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Edguy: Tinitus Sanctus

Power Metal oder Hard Rock?
Wertung: 8.5/10
Genre: Hard Rock, Power Metal
Spielzeit:
Release: 14.11.2008
Label: Nuclear Blast

Edguy sind zurück! Fans freuen sich, Kritiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Der Siegeszug des Quintetts aus Fulda, welches sich bei der kürzlichen Autogrammstunde in Münster wieder einmal angenehm bodenständig zeigte, kann also weitergehen. Die einzige Frage ist eigentlich nur die nach der musikalischen Ausrichtung des neuen Werkes „Tinnitus Sanctus“ (Albumtitel des Jahres !). Geht man den rockigen Weg der Vorgänger „Hellfire Club“ und vor allem „Rocket Ride“ weiter oder können die Fans der alten Stunde auf Speed/ Power Metal Hymnen im Stile von „Theatre Of Salvation“, „Vain Glory Opera“ oder gar „The Savage Poetry“ hoffen? Nun, die Frage sollte sich jeder selbst beantworten können. Natürlich gehen Edguy ihren Weg konsequent weiter...sie wären auch fein blöd gewesen ihre, im wahrsten Sinne des Wortes, Narrenfreiheit wieder aufzugeben. Im Vergleich zum Vorgänger „Rocket Ride“ wurde aber der Klamauk-Faktor deutlich zurückgefahren, sprich: Auf gesungene Gitarrensoli („Return To The Tribe“) oder einen leicht wahnsinnigen Tobi am Mikro („Catch Of The Century“) müssen die Fans dieses mal verzichten.

Dafür gibt es mit „Ministry Of Saints“ einen knackigen Rocksong mit Ohrwurmgarantie direkt zu Beginn. Melodie heißt hier das Zauberwort, denn schnell wird es hier zu keiner Sekunde. Das muss es aber auch gar nicht, denn auch so erkennt der geneigte Fan schon den Song, der die nächste Tour eröffnen wird.

Stilistisch ähnlich und deutlich an Whitesnake und Konsorten angelegt tönt „Sex Fire Religion“, das alleine aufgrund seiner Refrains, der sich perfekt zum mitsingen eignet, ebenfalls einen Platz im Live Set sicher haben dürfte. Mir persönlich gefällt die Nummer nicht unbedingt, da sie zu sehr nach „Edguy Standard“ klingt.

Es sind noch einige Songs dieser Art auf „Tinnitus Sanctus“ zu finden. Auf diese möchte ich hier nur kurz eingehen und danach den Krachern des Albums den verdienten Platz einzuräumen. „Nine Lives“ kommt beispielsweise kaum in Fahrt und kann mich zu keiner Sekunde packen. Songs dieser Art haben Edguy schon deutlich bessere geschrieben. Ebenso haben sie auch schon stärkere Balladen als „Thorn Without A Rose“ geschrieben, welche aber immerhin einen schönen Chorus hat. „Dead Or Rock“ hingegen geht als AC/DC Hommage durch, bei der immerhin die Intention stimmt.

Aber nun genug gemeckert, es geht ans Loben. „The Pride Of Creation“ ist der vielleicht stärkste Song des Albums und hat ein paar Elemente aus der Vergangenheit Edguys in den „neuen“ Stil eingebracht. Rock Riffs treffen auf bombastische Metal-Chöre als wäre es das natürlichste der Welt. Denn bei allem Spott, dem sich Edguy häufig ausgesetzt sehen, wird doch gerne mal vergessen, dass sie hervorragende Songwriter sind. „The Pride Of Creation“ ist der beste Beweis dafür und für mich persönlich einer der stärksten Songs, die ich dieses Jahr gehört habe.

Der Tobi kann auch richtig dreckig singen, wenn er will. Schwer vorzustellen? Hört euch „Wake Up Dreaming Black“ an. Aber Vorsicht: Der Chorus besitzt Widerhaken und krallt sich im Gehirn fest. Die Live Setlist wird immer länger...

...denn unbedingt gespielt werden muss auch „Dragonfly“. Das Lied hätte auch sehr gut auf das letzte Avantasia Album „The Scarecrow“ gepasst und sticht vor allem aufgrund des epischen Refrains heraus. Hier werden Erinnerungen an „Vain Glory Opera“ wach, was aber nicht heißen soll, dass sich die Band selbst kopiert. Nein, sie hat einfach nur (den nächsten) saustarken Song geschrieben.

Im Review zu „Rocket Ride“ habe ich geschrieben, dass Edguy alles dürfen. Dazu stehe ich auch heute noch. Deswegen habe ich auch kein Problem, dass sich mit „9-2-9“ ein perfekt auf Single getrimmtes Lied auf dem neuen Longplayer befindet. Leute, die sich diese Platte anhören, sind ohnehin keine engstirnigen Verfechter der „wahren Metal-Lehre“ und werden sich an einem weiteren starken Stück Musik erfreuen.

Einen heißen Anwärter auf den Albumtitel des Jahres haben Edguy schon abgeliefert – mit „Speedhoven“ folgt eine Nominierung für die Kategorie „Bester Songtitel 2008“. Eingeleitet von einem urigen Speed Metal Chorus ist das längste Lied der Platte extrem abwechslungsreich ausgefallen und braucht sich hinter früheren Longtracks der Band nicht zu verstecken. Tolles Solo, ein fein ausgetüftelter, ruhiger Mittelteil und eine Hammond Orgel – der Rezensent ist glücklich.

Fazit: „Fans freuen sich, Kritiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen.“ Das sollte alles sagen. Die Zielgruppe (also jeder mit einem Gespür für gute Musik, die nicht immer bierernst sein muss) darf sich noch auf den grenzdebilen Bonustrack „Aren't You A Little Pervert Too?“ und eine 10 Tracks starke Live CD freuen, sofern sie sich die limitierte Edition zulegen. Diese ist gut 60 Minuten lang und präsentiert Edguy vor einem erstaunlich textsicheren Publikum in Los Angeles. Wieder mal eine reife Leistung, auch wenn mir „Rocket Ride“ noch ein kleines bisschen besser gefallen hat.

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