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Edguy: Space Police - Defenders Of The Crown

Starkes Songwriting trifft auf jede Menge Spaß
Wertung: 9/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 54:16
Release: 18.04.2014
Label: Nuclear Blast

Die Grundsatzdiskussion, was im Metal erlaubt ist und was nicht, wo die Grenze zwischen Verballhornung der Szene selbst und einfach nur ein bisschen Spaß haben erreicht beziehungsweise überschritten ist, befindet sich mehr denn je in vollem Gange (siehe auch den schönen Verriss des neuen Grailknights-Albums von Kollege Björn Backes). Inzwischen sind es nicht nur Hardliner, die von Wacken-Touristen, Spaß-Metal-Sauf-Kapellen, Cover berühmter Metalsongs in Mambo Kurt-Manier gestrichen die Schnauze voll haben – sicherlich nicht zu Unrecht, denn auch wenn es vieles in der Szene gibt, das geradezu danach schreit, durch den Kakao gezogen zu werden, lieben wir diesen Lifestyle und diese Musik schließlich alle und nehmen ihn respektive sie auch ernst.

Dies tut definitiv auch Tobias Sammet, seines Zeichens Frontmann und Hauptsongwriter bei Edguy, auch wenn das wiederum die Hardliner sicherlich nicht wahrhaben wollen. Dass er trotzdem alles immer ein bisschen mit einem Augenzwinkern betrachtet, ist völlig legitim und an sich ja auch eine nette Abwechslung zu Machogehabe und Misanthropie. Edguy – das beweist allein der Bandname – waren Konventionen schon immer egal und man mag Tobis Art von Humor mögen oder nicht (viel schlimmer ist für meine Begriffe eher seine Affinität zum FC Bayern München), aber die Jungs haben einfach nur Spaß und machen Party-taugliche Mucke ohne dabei so lächerlich zu wirken wie die drölfzig angesprochenen ach so lustigen Fun-Metal-Combos.

So richtig verfolgt hat meine Wenigkeit das Schaffen der Fuldaer in den letzten Jahren ehrlich gesagt nicht mehr, aber die Kritiken waren stets doch überwiegend positiv und man hat sich zu einer Größe in der deutschen Power-Metal-Szene emporgearbeitet, wobei es dem Bekanntheitsgrad der Band sicherlich nicht geschadet hat, dass auch Tobi Sammets Avantasia-Projekt einen riesigen Erfolg verzeichnen kann und letztlich wohl beide voneinander profitieren.

Während bei Avantasia aber mittlerweile doch hin und wieder mal kräftig in den Schmalztopf gelangt wird und sich auf den neueren Outputs einige doch arg glatt gebürstete Nummern tummeln, geht es bei Sammets regulärer Band insgesamt klar härter zu. Dass hier und da ein paar Gesangslinien auftauchen, die auch bei Avantasia einen Platz hätten finden können, liegt in der Natur der Sache und sollte niemanden ernsthaft stören.

Dass „Space Police (Defenders Of The Crown)“ gleich auf Anhieb auf Platz zwei der deutschen Charts eingestiegen ist, muss natürlich nicht zwangsweise ein Qualitätsmerkmal bedeuten, in diesem Fall jedoch darf man der Allgemeinheit tatsächlich mal einen guten Geschmack attestieren. Das Album ist kraftvoll produziert und überzeugt in erster Linie durch starkes Songwriting, für das Edguy und besonders Hauptsongschreiber Tobi einfach ein untrügliches Händchen haben. Mit „Sabre & Torch“ geht es gleich richtig krachend zur Sache; bei dieser recht flotten Nummer zuckt der Schädel von Beginn an von selbst auf und ab. Das Mainriff ist noch nicht mal sonderlich originell, dennoch besitzt das Stück genügend Arschtrittfaktor, um als ein perfekter Konzert-Opener durchzugehen.

„Space Police“ und „Defenders Of The Crown“, die beiden Titeltracks, wenn man so will, sind dann mit Sicherheit zwei kleine Seitenhiebe in Richtung der ewig meckernden Szenepolizei – schön, dass die Jungs dieses Querulantentum auf eine Weise beantworten, die diese Leute wohl noch mehr anpissen wird. Beide Songs sind Midtempo-lastig, ersterer jedoch dank vereinzelter Synthieklänge, nun ja, eher spacig, letzterer hingegen sehr hymnisch – lustigerweise haut Tobi hier Schreie raus, die ausgerechnet glatt an Manowars Eric Adams denken lassen – jaja, ein Schelm und so weiter…

Mit dem nicht nur vom Titel her Glam-rockigen „Love Tyger“ wird man sich wohl ebenfalls kaum Freunde bei der selbsternannten Metal-Elite machen und noch weniger mit dem Falco (!)-Cover „Rock Me Amadeus“, das allerdings sehr gut gemacht wurde – Tobis Sprechgesang klingt tatsächlich fast wie der 1998 verstorbene österreichische Popmusiker und ich denke nicht, dass ich alleine mit der Meinung dastehe, dass solche Cover viel cooler sind als „Metalband X spielt Song von Metalband Y nach“ – gähn.

In Form von „Do Me Like A Caveman“ liegt dann eine weitere sehr hymnische Nummer vor (Klasse-Mitsing-Refrain!), „The Realms Of Baba Yaga“ und „Shadow Eaters“ rocken dagegen richtig hart nach vorne und „Alone In Myself“ stellt so etwas wie die Quotenballade dar. Zum Glück ohne übermäßigen Schmalz und recht stilvoll mit feierlichen Orgelklängen angereichert. Das teilweise orientalisch angehauchte, facettenreiche Neun-Minuten-Epos „The Eternal Wayfarer“ erweckt zum Ende hin schließlich ordentlich Achtziger-Reminiszenzen: Die Synthie-Hookline kommt aber überhaupt nicht albern oder altbacken herüber, sondern sehr charmant, mal abgesehen davon, dass sie so gottverdammt eingängig ist, dass man sie aus den Gehörgängen kaum noch herausbekommt.

Das Jubiläum ist somit geglückt: Das zehnte Album zeigt Edguy als musikalisch reife Combo, die mit vielseitigem, ganz starkem Songwriting glänzt und sich trotz allem nicht den Spaß verderben lässt – die kleinen feinen Seitenhiebe in Richtung der Besserwisser und Bewahrer des trven Metals sind wahrlich gekonnt in Szene gesetzt. Da kann man unter Umständen sogar Tobis Support des FC Bayern noch gerade so verzeihen…

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Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend