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Eilisen Jäälken - Suomalaista Postpunkia 1981-1987

Obskurer finnischer Post Punk für Genre-Liebhaber
Wertung: 8/10
Genre: Post-Punk
Spielzeit: 79:02
Release: 27.01.2010
Label: Stupido Records

Dass auch die Finnen an der Post-Punk-Welle einen deutlichen Anteil hatten, ist sicherlich nicht jedem Fan des Genres bekannt, nicht zuletzt weil die Suomi-Vertreter ihre Texte meist ausschließlich in ihrer Landessprache hielten und noch immer halten, so dass der Faktor der Sprachbarriere stets präsent ist. Mit „Eilisen Jäälken - Suomalaista Postpunkia 1981-1987“ wird nun ein Überblick über das Schaffen diverser Post-Punk- und New-Wave-Bands der Achtziger geboten, unter denen sich nicht nur reichlich obskure Truppen, sondern auch einige echte Perlen finden.

Wer die Szene kennt, weiß, dass dort selten Experimente gescheut wurden und ein breites Spektrum an Sounds geboten wurde – das spiegelt auch dieser Sampler wieder, denn nur selten klingt hier eine Band wie die andere. Mal werden die Punk-Wurzeln deutlich betont, zu anderen Zeiten befindet man sich schon auf der Schwelle zum Gothic-Rock oder bindet mal mehr, mal weniger geschickt elektronische Elemente ein. Da die meisten der vertretenen Formationen nie zu übermäßiger Bekanntheit gelangten, ist die Produktion entsprechend altbacken und hat oftmals einen gewissen Proberaum-Charme – schaden tut dies der Musik aber nicht, denn in einem moderneren Gewand würde aller Wahrscheinlichkeit nach klassische Post-Punk-Feeling verloren gehen.

Eingeleitet wird der Sampler mit dem namensgebenden Stück „Eilisen Jäälken“, das von Ratsia relativ eingängig mit deutlich hörbaren Punk-Wurzeln vorgetragen wird – diese werden meistens zu gleichen Teilen mit den düsteren Einflüssen eingebunden, denn nicht wenige der Acts auf der Zusammenstellung geben sich atmosphärisch und häufig auch recht melancholisch. So wandeln die gleich drei mal vertretenen Musta Paraati schon eindeutig in Gothic-Rock-Gefilden und erzeugen mit reichlich Keyboard-Einsatz eine finstere Stimmung und zaubern einige starke Melodien aus dem Hut. In eine ähnliche Kerbe schlagen Songs wie „Peilisali“ von Kolme Seisoo Vinossa, das vor allem durch eine Menge Dynamik im Songwriting beeindruckt oder auch „Rikoksen Rytmi“ von Päät – hier stimmen sowohl der Gesang, als auch das hypnotische Drumming, das die Atmosphäre gekonnt unterstützt.

Viele der vertretenen Interpreten sind jedoch nicht nur wegen der Sprachbarriere schwer zugänglich – mal versperren dem Hörer schräger Gesang, kombiniert mit etwas ungelenkem Saxophon-Einsatz, den Weg (Kuolleet Kukat, Hiljaa), zu anderen Zeiten muss mal schon ein gewisses Faible für leichte Dissonanzen mitbringen, denn ohne dieses sind eigentlich gelungene Stücke wie „Ikiyö“ von Hexenhaus, das mit einem stetigen Tempoanstieg ausgestattet ist, nur schwer verdaulich. Deutlich seichter präsentieren sich da schon Belaboris mit ihrem weiblichen Gesang und der poppigen Elektronik, die zwischen den meist eher düster angehauchten Bands ein wenig aus dem Rahmen fallen. Andere Truppen mit Frau hinter dem Mikrofon machen ihre Sache da schon bedeutend besser: So überzeugen Geisha beispielsweise mit groovendem Drumming, Ret Marut mit tiefem Gesang und einer geisterhaften Atmosphäre, während Après Demain in Sachen Rhythmus und Keys auf eine gewisse Jahrmarkt-Ästhetik zurückgreifen.

Um einige Highlights hervorzuheben, sollten sicherlich Psyyke genannt werden, die mit dem ausdrucksstarken Gesang zwischen Geschrei und einer rauen Tonlage sowie unheimlichen Gitarren begeistern. Auch Liikuvat Lapset vermögen mit ihren harten Riffs und der rauen, tiefen Stimme ihrer Frontfrau überzeugen – ebenso tragend für die Musik ist der Gesang bei dem erneut leicht dissonanten Song „Ilo“ von Jumalainen Näytelmä, denn das heisere Organ des Sängers drückt diesem einen ganz eigenen Stempel auf. Perfekt gewählt als Abschluss sorgen Tiistai mit ihren melancholischen Gitarrenmelodien und dem ebenfalls sehr ausdrucksstarkem Gesang für einen ruhigen Ausklang dieses Samplers.

Jeder Post-Punk-Anhänger, der nicht vor der finnischen Sprache zurückschreckt, sollte hier unbedingt einmal hereinhören, denn „Eilisen Jäälken - Suomalaista Postpunkia 1981-1987“ bietet einen hervorragenden Überblick über das vielseitige Schaffen der finnischen Szene. Vom rauem Punk-Charme bis hin zur düsteren Gothic-Attitüde ist hier alles vertreten, so dass jeder Genre-Begeisterte auf seine Kosten kommen sollte. Obwohl auf der Zusammenstellung auch einige Ausfälle zu finden sind, ist der Großteil des Gebotenen auf einem recht hohen Niveau einzuordnen, denn das fast immer vorzufindende Herzblut macht so einiges an mangelnden technischen Fähigkeiten wieder wett. Einziges Manko sind die leider nur auf Finnisch abgedruckten Bandinfos im Booklet des ansonsten hübsch aufgemachten Digipaks, die leider nur erahnen lassen, was es Wichtiges über die Bands zu sagen gibt, denn im Internet sind Infos hierzu recht dünn gesät.

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