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Einstürzende Neubauten: Live At Rockpalast

Hohe Klangkunst einer vergangenen Epoche
Wertung: 8/10
Genre: Avantgarde Rock / Post Punk / Industrial
Spielzeit: 73:00
Release: 09.11.2012
Label: M.I.G. Music

Alle Easy-Listening-Fans können gleich wieder aufhören zu lesen. Wer die Band Einstürzende Neubauten kennt, der weiß sofort: Hier muss man sich als Hörer anstrengen und höchstwahrscheinlich auch viel mehr als einmal hinhören, um einen Zugang zur Musik zu bekommen. Live wird der verwirrende und verstörende Eindruck, den die Musik hinterlässt, noch verstärkt durch die visuellen Reize, die die Band beim Betrachter hinterlässt.

Egal, welchem Genre man die Musik zuordnet, ob Post Punk, Industrial oder schlicht alternativer Rock - keine Bezeichnung wird den Klängen gerecht. Einstürzende Neubauten als Gesamtkunstwerk zu betrachten, macht am meisten Sinn. Die theatralische Wirkung eines Gigs der Band sei hier nicht nur am Rande erwähnt. Mit viel ekstatischer Hingabe zelebrieren die Musiker ihre Toncollagen und hinterlassen dabei oftmals sprachlose Zuhörer. Recht viel anders kann man die gespenstische Stille, die bei dem Auftritt im Rockpalast herrscht, nicht deuten.

Die unterschiedlichsten Mittel, darunter eine Bohrmaschine, diverse Stahlrohre, ein Einkaufswagen und vielerlei andere „Musikinstrumente“, kommen zum Einsatz - sogar ein Vibrator. Die ausgewählten Stücke für das Konzert im Jahr 1990 konzentrieren sehr schön die beeindruckendsten Werke, die die Neubauten bis zum Konzerttermin verfasst haben. Highlights aus dieser Zeit sind die Nummern „Yu Güng“ und „Zerstörte Zelle“ Während dieser beiden Lieder kommt die ganze Emotionalität der Musik der Neubauten zum Ausdruck, nachdem sich die Musiker die ersten Lieder erst einmal auf der Bühne akklimatisieren mussten. Zumindest macht es den Eindruck, dass die Band erst nach und nach zur Höchstform aufläuft.

Einmal dort angekommen lassen es die Protagonisten richtig krachen. Die Darbietungen werden immer extremer und expressionistischer, abstruser und unwirklicher. Ein weiteres Highlight ist der Titel „Ein Stuhl in der Hölle“. Im Vergleich zu vielen anderen Werken der Gruppe sind in der Komposition vergleichsweise reguläre Songstrukturen zu erkennen.

Die Bildqualität entspricht dem Standard des Jahres 1990. Mit diesem schon fast nostalgischen Erscheinungsbild versehen, bekommt die Musik auf der DVD sogar noch ein ganz besonderes Flair. Tontechnisch betrachtet ist der Mitschnitt in bester Qualität erhalten. Die Rockpalast-DVDs können ja allesamt mit einer hohen Tonqualität glänzen. Besonders toll ist hierbei, dass auch die ganzen improvisierten Instrumente gut zum Zuge kommen und nicht unter den anderen versinken.

Zusammenfassend betrachtet ist der Livemitschnitt ein beeindruckendes Werk Musikgeschichte. Dass sich nur ein sehr eingeschränkter Personenkreis mit so avantgardistischer Musik auseinandersetzt, das liegt schon in der Natur der Sache. Wer mit experimenteller Musik und Post-Punk-Klängen etwas anfangen kann, der hat hier die Möglichkeit, auf eine wahre Klangreise zu gehen.

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