Wer kommt denn da zur Tür herein? Ist das wirklich noch ein Mensch oder doch ein fettes Schwein?“), aber das alles ist nicht etwa auf dem Mist des Texters gewachsen; nein, Gott selbst hasst fette Kinder ebenfalls und die Menschheit im Allgemeinen sowieso. Über den Nettigkeitsfaktor des Songs braucht man gar nicht debattieren; so oder so findet sich hier mit Sicherheit die erste Provokation der Platte.

Dass Eisregen nicht nur provozieren können, sondern auch durchaus (immer noch) songwriterisch und in puncto Arrangements einiges in petto haben, beweist die Kombination der beiden ersten Tracks „Erlösung“ und „Schakal – Ode an die Streubombe“. Ersteres ist ein sehr ruhiges, aber unheimlich eindringliches Keyboardintro mit gesprochenem Text, das sich fast zweieinhalb Minuten dahinschleicht, bis „Schakal“ über den Hörer hereinbricht. Eine bessere Vertonung des Vietnamkrieges hat es wohl im Metalbereich nie gegeben, zumindest die rasanten Gitarren und das Schlagzeug beschwören fast schon den Wahnsinn der Schlacht herauf; Textzeilen wie „Ich kam im Sturm und habe den Tod gleich mitgebracht“ tun da ihr Übriges, um eine dicke Gänsehaut zu zaubern.

„Blutvater“ zeigt sich dann in etwas älterer Eisregen-Manier, man schreddert fies drauflos, flechtet aber im Hintergrund immer wieder melodische Keyboardpassagen ein, die ein wenig an die früheren Alben wie „Leichenlager“ erinnern. Ein schöner Track, bei dem auch die stimmliche Doppelgewalt aus gesprochenem und gekeiftem Text gut zur Geltung kommt. „Fahles Ross“ besticht dann vor allem durch die ungewöhnlich warmen Gitarren, haben Eisregen doch sonst eher sterilere Sounds im Gepäck.

Ein Fazit zu ziehen gelingt einem, wie bei fast allen Eisregen-Scheiben, nur schwerlich: Mir als Fan gefällt die neue Platte ziemlich gut, eine Bewertung im oberen Drittel ist hier allemal drin; vermutlich würde die Bewertung bei häufigerem Hören noch steigen, schließlich gibt es auf Eisregen-Alben immer wieder kleine Hintergrundschnipsel zu entdecken, die die Tracks auf eine neue Stufe heben. Dass die Truppe ihren derben Humor aber allen Unkenrufen zum Trotz noch nicht eingebüßt hat, darf man ihr hoch anrechnen – letztlich gibt es acht Punkte für die „Rostrot“-Scheibe. Ach ja: 100 Zusatzpunkte im Geiste gibt es für das abartig gute Cover!

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