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Edy Edwards: Medienapplaus

Vielseitiger und intelligenter Deutschrock, der zu begeistern weiß
Wertung: 9/10
Genre: Blues, Rock, Singer-Songwriter
Spielzeit: 38:26
Release: 24.03.2016
Label: m2 music

Edy Edwards, benannt nach dem englischen Skispringer "Eddy the Eagle", spielt bereits seit 2008 – mal mit, mal ohne Band – in vielen verschiedenen Clubs und Kneipen und machte sich zuerst in seiner Heimat, dem Ruhrpott, einen Namen. Somit ist es allerhöchste Zeit, an diese vielen Jahre der Live-Erfahrung ein Album anzuknüpfen und die Leute auch im Auto oder Zuhause mit den eigenen Tönen zu begeistern. "Medienapplaus" schafft diesbezüglich nun Abhilfe.

Den Start in das Album macht hier der Track "Was man so hört". Dieser kommt gleich mit einer Nummer um die Ecke, welche sich über ihre zwei Minuten und 40 Sekunden im Klang eingängig-rhythmischer Gitarrenläufe und vereinzelter Backgroundchören zu einer eingängigen Surferrocknummer aufbaut. Dabei schafft das Trio um den Sänger Edy eine vielschichtige Songstruktur, die jedoch nicht überladen wirkt, da sie sich an den richtigen Stellen auch zurücknehmen kann. Lyrisch spricht sich der Ruhrpottler dabei schon mal von jeder Kritik frei, singt eindrucksvoll über die Sinnlosigkeit, sich einen Kopf darüber zu machen, was andere so denken – hier muss man nicht nur als Autor dieses Artikels schmunzeln.

Daran anschließend stellt der Song "So laut ich nur kann" bereits die Vielseitigkeit dieser Scheibe dar. Mit leisen, melancholischen Gitarrenklängen und ruhiger klarer Stimme zeichnet der Rocker ein klinisch-kaltes Bild eines Patienten, der im Koma liegt. Nach gut 90 Sekunden bricht es dann in einem rauchigen gebrüllten Gesang aus dem Sänger heraus und den Emotionen wird Ausdruck verliehen – der Rhythmus findet zurück in die Ohren des Hörers. Dabei zeigt sich auch hier ein unwahrscheinliches Talent in den Lyrics: Diese sind zielgenau, treffend und emotional, ohne dabei kitschig zu wirken.

Mit etwas mehr Witz und Leichtigkeit knüpft sich der Song "Pummelpo" an, welcher ähnlich wie die Nummern zuvor unweigerlich zum Fußwippen und Mitnicken einlädt. Mit einem schön knackigen Fendersound und einem treibenden Zusammenspiel aus Bass und Schlagzeug nimmt Edy Edwards hier kein Blatt vor den Mund, um eine Frau zu entlarven, welche in ihrem Leben zwar ganz oben angekommen scheint, aber selber dazu herzlich wenig aus eigener Kraft geleistet hat. Analytisch schaut der Sänger hinter die Fassade, bedient sich dabei kreuz und quer an verschiedenen Sinnbildern und Metaphern, jedoch ohne dabei gewöhnlich oder platt zu wirken. Dabei finden sich hier dezent im Hintergrund auch schnelle Klaviertöne, welche unaufdringlich den schnellen Rock'n'Roll dieser Nummer unterstreichen.

Ein weiteres herausragendes Lied des Albums stellt hier der Titeltrack "Medienapplaus" dar. Mit einem gradlinigen Gitarrensound und rauchiger Stimme steigert sich der Song in eine lässige Rocknummer, welche sich nicht scheut, ihre konsequente Richtung immer wieder um verschiedene Soundeffekte zu bereichern und sich auszuprobieren. Dabei sind diese Elemente so gewählt, dass sie jedoch das Geschaffene in keinster Weise sabotieren. Auch hier findet sich eine textliche Ausdruckskraft, welche hier als Ruhrpott-Poesie bezeichnet werden soll. So finden sich Textzeilen wie: "Durch trübe Brillen ins Strahlen geschaut, Die Zeitung von gestern renoviert verkauft". Exemplarisch zeigt sich hier, das Edy Edwards Texte schreibt, welche neben Witz auch von Intelligenz geprägt sind. Dies mag zwar dazu führen, dass sich nicht bei jedem Track die tiefe Bedeutung sofort offenbart, aber man muss es dem Zuhörer eben auch nicht immer leicht machen. Der Song wie auch der Rest des Albums zeigen, dass authentische Texte eben nicht gleich plump sein müssen.

Edy Edwards ist erfrischend anders. So kreiert das Trio um den gleichnamigen Sänger und Gitarristen einen lässigen und mitreißenden Rocksound, der sich konsistent durch die elf bzw. zwölf Lieder des Albums trägt. Dabei scheut sich der Ruhrpottler jedoch nicht zu experimentieren: Die schnellen Rocknummern werden unterstützend mit Klavier- und Orgelspuren, Chören sowie verschiedenen Effekten versehen, ohne sich dabei in diesen Spielereien zu verlieren. Auch die ruhigen Töne werden hier nicht gescheut, so findet sich in Nummern wie "So laut ich nur kann" oder "Herzinfarkt" auch der Mut, die Musik auf ein Minimum zu reduzieren und sich lediglich auf großartige Texte zu verlassen.

Das Werk "Medienapplaus", welches nach Aussagen des Erschaffers musikalisch als "Folk'n'Roll" zu bezeichnen ist, mischt sich aus vielen verschiedenen Nuancen zusammen: Rock 'n' Roll gepaart mit einer gehörigen Prise Blues, Singer-Songwriter, Surfermusik und ein wenig Punk. Eine ähnliche Spannweite zeigt sich in den Texten des Musikers: Zwischen Witz, Melancholie und kleinen politischen Untertönen findet sich für viele verschiedene Anlässe ein passender Song auf diesem Album. In einem unverbrauchten Gewand gelingt dem Künstler die Gratwanderung, die deutsche Texte oft mit sich bringen: weder in Plumpheit noch in Theatralik anzuecken. Wollte man die hier gezeigten Lyrics vergleichen, erinnern diese am ehesten an Künstler wie Thees Uhlmann, Rio Reiser oder Marius Müller-Westernhagen, stimmlich finden sich dabei auch Parallelen zwischen Edy Edwards und den letzten beiden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass hier ein großartiges und vielseitiges Album entstanden ist, welches vom ersten bis zum letzten Song Spaß macht, wenn man sich darauf einlässt. Dabei sollte man nicht die härtesten Töne oder die schnellste Gangart erwarten, jedoch braucht Edy Edwards Erstlingswerk diese auch nicht, um zum Mitgrooven zu animieren.

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